Freiburger Platz der Alten Synagoge

Gedenkbrunnen soll kein Planschbecken mehr sein – Stadt kündigt Maßnahmen an

Anja Bochtler

Im Sommer war er ein Dauerthema: Der Gedenkbrunnen am Platz der Alten Synagoge, der überwiegend zum Planschen oder Kühlen von Bierflaschen genutzt wurde. Das soll künftig nicht mehr möglich sein, sagt Bürgermeister von Kirchbach. Er kündigte ein "Bündel an Maßnahmen" an – Details würden noch ausgehandelt.

Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach kündigte am Mittwochabend an der Uni "ein Bündel von Maßnahmen" an, die derzeit noch ausgehandelt würden. Er war einer der Gäste bei einer Diskussion des Referats gegen Antisemitismus vom Studierendenrat der Uni. Es kamen rund 100 Interessierte.


Der Umgang mit dem Brunnen, der die Umrisse der 1938 zerstörten Synagoge zeigt, hat viele beunruhigende Aspekte: Irina Katz, Vorsitzende der Israelitischen Gemeinde, erzählt, dass sie oft für die israelische Politik verantwortlich gemacht werde, wenn sie Menschen am Brunnen auf dessen Hintergrund hinweise. "Dabei lebe und wähle ich in Deutschland, nicht in Israel", sagt sie.

Am Brunnen zeigt sich Antisemitismus, der ohnehin da sei

Christian Kröper vom Referat gegen Antisemitismus erwähnt den Vandalismus an den Infotafeln, die von der Stadtverwaltung aufgestellt wurden, und öffentliche Äußerungen wie: "Der Platz gehört den Freiburgern, nicht einer jüdischen Lobby." Sylvia Schliebe von der liberalen jüdischen Gemeinde Chawurah Gescher betont, dass sich am Brunnen Antisemitismus zeige, der ohnehin da sei, ob mit oder ohne Brunnen: "Wir sehen viele üble Dinge, und das wird zunehmen."



Dass es sich rund um den Brunnen so entwickeln konnte, liegt nach Einschätzung von Simon Waldenspuhl, Stadtrat von der Fraktion Junges Freiburg/Die Partei/Grüne Alternative (JPG), auch an der Art und Weise, wie die Diskussion anfangs geführt wurde. Zum Beispiel als die jüdischen Gemeinden beim Fund von alten Steinen der zerstörten Synagoge während der Bauarbeiten eine Diskussion über den Umgang mit den Steinen forderten. Die Stadtverwaltung ließ sich auf keinen Baustopp ein, die Haltung gegenüber den jüdischen Gemeinden sei damals gewesen: "Was wollen denn die jetzt?".

Ulrich von Kirchbach: Weiterbau war "falsch und unsensibel"

Dass das Weiterbauen "falsch und unsensibel" war, findet auch Ulrich von Kirchbach in der Rückschau. Er stellt klar: "Wir als Stadt sind verantwortlich dafür, wie mit dem Platz umgegangen wird." Das betreffe alle, nicht vorrangig die jüdischen Gemeinden. Falsch sei auch gewesen, dass der Platz ohne Infotafeln zum Hintergrund des Brunnens eröffnet wurde: "Es wäre von Anfang an ein offensiverer Diskurs nötig gewesen."

Doch inzwischen hat sich nach den Einschätzungen auf dem Podium viel getan, was den künftigen Umgang mit dem Brunnen und die Kommunikation zwischen den Jüdischen Gemeinden und der Stadtverwaltung angeht. Anfangs sei es schwierig gewesen, jetzt aber sei man auf einem guten Weg. Ulrich von Kirchbach erwähnt das geplante "Bündel von baulichen, kommunikativen und strukturellen Maßnahmen", das derzeit ausgehandelt werde und noch nicht öffentlich werden soll.

Ein Dokumentationszentrum als Chance zur Diskussion

Ein Ergebnis des Annäherungsprozesses war auch die Entscheidung für ein Dokumentations- und Informationszentrum zum Nationalsozialismus. Das sei eine Chance, neben der Scham darüber, wie die öffentlichen Diskussionen der vergangenen Monate oft verlaufen seien, sagt Simon Waldenspuhl: Diese hätten gezeigt, dass es in Freiburg dieselben Probleme mit Antisemitismus gebe wie überall.

"Ich bin nicht optimistisch." Sylvia Schliebe
War das immer so? Irina Katz glaubt das nicht: Vor 25 Jahren sei sie wegen des Antisemitismus aus der UdSSR nach Freiburg gekommen. Inzwischen erlebe sie ständig Pöbeleien und auch Vandalismus rund um die Synagoge. Der gesamte derzeitige soziale Wandel sei "äußerst bedrohlich", sagt Sylvia Schliebe, die Demokratie sei in Gefahr: "Ich bin nicht optimistisch."

Was tun? Wie könne man mit der häufigen Variante des unterschwelligen Antisemitismus umgehen, fragt jemand aus dem Publikum. Sylvia Schliebe antwortet: "Man muss die Unterschwelligkeit wegnehmen, nachfragen, Diskurs einfordern. Man darf nicht schweigen, womöglich aus Angst, eine Freundschaft zu riskieren." Denn es gebe eben nicht "ein bisschen Antisemitismus", betont sie.

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