Gediegener Gruselgroove: The Horror The Horror im Great Räng Teng Teng

David Seitz

Eine Band, die sich nach den letzten Zeilen des Coppola-Klassikers "Apocalypse Now" benennt? Also düsterer, psychadelischer Sound zum Gruseln? Keineswegs! Mit The Horror The Horror erklang am Freitagabend gediegender Indierock zum Abtanzen im Teng. Und David hat dort für uns Menschen beobachtet, denen am ganzen Körper Bächlein entlang rannen.



Das Teng ist gerammelt voll, als die Vorband, The Champions aus Koblenz, antreten, um das Publikum für den Hauptact des Abends warmzuspielen. Die drei Jungs machen ihren Job ganz passabel, spielen Indierock irgendwo zwischen White Stripes und Queens of the Stone Age; die leichte Überheblichkeit, mit der Sänger Dennis Neuer das Publikum zu animieren versucht, erinnert ein wenig an Strokes-Frontman Julian Casablanca.


Auch musikalisch erinnern The Champions an die Strokes - nur mit ein wenig mehr Synthie und ein wenig mehr Garage. Ein paar Hüften wippen verträumt, ein paar Pos wackeln lasziv: Im Publikums steht wieder mal jeder und keiner. Von 17 bis 47 ist alles vertreten, man lauscht dem kurzen Gastspiel der Band, aber tendenziell mehr wartend als wackelnd.



Während The Champions den anwesenden Musikjournalisten ein "tanzbar" eher in den Notizblock diktiert haben, lassen The Horror The Horror aus Schweden durchblicken, was tanzbar wirklich heißt. Die Behauptung, dass das neue Album "Wilderness" eher in den Streichelzoo als in die Raubtierabteilung passt - so ein Rezensent auf Plattentests.de -, wird postwendend widerlegt: Was auf der Platte tatsächlich etwas gebremst erscheint, macht live gleich mal doppelt so viel Krach.

The Horror The Horror spielen reihenweise Songs vom neuen Album, die sich nicht unbedingt durch einen hohen Wiedererkennungswert auszeichnen, dafür aber konstant und in ähnlichem Tempo abgehen: Als Zuschauer kann man die gut 75 Minuten ohne gröbere Taktwechsel durchgrooven.

Apropos Durchgrooven: The Horror The Horror beschwören zwar keine pogoesken Szenen herauf, mobilisieren aber deutlich mehr Körperteile als die Vorband und wirken dabei auch wesentlich unverkrampfter: "You can do better, we can do better, so it's a shared effort" - zusammen steigert man sich langsam, Sänger Joel Lindström tummelt sich im Publikum, tankt sich bis zur Bar durch und ist phasenweise nur noch durch seinen Gesang auszumachen.



Die Zuhörerschaft dankt es ihm, von Song zu Song öffnen sich mehr Fußfesseln, was die Band mit Genugtuung wahrnimmt. "I can see sweat on your forehead, and I like that", haucht Joel Lindström ins Mikro. Bei den meisten beschränkt sich der Schweißfluss aber nicht nur auf den Forehead, die Bächlein rinnen am ganzen Körper entlang – an diesem Abend aber ein gutes Gefühl.

Mit der Zeit bahnen sich sogar einige textsichere Fans den Weg in die erste Reihe und werfen der Band ihre auswendiggelernten Lyrics entgegen. Der Rest tanzt - so kommt es einem zumindest vor - ganz beseelt in seiner eigenen kleinen Welt. "Sound of Sirens" ist schließlich der letzte Song, den die Band vom Stapel lässt, bevor sie anschließend noch drei Zugaben auffährt.

Am Ende ist mehr ein Gesamteindruck als ein einzelner Song hängen geblieben, dazu ein schweißdurchtränktes T-Shirt, bedingt durch die dicke Luft und die am Ende doch recht hohe Tanzfrequenz. The Horror The Horror sind unterm Strich keine Band die beeindruckend einzigartige Musik machen. Für einen netten Indierock-Abend sind sie aber allemal gut.