George Benson: Verführung durch Funk

David Weigend

Fast pickin', smooth singin', hot dressin' - so wird Altmeister Benson, 64, von seinem Bandkollegen angekündigt. Am Ende klatscht Benson, bewacht von einem Bodyguard, Hände am Bühnenrand ab, die sich ihm begeistert entgegenstrecken. Was ist in der Zwischenzeit passiert?



Der Checker

George Benson könnte der Großvater sein von Dr. Dre. Es ist ein Mann mit Charisma, mit Erfahrung, mit Charme. Er hat aber auch etwas vom schlitzohrigen Checker, wie er da so auf der Bühne steht mit seiner schweren Goldkette, die ihm auch im Binzengrün Respekt verschaffen würde.

Aber Benson muss niemandem mehr etwas beweisen. Es ist nicht mehr wie Anfang der Siebziger, als ihn jeder ausbuhte, als er zum Gitarrenspiel auch noch zu singen begann. Inzwischen hat Benson seinen Scatgesang als Markenzeichen etabliert und zehn Grammys auf dem Kaminsims stehen. Er hat als Musiker alles erreicht, was man sich wünschen kann, auch wenn er die Jazzfans der ersten Stunde mit allzu bräsigen Pop-Produktionen vergrätzte.

Dass sein Gig im dreiviertel gefüllten Zirkuszelt von der Zeitschrift "Gitarre + Bass" und einem Gitarrenhersteller präsentiert wird, zeigt auch, wie hoch Bensons Stellenwert bei Berufsmusikern und Handwerksfetischisten ist.



Die Band

Benson bedient sein Publikum mit dreierlei: Erstens Ohrschmeichler im Stehbluestempo, zweitens Jazzstücke mit filigranen Fuddelsoli und drittens arschtighte Funknummern - die, so muss man es schon sagen, klanggewordene sexuelle Stimulation darstellen.

Dass gerade der Funk so gut bumst, liegt auch an Bensons überragender Band. Schlagzeuger Oscar Seaton, der als muskulöser Bruder von Jonathan Pitroipa durchgehen könnte, hat den Groove mit Löffeln gefressen und bringt obendrein die Attitüde eines Hip-Hopers ins Spiel; Bassist Stanley Banks erinnert auch optisch an den jungen Stanley Clarke, war bereits 1976 bei Bensons Hitplatte "Breezin'" am Start und hat seitdem das Pumpen nicht verlernt, obendrein steht ihm die Rolle des Animateurs gut zu Gesicht und das Tamburin fein zu Fuß.

Gitarrist Michael O'Neill ist quasi Bensons Vorarbeiter, er streut dem Meister die feingehackten Rhythmuspattern hin. Außerdem auf der Bühne: zwei Keyboarder, die auch mal Klänge à la Future Sounds of Jazz einstreuen.



Der Schmeichler

Und Benson, der Zeuge Jehova, missioniert er auch die Zeltgäste? Letztlich ja. Benson rechnet ab, in Jazzskalen, in Pentatonik-Achterbahnläufen, in genialen rhythmischen Phrasierungen. Somit befriedigt er die zahlreich erschienene Jazz-und-Rock-Schulen-Fraktion. Der schönste Augenblick des Gigs ist aber der Schmachtfetzen "Nothing's gonna change my love for you".

Hier stellt Benson seine gelbe, halbakustische Ibanez Signature beiseite und schaltet um auf Flippers-Körpersprache: Fingerzeig und Augenkontakt in die ersten Reihen, dezenter Hüftschwung, Gesten, die sagen wollen: you and me, baby, das wird unsere Nacht. Fehlen nur noch die Rosen fürs Publikum. Das ist Soul im besten Sinne, ganz locker befreit von Kuschelrockschleim.

"Give me the Night" zieht wie stets dem letzten Hocker den Sitz weg, man tanzt und schwooft und fühlt sich versöhnt, falls einem Bensons Popballaden dann doch zu belanglos waren. Tolles Konzert.