Geht doch!

Dirk Philippi

Den Wölfen Freiburg ist ein Stein vom Herzen gefallen - oder besser: von der Handbremse. Nach vielen Querelen und einem kurzzeitigen Sturz auf den drittletzten Tabellenplatz haben die Freiburger Eishockeyaner endlich wieder einmal überzeugt und heute Abend den Konkurrenten aus Füssen läuferisch, kämpferisch und spielerisch dominiert sowie mit 4:1 verdient besiegt.



Es ist in den letzten Wochen rund ums Freiburger Eisstadion viel geplappert und gehandelt worden. Ein Trainerwurde entlassen, Kontigentspieler wurden kritisiert, ein Weltmeisterwurde geholt und doch schien so recht niemand eine Lösung für das größte Problem der Wölfe zu haben: Auf dem Eis blieb die Reaktion weitestgehend aus, zu viele Spieler schienen partout nicht laufen zu wollen.


Um es vorweg zu nehmen: Die Wölfe laufen wieder. Und ohne Frage sind die Bemühungen von Coach Peter Salmik um ein defensiveres Spiel (nur 6 Gegentore in den letzten 5 Spielen insgesamt) von Erfolg gekrönt. Ebenfalls außer jeder Debatte ist die Klasseleistung der ersten Sturmreihe und das gesteigerte Engagement der zuletzt kristisierten Spieler. Dass die Mannschaft aber heute endlich eine Mannschaft war, die füreinander fightete und miteinander spielte, soetwas kann man nicht herbeireden, soetwas erwächst aus der Gruppe - oder aber eben nicht.

Die Wölfe zeigten heute erstmals das Gesicht eines Playoff-Kandidaten, der auch den Ausfall eines Erstreihen-Centers kompensieren kann. Neuzugang Tomas Kucharchik musste nach einem Crosscheck, durch welchen er mit dem Gesicht auf die Holzumrandung der Bande donnerte, bereits nach 38 Sekunden und mit Verdacht auf Jochbeinbruch ausscheiden. Wie es dennoch funktionieren kann, zeigte die Mannschaft in den verbleiben 59 Minuten und nach all den Negativ-Meldungen sollen die Aspekte, die dies möglich machten, gerne einmal im Einzelnen aufgezählt werden:
  • Laufbereitschaft! Die einfachste Grundregel: Ohne läuferischen Einsatz - unabhängig von der individuellen Klasse - kein Erfolg. Jeder Wölfe-Spieler war heute bereit zu skaten und lieferte so seinen Beitrag zum Erfolg.
  • Disziplin! Hängt mit dem ersten Punkt zusammen: Wer läuft, braucht kein Haken, Halten oder Beinstellen. Die Wölfe waren hart, wenn der Gegner unfair wurde, mieden aber unnötige Strafen.
  • Zusammenspiel! Angeführt von drei rackernden Centern suchten die Flügel ihre jeweilgen Partner. Mares und Kottmair zusammen sind stärker als ein Petr Mares oder ein Josef Kottmair alleine. Und auch Herman und Karhula können torgefährlich sein - wenn sie zusammenspielen. Die Youngster-Reihe war in dieser Hinsicht längst ein Vorbild.
  • Skills! Talent haben und Talent zeigen ist nicht erst seit Reinhold Mathy ein Unterschied. Fähig- und Fertigkeiten zu besitzen, bedeutet immer auch Verantwortung übernehmen zu müssen, diese zu zeigen.
  • Teamgedanke! Zugegeben ist es ein wenig OldSchool, aber wenn es kracht, nachdem der eigene Torwart angegangen wurde, und wenn es scheppert, nachdem ein Youngster einen Schläger ins Gesicht bekommen hat, dann zeugt das von Zusammenhalt. Oft genug blieb zuletzt in solchen Situationen jede Reaktion aus.
  • Wille! Ein Sieg kommt nicht allein durch hartes Training oder fromme Wünsche. Einen Sieg muss man auch wollen. Heute merkte man den Blau-Weiß-Roten genau diese Fokussiertheit an.
Noch ist nicht einmal annähernd die Halbzeit der Saison erreicht, die Wölfe haben mit dem Sieg über Füssen zwei Plätze gut gemacht und sollten die Spieler von Trainer Peter Salmik aus den ersten 20 Partien gelernt haben, dann können die restlichen 34 Spiele ausreichen, um Eishockey in Freiburg wieder in erfolgreichere Bahnen zu lenken. Wie - das hat die Mannschaft heute gezeigt. Es bleibt jedenfalls spannend.