Leute und Listen

Gerlinde Schrempp von Freiburg Lebenswert: "Nach Dietenbach muss unbedingt Schluss sein"

Simone Lutz

Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. In Freiburg treten 18 Listen an. Welche Positionen vertreten sie? Heute: Gerlinde Schrempp, Spitzenkandidatin von Freiburg Lebenswert.

BZ: Frau Schrempp, Sie gelten als durchsetzungsfähig. Muss man das sein, wenn man in den Gemeinderat will?
Schrempp: Durchaus. Man muss seine Meinung vertreten können, auch wenn sie auf Widerstand trifft. Sonst hätten wir denkmalgeschützte Gebäude wie den Meierhof nicht erhalten können. Die Bürger erwarten einen solchen Einsatz.


"Wir stehen für echte Bürgerbeteiligung – es gibt zu viele Dinge, die an den Bürgern vorbeigehen."

BZ: Wofür steht Ihre Liste?
Schrempp: Wir finden, das Freiburger Stadtbild muss so erhalten werden wie es ist. Und wir stehen für echte Bürgerbeteiligung – es gibt zu viele Dinge, die an den Bürgern vorbeigehen.

BZ: Was muss sich in Freiburg dringend ändern?
Schrempp: Man muss Denkmalschutz, Klimaschutz, Baumschutzsatzung ernst nehmen und Verkehrsströme sinnvoll lenken.


BZ:
Soll Freiburg weiter wachsen oder sollte nach dem Bau des neuen Stadtteils Dietenbach Schluss sein?
Schrempp: Nach Dietenbach muss unbedingt Schluss sein. Wobei ich noch nicht überzeugt bin, dass der neue Stadtteil kommt, wenn ich an die Finanzen denke. Was wir brauchen, ist moderate Nachverdichtung.
Zur Person

Gerlinde Schrempp, 72, war Lehrerin und ist unter anderem im Vorstand der Lärmschutz-Initiative IGEL engagiert. Sie hat zwei Kinder und wohnt in Landwasser.



BZ:
Für den neuen Haushalt haben Stadtverwaltung und Gemeinderat 70 Millionen Euro neue Schulden beschlossen. Wie bekommt man die Finanzen wieder in den Griff?
Schrempp: Indem man keine Großprojekte à la Dietenbach und Fußballstadion mehr andenkt. Auch neue Stadtbahnlinien kann die VAG nicht allein stemmen.

"Hauptsache, eine Liste ist ideologiefrei, denn Ideologie hat im Gemeinderat nichts verloren."

BZ: Ihre Traumveranstaltung für das Stadtjubiläum?
Schrempp: Lange Tafeln durch Innenstadt und Stadtteile, an denen Menschen zusammen feiern bei einem Fest der Bürger. Ich kenne das aus meinem Heimatort Wolfach, dort war das immer ein Wahnsinnserfolg.

BZ: Bitte vervollständigen Sie: Ich finde den kommunalen Ordnungsdienst...
Schrempp: ... absolut notwendig. Ein großer Erfolg, dass die Entscheidung dafür zustande kam. Der Ordnungsdienst sollte auch die Vermüllung vermeiden und Lärm verhindern.

BZ: Die Umsetzung politischer Entscheidungen scheitert immer öfter am Widerstand von Bürgern. Wie wollen Sie hier vermitteln?
Schrempp: Na, so ganz viel scheitert nicht. Aber wenn man sich als Fraktion zu etwas entschließt, muss man das auch in Gesprächen mit den Bürgern erklären und diskutieren.

BZ: Mit welchen anderen Listen könnten Sie sich eine Zusammenarbeit vorstellen?
Schrempp: Wir arbeiten bisher schon ganz gut mit verschiedenen zusammen. Hauptsache, eine Liste ist ideologiefrei, denn Ideologie hat im Gemeinderat nichts verloren.


BZ:
Welcher Gemeinderatsbeschluss der vergangenen zehn Jahre war top, welcher war der größte Flop?
Schrempp: Top war, dass wir eine Erhaltungs- und Gestaltungssatzung für die Wiehre durchgekriegt haben. Der größte Flop ist der Standort des SC-Stadions.
Leute und Listen

Am 26. Mai wird ein neuer Gemeinderat gewählt. In Freiburg treten 18 Listen an. Welche Positionen vertreten sie? Wir haben die jeweiligen Spitzenkandidatinnen und -kandidaten um Antworten für einen Fragebogen gebeten. Alle bisher erschienenen Folgen gibt’s unter: Kommunalwahl 2019 in Freiburg: Leute und Listen.

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