Prozesseröffnung

Gericht sucht nach dem Auslöser einer Schlägerei im QU Club an Silvester

Sandra Hennig

Ein Dutzend Verletzte, darunter vier Schwerverletzte – das war die Bilanz einer Massenschlägerei im Club QU an Silvester. Warum eskalierte der Streit? Das Amtsgericht Freiburg versucht seit Mittwoch, den Fall zu klären.

Sie wollten ausgelassen das neue Jahr feiern, hatten sich Lounges in der Freiburger Diskothek QU am Fahnenbergplatz gemietet – und dann kam alles ganz anders: Es flogen nicht nur Fäuste, es kam zu Messerstichen, es wurde mit Flaschen geworfen und geschlagen (fudder-Bericht vom 7. Januar).


Anklage wegen gefährlicher und vorsätzlicher Körperverletzung

Ein zum Tatzeitpunkt 25-Jähriger wurde in Folge der Ermittlungen festgenommen und nun wegen gefährlicher und vorsätzlicher Körperverletzung in insgesamt fünf Fällen angeklagt.

Es sei eine chaotische Situation vor Ort gewesen in den frühen Morgenstunden des ersten Tages im Jahr 2016, wie der zuständige Hauptkommissar im Zeugenstand berichtet. Chaotisch blieb es auch am ersten Verhandlungstag, denn bei den 15 Zeugen kam es zum Teil zu widersprüchlichen Aussagen.

Schwierig für die Geschädigten und Zeugen, aber wichtig für den Vorsitzenden Richter Andreas Leipold, Oberstaatsanwalt Matthias Rall und Verteidiger Dominik Hammerstein ist es zu unterscheiden, was die Betroffenen tatsächlich in der Nacht wahrgenommen und was sie ausschließlich auf den Videobändern gesehen haben. Die Tatsache, dass die meisten Zeugen die Tatnacht in alkoholisiertem Zustand erlebten, ist zusätzlich wenig förderlich.

Schlag mit der Wodkaflasche

Am meisten Licht ins Dunkel brachte am ersten Prozesstag im Saal IV des Freiburger Amtsgerichts eine Zeugin, die in der Tatnacht nur wenig getrunken hatte, und daher besonders detaillierte Angaben zum Hergang machen konnte: So soll es nach Handgreiflichkeiten und einem Tritt des Angeklagten gegen einen der Geschädigten, da sind sich die Zeugen einig, zu einer Vielzahl an Auseinandersetzungen gekommen sein. Der inzwischen 26-jährige Beschuldigte habe dabei mit einer 1,5-Liter-Wodkaflasche einen Mann niedergeschlagen, dessen Stirn dabei brach und Knochensplitter in Richtung Augapfel wandern ließ, sodass zur Stabilisierung eine Platte eingesetzt werden musste.

Anschließend wurde ein weiterer Geschädigter durch eine geworfene Flasche verletzt, die die Zeugin nur knapp verfehlte – ob diese vom Tatverdächtigen oder seinem Bruder, der ein mexikanisches Restaurant in Freiburg betreibt und ebenfalls vor Ort gewesen sein soll, geworfen wurde, ist noch unsicher: Der Angeklagte schweigt zu den Vorwürfen und aus dem Kameramaterial der Diskothek geht nicht eindeutig hervor, wer geworfen hat.

Der Angeklagte soll einem 19-Jährigen mit einer Messer in den Rücken gestochen haben

Weiter stach der Angeklagte, so ging es aus den Zeugenaussagen und dem Videomaterial hervor, einem 19-Jährigen ein Messer in den Rücken, der daraufhin schwerverletzt ins Krankenhaus eingeliefert wurde und eine Woche auf der Intensivstation lag. Weitere Verletzte gab es im Anschluss außerhalb der Diskothek.

Es scheint eine Mammut-Aufgabe, den tatsächlichen Verlauf der Eskalation, die gegen 4.40 Uhr am ersten Januar begann, und die Zeugenaussagen richtig einzuordnen. Trotzdem fügten sich die einzelnen Tathergänge im Verlauf des mehrstündigen ersten Prozesstags langsam zusammen.

Die Verhandlung wird am 27. Juli fortgesetzt.

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