Karlsbau

Gefangen im Parkhaus: Dicke Luft lässt Autofahrer fast ausrasten

Benjamin Wissing

Eine kaputte Schranke und dutzende Autofahrer, die nur eins wollen: raus aus dem stickigen Parkhaus. Dann verbietet die Polizei auch noch, dass ein Tourist die Schranke abschraubt. Warum?

Parkhaus-Ausfahrt, es ist heiß und stickig und die Schranke geht nicht auf – dieses zweifelhafte Vergnügen erlebten Autofahrer am Sonntag im Parkhaus Karlsbau. Kurz nach fünf Uhr nachmittags gab es einen Rückstau, erzählt ein dort mit Eingeschlossener – die Schranke blieb hartnäckig geschlossen. In der Ausfahrt und auf allen drei Ebenen stauten sich die Autos. Viele Fahrer ließen den Motor laufen, die Luft wurde dicker. Immer mehr Menschen versammelten sich vor der Schranke, um nachzusehen, was denn da los war. Einige gingen auf die Suche nach einer Notruftaste, fanden aber nichts. Die Taste an der Schranke selbst war außer Betrieb. Und nun?


Polizei verhindert, dass Tourist selbst Schranke abmontiert

Irgend jemand verständigte Polizei und Feuerwehr. Die Polizei kam dann auch nach einer Viertelstunde, inzwischen warteten gut und gerne 40 Leute, die aus dem Parkhaus entkommen wollten. Ein Tourist aus Spanien hatte eine Idee: Er zückte den Schraubendreher und machte sich dran, die Schranke abzumontieren. Da schritt die Polizei ein: Das dürfe, sagten die Beamten, nur jemand von der Parkhausgesellschaft selbst machen.

Hätte man das nicht einfacher regeln können?

Nach etwa einer halben Stunde wurde die Stimmung deutlich gereizter. Diskussionen mit der Polizei. Die Eingeschlossenen versuchten erneut die Polizisten davon zu überzeugen, die Schranke abzumontieren, um endlich ausfahren zu können. Ein weiterer Autofahrer zückte seinen Schraubendreher – vergebens, die Beamten verteidigten die Schranke, verwiesen auf den verständigten technischen Notdienst und baten die Anwesenden, wieder in die Autos zurückzukehren. Die wiederum wollten nicht – Hitze! Schlechte Luft! Endlich, nach genau einer Stunde, kam der Bereitschaftsdienst des Betreibers, stieg wortlos aus seinem Auto, schraubte die Schranke ab und entließ die Wartenden in die Freiheit. Hätte man das nicht einfacher regeln können?

Polizei: Beamten hätten prinzipiell richtig gehandelt

Eine Nachfrage bei der Polizei Freiburg ergibt: nein. Die Beamten hätten prinzipiell richtig gehandelt. Es habe zu keinem Zeitpunkt eine direkte Gefahr für die Gesundheit der im Parkhaus Festsitzenden bestanden, da diese jederzeit nach draußen ins Freie gehen konnten. Zudem sei es die Pflicht der Polizei, Beschädigungen an fremdem Eigentum zu unterbinden, weshalb die anwesende Streife völlig zu Recht erst das Eintreffen des Notdienstes abgewartet hätte.

Nicht auszudenken also, man hätte eine ganz pragmatische Lösung gewählt, die Schranke sauber ab- und später wieder anmontiert. Einfache Lösungen sind halt nicht immer gefragt.

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