Geocaching: Der Schatz am Galgenberg

Friederike

Geocaching ist ein Zeitvertreib, der in Freiburg zunehmend Anhänger findet. Dabei handelt es sich um eine moderne Schatzsuche mit GPS-Gerät. Suchen darf jeder. Die Koordinaten für die Schätze, die Caches, gibt es im Netz. Auch wir haben uns auf die Suche gemacht, am Ebneter Galgenberg.



Eine sechsstellige Zahl

Die Dämmerung bricht herein. Den Blick auf sein GPS-Gerät gerichtet, läuft Geocacher Markus, 28, einen Spazierweg entlang. "Galgenberg" heißt der Cache, den er finden will. Früher wurden auf dem Galgenberg Menschen hingerichtet, heute ist er ein Idyll.

Die letzten Häuser von Ebnet lässt er hinter sich, Bäume säumen jetzt den Pfad. Es ist still, nur die Schritte auf dem weichen Boden sind zu hören. Der Zeitpunkt ist gut gewählt, denn jetzt sind nicht mehr so viele Muggles, also Menschen, unterwegs. Die Geocaching-Spielregeln verlangen Geheimhaltung.

Eigentlich war der Naturwissenschaftler damals auf der Suche nach einem GPS-Gerät für längere Wandertouren, als er im Internet auf Geocaching stieß. Dort erfuhr er, was man noch alles mit diesem Gerät anfangen kann.

Markus hat es heute mit einem Multi-cache zu tun, einem von denen, die nicht so leicht zu finden sind. Anstatt gleich die Endkoordinaten des Schatzes im Internet zu bekommen, fand Markus dort nur die Information für den Ausgangspunkt. Die Endkoordinaten muss sich Markus erst erschließen. "Sucht eine sechsstellige Zahl, schwarz auf silbrigem Grund", lautet die Anweisung. Hört sich einfach an, ist es aber nicht. Das GPS-Gerät zeigt Lagepunkte nur auf bis zu vier Meter genau an. Es hilft bei der Suche, lässt aber viele Möglichkeiten offen.



Holzwege

Eine Stunde später holt Markus seine Taschenlampe heraus. Wieder und wieder beleuchtet er die gleichen Stellen. Am Hang hat ein Imker ein paar Bienenstöcke aufgestellt. Davor steht ein Schild, aber ohne sechsstelliger Zahl darauf. In der Dunkelheit verborgen liegt eine Hütte. Eine Untersuchung des Gebälks fördert keine Nummer zu Tage. Und das, obwohl Markus sich auch von Spinnenweben und hartnäckigem Dreck nicht hat abschrecken lässt.

An der rechten Seite schließt dichtes Gebüsch direkt an den Weg an, der Pfeil des GPS-Gerätes deutet direkt hinein, doch kein Weg führt dorthin und das Gebüsch ist viel zu dicht, um es zu durchsuchen. Regelmäßig raschelt es darin. Ob es ein Wildschwein oder eine Amsel war, wird er nie erfahren, denn er gibt die Suche nach dem Schatz auf.

Einige Zeit vergeht, der Galgenberg-Cache jedoch lässt Markus keine Ruhe. Bisher habe er schließlich noch jeden Schatz gefunden, wenn auch manchmal mit einigen Mühen, sagt er.

Zwei Wochen später versucht er es noch einmal, bei Tageslicht. Jetzt zeigt sich, dass ein versteckter Pfad über einen Umweg hinter das dichte Gebüsch führt. Dahinter findet Markus schließlich ein raffiniert verstecktes kleines Schild mit der sechsstelligen Zahl.



Die Munitionskiste

Markus errechnet sich nun mit Hilfe der Zahl die Endkoordinaten und gibt sie in sein GPS-Gerät ein. Er folgt der Richtung, die das Gerät ihm weist. Mitten im Wald findet er den gut versteckten Schatz. Eine rostige Munitionskiste.

Markus öffnet sie. Ein gehäkeltes Wollmännchen, ein Stempel und ein Kartenspiel en miniature purzeln in seine Hand. Neben diesen und anderen Kleinigkeiten liegt das Logbuch. Schon 73 Geocacher haben den Galgenberg-Cache gefunden.

Die Munitionskiste lockte sogar Familien an. Einige von ihnen haben ihre Erfahrungen bei der Suche im Büchlein beschrieben. Offenbar hat nicht nur Markus Schwierigkeiten gehabt. "TFTC", kritzelt er ins Logbuch und setzt seinen Geocacher-Namen darunter. Soll heißen: "Thank you for the cache". Ein Gruß an denjenigen, der die Munitionskiste so gut versteckt hat. Als Tauschgegenstand legt er eine Heavy-Metal-CD in die Kiste und nimmt das Wollmännchen mit nach Hause.



Wühlen am Belchen

Schnee, null Grad, in einem Wald am Belchen. Markus ist wieder unterwegs, denn das Wollmännchen braucht ein neues Zuhause. Seine Freunde sind auch dabei. Bei jedem Schritt sinken sie tief in den Schnee ein.

Einer von Markus' Begleitern gräbt, arbeitet sich mit bloßen Händen durch die Schneedecke. Darunter liegen Felsbrocken, unter den Felsbrocken liegt irgendwo der Cache.

Andere Menschen fahren um diese Jahreszeit am Belchen Ski, Markus und seine Mitstreiter wühlen lieber im Schnee. Diesmal dauert es nicht lange, und der Geocacher findet die Kiste. Die Freunde applaudieren. Der Drang des Suchers ist gestillt. Vorerst.



Hintergrund

Meistens ist es nicht mehr als eine wasserfeste Tupperdose voll Krimskrams, die im Versteck liegt. Wer an einem der Gegenstände darin gefallen findet, darf ihn eintauschen gegen ein mitgebrachtes Kleinod. Eigentlich ist der Schatz zweitrangig, der Weg dahin zählt.

Vor sieben Jahren entstand die Idee für diesen Zeitvertreib in den USA. Heute sind in der ganzen Welt Caches versteckt. In Freiburg gibt es mittlerweile einen Geocaching-Stammtisch. Dessen Mitglieder haben seit 2003 schon knapp 250 Schätze versteckt.

Mehr dazu:

  • Infoseite des Geocaching-Stammtischs Freiburg: Website