Gerd Janson legt am Donnerstag im Waldsee auf

Bernhard Amelung

Oft ist Gerd Janson im Club der einzige, der noch weiß, wo unten und oben ist. Am Donnerstag ist der Robert Johnson-Resident zu Gast bei Down By The Lake im Waldsee.

Auf Spotify und YouTube legen Nutzer Wiedergabelisten an, die dokumentieren, was für Musik Gerd Janson auflegt. In diesen Listen reihen sich House-Stücke von Bobby Konders, Jovonn oder den Burrell-Brüdern, also Musik aus der Hochära des Genres, an Disco-Klassiker einer Patrice Rushen oder Gwen McCrae. Lieder der Austropop-Ikone Falco und des britischen Elektropop-Duos Pet Shop Boys brechen diesen strengen Kanon der Tanzmusik auf.




Musik mit Chartplatzierung gilt vielen, die sich in dem oft dogmatisch-scheuklappigen Clubkontext aufhalten,als Fremdkörper. Sie wird als Eindringling in diesen Mikrokosmos gewertet. Janson jedoch schaut mit der Auswahl seiner Stücke genauer hin und zeigt, dass Popmusik nicht produziert wird, um zu schädigen, und dass die Universen "Pop" und "Club" eigentlich dasselbe wollen: eine Illusion erzeugen.

Über Genregrenzen hinausdenken ist kein Seitensprung

Aus ebendiesen Genres inszeniert Janson als Discjockey flüchtige Scheinwelten – und fühlt sich wegen dieses angeblichen Seitensprungs nicht schuldig. Anders, als es im Refrain von "Careless Whisper" heißt, haben seine Füße noch Rhythmus. Der Refrain, von George Michael und Andrew Ridgeley geschrieben, ist in seiner ursprünglichen englischen Version auch das Motto seines Plattenlabels Running Back Records. "Guilty feet have got no rhythm" könnte man also auch so interpretieren: Über Genregrenzen hinaus denken und über sie hinausspielen, ist kein Seitensprung.



Das macht Janson, in der hessischen Stadt Lorsch aufgewachsen und Anfang der Neunzigerjahre im Umfeld des Mannheimer Clubs Milk! mit der Clubwelt sozialisiert, seit rund 20 Jahren. Anfangs auf privat organisierten Partys, im Café Kesselhaus in Darmstadt, und dann auch schon bald im 1999 von Ata Macias und Sebastian Kahrs eröffneten Club Robert Johnson in Offenbach.

Dort legt Janson auch am Sonntag, 24. Juni, zum 18-jährigen Bestehen des Clubs auf, bevor er von Frankfurt nach Berlin fliegt und in der Panoramabar spielt. Ein zeitlich dichter Arbeitsplan. Oft ist Janson inmitten des ekstatischen Spektakels der einzige, der noch weiß, wo oben und unten ist. Er trägt auch die Verantwortung, seinem Publikum jene Illusion glaubhaft zu machen, es gebe tatsächlich kein Morgen mehr.



Für ihn bedeutet das Morgen: Labelarbeit, Produzieren mit Phillip Lauer unter dem Alias Tuff City Kids, mit diesem sowie Mark Barrott als Talamanca System. Im Mai dieses Jahres haben die drei ihr selbstbetiteltes Debütalbum veröffentlicht. Rund ein halbes Jahr zuvor erschien mit "Adoldesscent" das Debütalbum der Tuff City Kids. Eine Synthese aus Disco und House. Und wenn wie auf "Tell Me" Joe Goddard von Hot Chip die Vocals beisteuert, schimmert, zeigt sich der Pop von seiner schönsten Seite. Wer da nicht tanzt, hat wirklich schuldige Füße.


  • Was: Down By The Lake w/ Gerd Janson, Julius Steinhoff
  • Wann: Donnerstag, 22. Juni 2017, 22 Uhr
  • Wo: Waldsee, Waldseestraße 84, 79117 Freiburg