Geplante Studiengebühren fürs Zweitstudium: Drei Freiburger erzählen, warum sie nochmal studieren

Marie Schächtele

Ab dem Wintersemester 2017/2018 sollen Studierende eines Zweitstudiums 650 Euro pro Semester zahlen. fudder hat die Fakten zum Gesetzentwurf und mit drei Freiburgern gesprochen, die gerade ein Zweitstudium machen.

Was hat es mit der neuen Studiengebühr auf sich?

Man liest wenig über die geplante Gebühr, doch der Gesetzentwurf liegt vor. Die Landesregierung will ab kommendem Wintersemester Studiengebühren für das Zweitstudium in Höhe von 650 Euro pro Semester erheben.

Grund dafür ist, dass das Wissenschaftsministerium 48 Millionen Euro einnehmen muss, um ein Haushaltsloch zu schließen. Das ist im Gesamthaushalt des Landes eigentlich ein kleiner Betrag – im Landtagswahlkampf sprachen sich Grüne und CDU zudem noch gegen Studiengebühren aus. Auch Studiengebühren für internationale Studierende, konkret Studierende, die nicht aus der EU kommen, sollen eingeführt werden.

Das Wissenschaftsministerium hält ein kostenfreies Zweitstudium nicht länger für gerechtfertigt. Denn, so heißt es auf der Website: "Weitere Studienabschlüsse verbessern die persönliche Position auf dem Arbeitsmarkt. Das ist legitim, kann aber nicht auf Kosten der Allgemeinheit finanziert werden."

3 Studierende: Gründe für ein Zweitstudium

Tristan Griesbaum, 25, war in Naturwissenschaften und Technik schon immer gut. Als es darum ging, was er studieren soll, fiel ihm eine Entscheidung schwer. "Ich begann Molekulare Biotechnologie an der Uni Heidelberg, weil ich dafür zwei Bewerbungsgespräche durchlaufen musste und mich gut aufgehoben fühlte", erzählt er, "doch bald nach Beginn des Studiums merkte ich, dass ich mich damit nicht wohlfühlte". Nach zwei Jahren war für ihn definitiv: Das Studium war ihm zu detailliert. Doch es war zu spät fürs Abbrechen. Während er an der Bachelorarbeit arbeitete, machte er den Medizinertest und wurde zum Medizinstudium in Freiburg zugelassen. Da er sich Teile seines vorherigen Studiums anrechnen lassen konnte, übersprang er ein Semester.

Anna Grosch studierte an der Uni Freiburg Archäologische Wissenschaften mit Schwerpunkt Klassische Archäologie und machte ihren Bachelor-Abschluss. Doch die 23-Jährige stellte fest, dass der an ihr Bachelor-Studium anknüpfende archäologische Master für sie keine berufliche Perspektive bieten würde. Sie entschloss sich, umzusatteln und begann ein Magister-Studium in katholischer Theologie. Fünf Jahre wird ihr Magister dauern. Sie möchte anschließend in Forschung und Lehre arbeiten.

Anja Köhler, 25 Jahre alt, machte ein duales Studium in International Business Administration mit Schwerpunkt Logistik und war bei einem internationalen Großkonzern angestellt. Die wissenschaftlichen Anteile, die das Studium in ihrer Ausbildung bot, faszinierten sie, sie wünschte sich mehr davon. Trotzdem beendete sie das Studium. "Es machte mir Spaß und der wirtschaftliche Bereich interessierte mich", sagt Anja. Sie betrachtete es aber als eine Ausbildung, weil viel praktisches vermittelt wurde. Nach dem Studium bekam sie Jobangebote. Doch statt eines von ihnen anzunehmen, ging sie im Oktober an die Universität und begann, Philosophie zu studieren.

StuRa-Vorstand: "Zweitstudium ist sinnvoll"

Leon Grünig aus dem StuRa-Vorstand der Uni ist besorgt, weil "es Leute gibt, die einen zweiten Bachelor machen, damit sie mit ihrem akademischen Abschluss überhaupt etwas anfangen können". Im Rahmen der Umsetzung der Bologna-Reform sei es bei einigen der neuen Studiengänge sinnvoll und unumgänglich, ein Zweitstudium aufzunehmen. Das würde unter anderem an der zeitlichen und fachlichen Begrenzung eines Bachelor- oder Masterstudiums liegen – im Vergleich zum Magister-Studium.

Die Uni Freiburg sagt: "Da Studierende im Zweitstudium eine aus Steuergeldern finanzierte Leistung zum zweiten Mal in Anspruch nehmen, erscheint eine moderate und sozialverträglich ausgestaltete Beteiligung an den Kosten vertretbar."

Wird das Gesetz verabschiedet, dann wird der Zugang zum Zweitstudium für BAföG-Empfänger besonders schwierig. "Es ist schon jetzt so, dass Menschen, die ein Zweitstudium machen, kein Anrecht mehr auf BAföG haben, die Finanzierung eines Zweitstudiums wird dadurch sowieso deutlich erschwert", sagt Leon Grünig, "kommt noch eine Zweitstudiengebühr dazu, wird die Aufnahme eines Zweitstudiums für sehr viele Menschen quasi unmöglich, Bildungsvielfalt wird weiter eingeschränkt".

Gesetz soll Härtefallregel enthalten

Die Uni Freiburg weist daraufhin, dass das Gesetz über die Studiengebühren aber eine Härtefallregelung enthalten soll. Berufsbegleitende Weiterbildungsabschlüsse, auch Masterabschlüsse, seien zudem bereits kostenpflichtig.

"Wir haben gehofft, dass wir uns länger nicht mehr mit Studiengebühren befassen müssen. Dass Studiengebühren jetzt so abrupt und plötzlich wieder Thema wurden, hat uns sehr überrascht und getroffen", sagt Sina Elbers aus dem Vorstand des StuRa. Wie viele Personen schätzungsweise betroffen sein werden, kann die Uni noch nicht sagen.
Schließt man an einen Bachelor oder an einen Master einen zweiten, nicht konsekutiven Studiengang an, so zählt das Studium als ein "Zweitstudium". Ab dem nächsten Wintersemester soll es 650 Euro pro Semester kosten. Einen entsprechenden Gesetzentwurf hat das Wissenschaftsministerium des Landes, dem die Ministerin für Wissenschaft, Forschung und Kunst Theresia Bauer vorsteht, angefertigt. Internationale Studierende, die nicht Teil der EU sind, sollen Studiengebühren in Höhe von 1.500 Euro bezahlen. Auf die Weise möchte die Landesregierung Mehreinnahmen erzielen. Bis 13. Januar ist der Gesetzentwurf zur Kommentierung im Netz veröffentlicht. Alle, die vor kommendem Wintersemester ein Zweitstudium beginnen, können jedoch ohne Studiengebühr weiter studieren.

Mehr zum Thema: