Geruchskino: Der Kinoparfumeur

Christoph Ries

Maik Löffler ist Haustechniker im Freiburger Cinemaxx-Kino. Seit drei Wochen gießt er jeden Tag eine Ladung Blumenduft in die Klimaanlage. Der Auftrag kommt von einem großen Filmverleiher aus den USA, der in Freiburg ein "Geruchskino" testen will.



Menthol-Kaugummis kauen könnten helfen, oder eine beherzte Nasenspülung mit anschließender Riechsalz-Kur. Auf jeden Fall aber sollte man vor dem Hauptfilm noch mal kräftig ins Taschentuch geschnäuzt haben, will man einen Kinobesuch in Freiburg derzeit mit allen Sinnen genießen. Der neuste Trend der Filmbranche heißt Geruchskino und wird momentan im Cinemaxx-Kino am Bahnhof getestet. Blumiger Duft aus sechs Filzmatten – wer’s nicht merkt, hat Schnupfen oder kein Sinn für schöne Düfte.


Eine halbe Stunde vor Kassenöffnung fängt es im Lüftungsraum des Freiburger Kinos an zu rumoren. Zwei Propeller im Inneren eines stählernen Metallklotzes fangen an zu kreiseln, sie saugen Luft aus Kinosaal 8 in den Bauch der Beduftungsmaschine. Mollige 30 Grad Celsius herrschen hier, Idealbedingungen für die Verteilung von Duftmolekülen.

Während die Maschine langsam aufheizt, betritt Maik Löffler den Lüftungsraum. Der Haustechniker des Cinemaxx streift sich ein Paar Latexhandschuhe über und öffnet sechs Klappen an der Metallfront. Aus jeder Schublade zieht er eine schulheftgroße Filzmatte und gießt eine Ladung Duftöl darauf. Sechs mal, bis alle Matten vollgesogen sind.



Im Saal nebenan geht derweil der Vorhang auf, die Vorschau von „27 Dresses“, einer Heiratsschmonzette aus den USA, flimmert über die Leinwand. Gleichzeitig pustet die Beduftungsmaschine ihren Inhalt in die Lüftungsschächte der Klimaanlage. Blumig-frisches Aroma aus den Filzmatten strömt in den Kinosaal. „Dezent, aber nicht aufdringlich“, so Fox-Sprecherin Conny Peschke. Passend zum Filminhalt eben. Der Zuschauer solle mit Trailer und Duft angenehme Erfahrung verbinden. „Damit er sich an uns besser erinnert als an die Konkurrenzprodukte.“

Ananas im Kopf, Maiglöckchen in der Herznote

Drei Minuten lang schwebt das Parfum durch den Saal, dann ist der Zauber vorbei. Ob die Freiburger Kinogänger die Beduftungsattacke tatsächlich bemerken? Maik Löffler bezweifelt das. „Ich gieße seit drei Wochen das Konzentrat auf die Filzmatten. Bisher hat sich noch kein Gast dazu geäußert, weder positiv noch negativ.“ Auch Twentieth Century Fox will erstmal die Ergebnisse der Kundenumfrage abwarten, bevor weitere Duftnoten geordert werden. „Mehr Dufttrailer sind nicht geplant, und ganze Filme zu beduften wäre viel zu kompliziert,“ sagt Peschke.



Aufatmen darf das Publikum aber noch lange nicht. „Wer weiß, was mit einer Weiterentwicklung der Technik in Zukunft alles möglich ist.“ Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn die Beduftungstechnik in falsche Hände gerät: Demnächst wird Silvester Stallone als John Rambo zum vierten Mal seine Rentner-Achseln spreizen, die Umwelt-Dokumentation Unsere Erde bringt Bilder von aus moderigen Wasserlöchern saufenden Gnus in die Kinos (wenn auch ohne deren kernige Ausdünstungen). Selbst eine romantische Liebesszene mit Hugh Grant verlöre schnell an Attraktivität, könnte der Kinogänger plötzlich akuten Mundgeruch beim Engländer feststellen.



Einzelne Duftnoten gezielt auf Filmszenen anzuwenden sei momentan nur mit großem Aufwand möglich, meint Peschke. Die Technik aber ist schon vorhanden und steht im viert en Stock des Freiburger Cinemaxx. Wenn in ferner Zukunft ein Kinobesucher beim Anblick eines sich lausenden Affen die Nase rümpft - Maik Löffler hat es als Erster gewusst.

Der Freiburger Kino-Duft im Detail

Die Parfumkomposition wurde in der Provence im Städtchen Grasse hergestellt. In der Kopfnote finden sich die Aromen von Ananas, Cassis, Minze und Bergamotte. Die Herznote duftet nach Rose, Jasmin, Veilchen, Maiglöckchen und Orchideen. Die Basisnote besteht aus Heliotropen und Moschus.

Der Dufttrailer zu "27 Dresses" läuft noch etwa eine Woche im Vorprogramm.

Flasche auf dem Teaserbild entspricht dem originalen Duft-Behälter