Gebührenboykott: u-asta ist zuversichtlich

Christian Deker

Durch den geplanten Boykott der Studiengebühren soll der Gesetzgeber gezwungen werden, das Gesetz zur Einführung der Gebühren noch einmal zu überdenken. Die Erfahrung zeigt aber: Die Wahrscheinlichkeit ist nicht besonders hoch, dass sich genügend Studenten an einem Boykott beteiligen würden.



Hermann J. Schmeh und Benjamin Greschbach vom Vorstand des u-asta geben sich dennoch zuversichtlich. Fragen und Antworten.


Wird der Freiburger u-asta zum Boykott der Studiengebühren aufrufen?

u-asta: Die Frage, ob boykottiert werden soll oder nicht, wird endgültig erst in der nächsten Vollversammlung am 8. November (18.00 Uhr, KG II) entschieden. Aber wir gehen auf Grund der Stimmung in der Studierendenschaft sehr davon aus, dass es eine Entscheidung für den Boykott geben wird.

Inwiefern glaubt Ihr, mit der Aktion die eingeführten Studiengebühren noch rückgängig machen zu können?

u-asta: Die Landeszuschüsse an eine Universität werden unter anderem nach der Zahl der dort Studierenden berechnet. Zudem leisten viele Studierende als Tutoren und wissenschaftliche Hilfskräfte wichtige Arbeit in den Instituten. Ab einem gewissen Prozentsatz von auf einen Schlag Exmatrikulierten kann sich die Uni diesen Rauswurf nicht leisten, weil sie mittelfristig finanziell und personell zusammenbrechen würde. Auch gesellschaftlich wäre es unverantwortbar, mehrere tausend potentielle Akademikerinnen und Akademiker aus den Hochschulen zu schmeißen.

Wenn also so viele Studierende boykottieren, dass sie trotz des Nichtzahlens wieder zurückgemeldet werden, dann werden sich im nächsten Semester fast alle Studierenden einem Boykott anschließen, weil wohl kaum einer mehr unsinnige Gebühren mehr zahlt als er muß. Und wenn niemand mehr Studiengebühren zahlt, tja dann sind sie gescheitert.

Mit welcher Beteiligung rechnet Ihr seitens der Freiburger Studenten?

u-asta: Damit so etwas funktioniert, müssen sich ein paar tausend Studentinnen und Studenten beteiligen, da sonst nicht genug Druck auf die Universität aufgebaut werden kann. Nach den großen Protesten im Sommer 2005 sind wir aber zuversichtlich, dass der Boykott ein Erfolg wird.

Ist eine Beteiligung von mehr als 10 oder 20 Prozent angesichts des letzten gescheiterten Boykotts in Freiburg überhaupt realistisch?

u-asta: Dazu gibt es zwei Szenarien: Einerseits kann man natürlich befürchten, dass der Boykott erst recht floppt, weil der Betrag viel, viel höher ist. Andererseits steigt damit auch der “Leidensdruck”, so dass vielleicht mehr Studis sagen: “Jetzt reicht's!”.

Die Hauptaufgabe liegt aber darin, die Studierenden auf den Boykott aufmerksam zu machen. Alleine bei der Umsetzung läuft momentan so vieles schief, dass auch die Studierenden, die bisher gegen Studiengebühren nichts einzuwenden hatten, Grund für eine Ablehnung haben: Zum Beispiel bleiben von den 500 Euro pro Person nach Abzug von Verwaltungskosten und Rücklagen für Ausfälle gerade einmal 60% übrig. Die Hälfte davon soll dann nach dem Willen des Rektorates an zentrale Einrichtungen der Universität gehen, die bisher vom Land finanziert wurden. Eine Verbesserung der Lehre ist also kaum zu erwarten.

Auch die Tatsache, dass selbst das Rektorat damit rechnet, dass zum Sommersemester 2000 Studierende weniger anfangen werden, macht deutlich, dass allen Beteuerungen zum Trotz Studiengebühren abschreckend wirken - auf die, die es sich nicht leisten können und sich nicht verschulden möchten.

Mit sozialer Gerechtigkeit hat dies nichts zu tun. Anlass gibt es also genug, wenn wir es dann auch noch schaffen, den Studierenden die (unbegründete) Angst davor zu nehmen, dass sie exmatrikuliert werden könnten, wenn sie mitmachen, dann klappt auch der Boykott.