Nachhaltigkeit

Gegen Ozeanplastik, für Verbindung: Am Seepark findet das Water Festival Freiburg statt

Inanna Tribukait

Das Water Festival Freiburg widmet sich dem Thema Plastikverschmutzung der Weltmeere. Kommendes Wochenende findet es im Seepark statt. fudder-Autorin Inanna Tribukait hat mit den Organisatoren gesprochen.

Henrik Langholf und Sande-Ann Forker leiten gemeinsam das Water Festival Freiburg. Sie lassen sich von der positiven Vision plastikfreier Ozeane bis 2050 leiten und hoffen, mit ihrem Festival ein Innovationsnetzwerk zu schaffen.

Was war für Sie der ausschlaggebende Moment, in dem Sie gesagt haben, "Ich muss etwas gegen dieses Plastikproblem tun"?

Henrik Langholf: Zum einen sind das persönliche Erfahrungen am Meer, insbesondere hatte ich das Glück, mehrere schöne Begegnungen mit Delfinen und Walen zu haben und daraus ergab sich für mich eine sehr tiefe Verbundenheit mit dem Meer. Ich bin selber seit zwanzig Jahren im Bereich mit Innovation in Unternehmen tätig und habe da täglich mit dem Spannungsbereich zwischen langfristiger Nachhaltigkeit und kurzfristigem Gewinnstreben zu tun.Wir wollen einen Raum gestalten, wo diese Fragen einen Ort haben, den es so vielleicht noch nicht gibt. Das Thema hat es in den letzten paar Jahren unheimlich auf die Tagesagenda gebracht und das wird jetzt auch besprochen.

Sande-Ann Forker: Ich bin zunächst mal nicht gegen etwas, sondern für etwas. Ich bin auf der Suche nach einer Wiederbelebung von Verbindung: Die Situation die wir jetzt haben kann ich mir nur daraus erklären, dass irgendwo Verbindung nicht funktioniert, zwischen der Natur und uns Menschen, wie können wir als Menschen diese Verbindung wiederbeleben?
Deshalb ist unser Motto auch "2050 sind die Ozeane wieder plastikfrei", wir wollen nicht noch mehr Schreckensbilder, das hat ja auch etwas Lähmendes und Erschreckendes.

Was genau erhoffen Sie sich von diesem Festival?

Henrik Langholf: Erstmal einen Beginn, mit dem wir uns selber erlauben, was auszuprobieren, aber auch spannende Begegnungen. Das fängt schon im Vorfeld der Veranstaltung an: Wir bitten die Menschen, uns ihre Fragen mitzubringen und wir erhoffen uns, dass über den Austausch zu diesen Fragen Lösungsimpulse und Initiativen entstehen. Diese Ideen wollen wir strukturieren. Wir haben schon einen Termin für 2020 und wollen das Ganze gerne fortführen. Sowohl regional wie auch national und international hoffen wir, dass da neue Initiativen statt finden.

Teile der Veranstaltung finden ja auch auf Englisch statt, ist das dann ein internationaler Ansatz?

Henrik Langholf: Wir sind täglich dabei, ein Netzwerk zu bilden. Die Pole sind dabei Thailand im Osten und Hawaii im Westen. Es geht uns darum, dass die Leute nicht nur Teilnehmer bei einer Veranstaltung sind, sondern darum, dass da ein Feld von Aktiven entsteht. Wir laden dazu ein, Mitglied bei diesem Projekt zu werden.

Was ist bisher Ihr größter Erfolg?

Henrik Langholf: Im Januar 2017 haben wir die Deutschlandpremiere für "A Plastic Ocean" in Freiburg ausgerichtet. Das war total toll, danach haben wir noch eine Dialogrunde geführt und gefragt, wozu uns denn der Film inspiriert. Da waren dann auch zwei Leute dabei, die sich vorgenommen haben, Aufklärungsarbeit zu betreiben und seitdem mit ihrem Ted Talk "Plastik Edukation" jetzt schon an ganz vielen Stellen in Deutschland und der Schweiz hunderte Menschen inspirieren konnten. So ähnlich stelle ich mir das jetzt auch für die nächsten Tage vor.

Würden Sie sagen, die Bewegung ist bisher groß genug? Es ist schon genug Aufmerksamkeit gegenüber dem Thema da?

Henrik Langholf: Es ist auf jeden Fall etwas angestoßen, in den letzten Jahren steht ja auch fast jeden Tag etwas zum Thema in der Zeitung und es gibt auch immer mehr Gesetzesinitiativen, oder Unverpacktläden, da hat mit Sicherheit was begonnen.

Was allerdings eine Riesenaufgabe bleibt, ist natürlich in der Konsequenz weiterzudenken und umzudenken. Wir sind nicht für ein prinzipielles Plastikbashing: Wir müssen herausarbeiten, für was wir Plastik und Kunststoff brauchen, in welcher Form und in welcher Form nicht. Da muss man sich richtig reinarbeiten. Wir bekommen durch unser Projekt auch immer wieder Hinweise auf Start-ups, die erforschen, wie Bakterien und Pilze Plastik verarbeiten. Die Frage ist eben auch: "Müssen wir solche Aussagen wie ’Es gibt keine Lösung für das Thema Mikroplastik im Meer’ als Menschheit akzeptieren, müssen wir uns auf die Konsequenzen einstellen oder fällt uns da noch etwas ein?"

Sande-Ann Forker: Ich denke, es geht um einen Bewusstseinswandel, der noch ein bisschen tiefer geht. Wir haben diesen Aufwachmoment erst, wenn uns das Wasser schon bis zum Hals steht. Es gibt so viele Themen, wo wir Menschen dem folgen, was wir denken können und unserem Entwicklungspotential folgen. Dabei bedenken wir nicht, dass da auch dazugehört, dass wir uns erst fragen, was die Konsequenzen von diesem Neuem sind. Es geht darum, dass gar nicht erst solche Lücken entstehen.
  • Was: Water Festival Freiburg
  • Wann: Donnerstag, 11. Juli bis Samstag, 13. Juli
  • Wo: See Park Freiburg