Gedankenaustausch über Get well soon

Carolin Buchheim & Alexander Ochs

Das Konzert von Get well soon gehörte ganz klar zu den Highlights des ZMF 2008. Gestern Abend traten Konstantin Gropper und Kollegen wieder im Spiegelzelt auf und Caro und Alex waren für fudder am Start. Statt Rezension gibt's zur Foto-Galerie ein Chatprotokoll vom Morgen nach dem Konzert.



10:40 Caro
:
Morgen Alex.

10:41 Alex:
Morgen Caro. Und, wie fandst du das Konzert von Herrn Gropper?

1
0:42 Caro:
Das ist eine schwierige Frage. Die erste Hälfte fand ich schrecklich, die zweite ganz ok. Wobei schrecklich vielleicht ein zu hartes Wort ist. Langweilig trifft es eher. Und Du?

10:42 Alex:
Mir hat es gut gefallen, aber etwas lahm oder hüftsteif fand ich's im ersten Block auch. Zumal es bei seinem letzten Gig hier - vor zwei Jahren beim ZMF - überragend war.

10:44 Caro:
Ich glaube mein Konzerterlebnis gestern hat ein bisschen unter meinen möglicherweise überhöhten Erwartungen gelitten, die zum Teil auf den Schilderungen des Gigs vor zwei Jahren beruhten. Was war diesmal denn anders als damals?

10:46 Alex:

Da sieht man halt, dass das zweite Album elegischer, melancholischer daherkommt. Und die Messlatte des Debüts verdammt hoch war. Live haben die Songs vom ersten Album richtig gerockt, auch gestern. Und damals war die Erwartungshaltung ja auch extrem hoch, der Name Get well soon  in aller Munde, das Album auch - und die hat er mit links erfüllt, ja getoppt. Diesmal war weniger Zug dahinter. Und irgendwie kann ich den Eindruck nicht loswerden, er wollte sich einen "gemütlichen" Abend machen, wie er mal zwischen den Songs sagte. "Oh, ihr seid ja in Feierlaune" - da wirkte er fast schon überrascht, als er das meinte.

10:49 Caro:

Stimmt. Die Stimmung war weder 'Samstagabend!', noch 'Festival!'. Es war ein bisschen zu kuschelig-gemütlich. Gropper und Band machten nicht den Eindruck, als wenn sie 'was reißen', begeistern, überraschen wollten. Ich dachte die erste halbe Stunde 'Mensch, Junge, ist ja schön, dass Du gerne Thom Yorke wärst, aber such doch in Deinem kleinen Herz erstmal einen Hauch Leidenschaft, und pack' ihn in Deinen musikalischen Vortrag'.

10:49 Alex:
Genau das meine ich.

10:49  Caro:
Und das Publikum war zwar aufmerksam, und trotzdem irgendwie...nicht so ganz bei der Sache. Ich kann das kaum beschreiben.

10:50 Alex:
Sehr aufmerksam, aber auch dankbar. Sie hätten ihm alle aus der Hand gefressen, kurz vor der Ergriffenheit - oder ist das zu hoch oder gar abgegriffen? ;-)

10:50  Caro:

Guten Morgen, oinkte das Phrasenschwein. :) Aber Du hast recht. Das Publikum schien mit Entrückungsbedürfnis gekommen zu sein. Und hat sich genau das dann auch befriedigen lassen.

10:52 Alex:
Wenn die beiden Gitarren am Start waren, hat es richtig Spaß gemacht.

10:52  Caro:
Das war ja nur bei den Songs des ersten Albums der Fall, oder?

10:52  Alex:
Glaub schon. Aber insgesamt war es mir eine Spur zu staatsmännisch-getragen, so Richtung Bundespräsidentenwahl.

10:53 Caro:
Ha! Konstantin Gropper, der Christian Wulff des deutschen Indie-Rock? :)

10:54 Alex:
Nee, auf keinen Fall!

10:54 Caro:

"If your hat is missing..." war ja auch mehr so Revolution als Bundespräsi. Der Song hat mir gestern Abend  extrem gut gefallen, aber das ist ja auch mit Abstand der beste Song, den er bisher geschrieben hat. Ich kann mich noch erinnern, als ich den das erste mal gehört hab, auf einem Glitterhouse-Sampler.

10:54 Alex:
Und die Revolution, die fehlt ein Stück weit beim jetzigen Album.

10:54 Caro:
Genau.

10:55 Alex:
Sehr schön war seine Bemerkung, dass es im Spiegelzelt ja richtig "luxuriös" sei - jenseits vo n der festivaltypischen Mischung aus "Dreck & Dixiklos", hehe.

10:56 Caro:
Schöner Satz  für Alex Heislers ZMF-Poesie-Album; Ich hoffe, er hat's mitgekriegt.

10:56 Alex:
Weißt du, es gibt so viele schlechtere Bands oder Gigs, das war - trotz unserem Rumgenörgele - richtig gut.

10:57 Caro:
Das stimmt. Wir jammern auf hohen Niveau

10:57 Caro:
Zum Abschluß:  Welche Strategie schlägst Du Herrn Gropper für
a) Album #3 und
b) ZMF 2012 vor?

10:58 Alex:
a) Album 3: Mal Luft anhalten, Birne neu booten, mal raus aus dem Erwartungshaltungsdruckmonster, mehr Neues wagen und für
b) weniger Kammerpop und mehr Indierock beim Livegig.

10:58 Caro:
a) Mehr Lebensfreude. Mal raus an die frische Luft gehen. Sonne hilft ja gegen Seasonal Affective Disorder.
b) Mehr Lautstärke. Und Mehr Gitarren.

10:59 Alex:

Und zum ZMF insgesamt: auch mal mehr Anderes, Neues wagen...

11:00 Caro:

Ich fand das schon nett so, alles.

11:01 Alex:
Exactement, Mademoiselle.

11:01 Caro:
In diesem Sinne: schönen Sonntag, Dir. Und mir ein schönes letzten ZMF-Konzert mit Camille O'Sullivan heut' Abend. Tschüss!

11:01 Alex:
Tschüss!



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Foto-Galerie: Caro Buchheim

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