Geflüchtete erzählen ihre Geschichten beim Tanztheater "Move!" im E-Werk

Lisa Hörig

Zwölf Teilnehmer, ein Ziel: Den Tanzauftritt am Samstag, 25. Februar, im E-Werk meistern. Die Performance des "Move!"-Tanztheaters erzählt, was Jugendliche bei ihrer Flucht erlebt haben.

Seit einem Jahr arbeitet Islam Sedikki mit den geflüchteten Jugendlichen am Projekt "Move!". Mehrmals die Woche treffen sich die Jugendlichen mit dem Tanztrainer und drei Co-Trainern, um ihre Hip-Hop-Choreos einzuüben. "Die Kids holen alles raus und trainieren sehr hart", erzählt Tanztrainer Islam Sedikki.


Bei "Move!" sind alle willkommen, ob Flüchtling oder nicht. Hier treffen viele Sprachen und Nationalitäten zusammen, da die Jugendlichen aus verschiedenen Ländern kommen. Das nächste Ziel der Truppe ist der Auftritt im E-Werk Freiburg. Am 25. Februar wollen die 13- bis 19-Jährigen die Bühne erobern. Zum Konzept gibt's noch keine Auskunft. "Lasst euch überraschen", sagt Sedikki.

Sammelprojekt "The Shelter"

In Kooperation mit anderen Projekten des Sammelprojekts "The Shelter", zu dem auch "Move!" gehört, wurde die Show erstellt. "The Shelter" ist die mobile Jugendarbeit im Stadtteil Weingarten-Ost. Die bietet für Jugendliche aus dem Stadtteil Weingarten und für die Flüchtlinge aus dem Wohnheim an der Besançonallee viele Möglichkeiten. Durch Musik, Tanz oder Fotografie können sich die Jugendlichen gegenseitig kennenlernen und an ihren Aufgaben wachsen. Die Ergebnisse aus den Workshops fließen auch in das Tanztheater ein. So haben einige Jugendliche in einem Studio die Beats gebastelt, zu denen auf der Bühne getanzt wird. "Alles kommt von den Kids, das Konzept habe ich so noch nie gesehen", sagt Sedikki.

Mit sechs Jahren Erfahrung als Tänzer ist dieser schon viel unterwegs gewesen und kennt sich mit Hip-Hop aus. Die Arbeit mit den Jugendlichen macht er in seiner Freizeit. "Mich motiviert, dass die Crew sich körperlich und auch geistig verändert hat", sagt Sedikki. "Viele haben sich geöffnet und reden über ihre Flucht."

Die zwölfköpfige Hip-Hop-Crew ist dabei wie eine Familie zusammengewachsen: Die Tänzer erzählen sich alles. Auch wenn die anfangs nicht mal die selbe Sprache fließend sprechen können.

Berater in jeder Situation

Viele Bezugspersonen haben einige der Jugendlichen nicht. Manche sind sogar ganz alleine nach Deutschland geflüchtet. Sedikki ist für sie Berater in jeder Situation: "Sie erzählen mir von ihren Familien oder fragen mich zum Beispiel, wo man am besten ein Konto eröffnet." So sehr ihm der Job Spaß macht, es ist nicht immer einfach. "Ein Junge hat eine lange Zeit mit uns trainiert", erzählt er im Interview. "Er musste kurz darauf das Land wieder verlassen."

Die unerfahrenen Tänzer nutzen ihre Chance: Sie trainieren hart, um erfolgreich zu sein. Bereits mehrere kleine Auftritte haben die 13- bis 19-Jährigen so schon gehabt. Zu einem der Größeren zählt der Auftritt beim ZMF 2016. Dort haben sie vor etwa 200 Zuschauern getanzt. "Viele sind fasziniert, wie hoch das Niveau der Truppe ist", sagt Sedikki.

Willkommene Abwechslung zum Alltag

Die Crew nimmt das Training sehr ernst: Vier mal die Woche treffen sich die Tanzbegeisterten, um für jeweils drei Stunden zu trainieren. Für viele ist das eine willkommene Abwechslung zum Alltag. Sie sind mit Herz und Seele dabei und trainieren sogar, wenn Islam Sedikki krank ist. Dafür verabreden sich die Kids sogar mit den Co-Trainern, damit sie auch keine Chance verpassen zu tanzen.

Wer jetzt neugierig geworden ist, kann sich im E-Werk selbst von der Performance der Crew überzeugen. Etwa 60 Minuten lang würde das Programm gehen, die Karten sind schon im Vorverkauf.
Was: Hip-Hop-Tanztheater von Geflüchtete
Wann: Samstag, 25. Februar, 20 Uhr
Wo: E-Werk Freiburg, Escholzstraße 77
Kosten: 14 Euro, 10 Euro ermäßigt, Geflüchtete zahlen 4 Euro
Tickets: Tanztheater Move im E-Werk