Umleitung durch Tiefgarage

Gefährliche Fassade: Nutzer mit Rollstuhl können nicht in die Freiburger UB

Johanna Strütt

Wer am Mittwoch in die UB rein will, muss durch die Tiefgarage gehen. Ein Großteil der Studierenden sieht die nächste Panne des Neubaus am Rotteckring locker, andere schränkt diese jedoch ganz deutlich ein.

"Durch den Fahrradkeller in die UB zu kommen ist schon aufwendig, aber weiter stören tut es mich nicht", sagt Tobias, ein 28-jähriger Politikstudent, "ich finde es sehr gut, dass eine Alternative gefunden wurde, die keine Gefährdung für die Studenten darstellt."


Natürlich macht er sich mit seinen Freunden darüber lustig, dass mal wieder etwas schief gegangen ist und sie diskutieren darüber, was wohl als Nächstes kommt. "Es gibt aber auch viel Gutes an der UB", sagt er. Dass ab und zu etwas schiefgeht, das sieht er nicht so eng: "Man kann es ja eh nicht ändern", sagt er.



Viele Studierende sehen die Situation gelassen

So ähnlich sieht es auch Jacqueline Jörg, die ihr Lehramtsstudium kürzlich abgeschlossen hat. "Ich lerne zwar jetzt nicht mehr hier, aber als ich früher noch herkam, hat mich nichts davon beim Lernen eingeschränkt", sagt sie. "Ich hab’ mich irgendwann daran gewöhnt, dass hier immer mal wieder was nicht klappt."

"Egal was hier nicht stimmt, besser als in meiner überhitzten Wohnung zu lernen ist es allemal", 32-jähriger Medizinstudent
Die wiederkehrenden Pannen der UB sind für einen 32-jährigen Medizinstudent ebenfalls aushaltbar. "Mich stört es eigentlich nicht. Bei so einem großen Gebäude ist das doch fast zu erwarten, oder?", sagt er. Statt sich darüber aufzuregen, freut er sich darüber, dass heute etwas weniger an der UB los ist. "Und egal was hier nicht stimmt, besser als in meiner überhitzten Wohnung zu lernen ist es allemal", sagt er.

Die Klimaanlage sehen viele Studenten als Pluspunkt, der Platzmangel hingegen ist für fast alle das größte Problem. "Man muss fest einplanen, wann man in die UB geht. Spontan vorbeikommen ist keine gute Idee", sagt die 21-jährige Frederike, die an der Evangelischen Hochschule Soziale Arbeit studiert. Von den Gebäudemängeln lässt sich auch ihre Kommilitonin Rebekka nicht beeindrucken. "Durch die Tiefgarage ins Gebäude zu gehen, ist schon etwas umständlich. Aber besser als gar nicht reinzukommen ist es auf jeden Fall", sagt sie.

Derzeit kein Zugang für Rollstuhlfahrer

Ganz anders sieht die momentane Situation jedoch für Studierende aus, die im Rollstuhl sitzen. "Als Rollstuhlnutzer hatte man es in der UB noch nie leicht, aber dass ich jetzt überhaupt nicht mehr reinkomme, ist eine Unverschämtheit", klagt Marcel Hamm. Der 54-Jährige studiert Philosophie und Anglistik und arbeitet tagtäglich in der UB. "Bei diesen Temperaturen ist es für mich unmöglich zu Haus zu lernen, ich bin auf die Klimaanlage angewiesen", sagt er.

"Als Rollstuhlnutzer hatte man es in der UB noch nie leicht, aber dass ich jetzt überhaupt nicht mehr reinkomme, ist eine Unverschämtheit", Marcel Hamm
Er erzählt, dass er am Dienstag noch mit einer mobilen Rampe und mit Hilfe der Security die Schwelle am Eingang in der Tiefgarage überqueren durfte, am Mittwoch ging das nicht mehr. "Die Überquerung mit der Rampe ist angeblich zu unsicher", so Hamm. Das bestätigt die Universität. "Wir bedauern es außerordentlich, es ist eine Notsituation", erklärt Unisprecher Nicolas Scherger. Noch in dieser Woche solle die Uni wieder über mindestens einen dann überdachten Hauptzugang erreichbar sein.