Gastro to go: Wie sieht es mit den Restaurant-Bringdiensten Deliveroo und Foodora in Freiburg aus?

dpa & Elena Stenzel

In deutschen Großstädten sind sie längst nicht mehr wegzudenken: Lieferdienste wie Deliveroo oder Foodora, die per App bestelltes Essen von Restaurants zu Kunden bringen. Wie sieht es damit in Freiburg aus?

Bunt gekleidete Fahrradkuriere prägen das Stadtbild deutscher Großstädte: An der Ampel sieht man sie, an der Haustür und am Restaurant-Tresen – ihre würfelförmigen Rucksäcke und ihre Outfits in Knallfarben heben sich vom Großstadt-Alltagsgrau ab. Sie bringen per App bestelltes Essen von Restaurants zu Kunden, im Auftrag der beiden großen Anbieter in Deutschland: Foodora in pink und Deliveroo in türkis. Wie sieht es in Freiburg damit aus? Freiburg ist Fahrradhauptstadt und Schwarzwald-Metropole – und doch eigentlich der ideale Ort?


Das Geschäftsmodell der beiden Bringdienste ist im Grunde recht simpel: Sie übernehmen die gesamte Logistik für Restaurants. Das geht von der digitalen Speisekarte über den Auftragseingang per App bis zur Auslieferung innerhalb von 30 Minuten, so das Versprechen.

Vorteil besonders für kleine Restaurants

Das Konzept baut auf drei Komponenten: Restaurants, Auslieferer, Algorithmus. Kunden geben in der App ihre Adresse ein, daraufhin werden Restaurants im direkten Umkreis angezeigt. Die Bestellung läuft dann über die digitale Speisekarte des Restaurants. Das Restaurant erhält eine Benachrichtigung und bereitet die Bestellung zu. Ein nahegelegener Kurier wird per App benachrichtigt, radelt zum Restaurant, packt die Bestellung in seinen bunten Würfelrucksack und radelt auf direktem Weg zur Adresse des Kunden. Bezahlt wird online per Kreditkarte oder Paypal. Sogar das Trinkgeld für den Kurier kann man vorab eingeben und von der Kreditkarte abziehen lassen.

Das Konzept bringt einen dicken Vorteil, besonders für kleinere Restaurants, die sich keinen eigenen Lieferdienst leisten können. Sie haben die Chance, auch ohne teure und komplexe Logistik eines eigenen Lieferdienstes, ihr Essen auszuliefern. Deliveroo oder Foodora übernehmen sämtliche Organisation. Dafür berechnen sie allerdings pro ausgeliefertem Gericht eine Provision. Deliveroo verlangt zum Beispiel 30% Umsatzbeteiligung.

Café Huber: Fahrradkurier-System sinnvoll

Wir fragen in Freiburger Restaurants nach. Können sich Freiburger Gastronome vorstellen, in das Geschäft einzusteigen? Annette Huber, Besitzerin des vegetarisch-veganen Café Huber sagt: "Wenn der Preis vom Essen und mein Verdienst daran nicht gemindert wird, könnte ich mir das schon vorstellen. Wenn es ein Zusammenschluss von mehreren ist, lohnt sich das." Einen eigenen Lieferdienst hat sie nicht, die Gäste holen ihr Essen bisher direkt im Café ab. Lieferservice-Plattformen, die Autos oder Roller zur Ausfuhr nutzen, lehnt sie ab: "Da halte ich nichts von." Foodoras und Deliveroos Fahrradkurier-System findet sie dagegen sinnvoll: "Ich hatte auch schon mal die Idee, mit einem Fahrradkurier zusammen zu arbeiten. Das hat dann aber leider nicht geklappt, weil der Kurier aus Freiburg weggezogen ist."

Bislang scheint das Konzept der Restaurant-Bringdienste aufzugehen: Das deutsche Unternehmen Foodora verdoppelte nach eigenen Angaben das Auftragsvolumen zwischen April 2015 und April 2016 alle zwei Monate. Der Service startete vor gut zwei Jahren und hat rund 2200 Restaurants in 19 deutschen Städten im Portfolio, darunter Berlin, Frankfurt, Hamburg, München und Köln. In Baden-Württemberg ist der Lieferdienst in Stuttgart, Karlsruhe, Mannheim und Ludwigshafen anforderbar. In Freiburg ist Foodora nicht verfügbar.

Foodora und Deliveroo: Fehlanzeige in Freiburg

Der in Großbritannien gegründete Konkurrent Deliveroo ging im April 2015 an den Start und arbeitet in Deutschland mit mehr als 2000 Restaurants in sechs Städten zusammen. Nach Unternehmensangaben steigt die Zahl der Bestellungen um rund 20 Prozent pro Monat. Deliveroo deckt dabei aber nur Deutschlands größten Metropolen ab: Berlin, Köln, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, München. Also auch hier Fehlanzeige in Freiburg.

Der Ausbau des Liefernetzes hapert noch etwas. Deliveroo, ein britisches global agierendes Unternehmen, ist hierbei wesentlich langsamer als beim Konkurrenten. Der Ausbau des Netzes erfolgt per Abstimmung auf der Website. Auf der Website von Foodora gibt es bei der Eingabe einer Freiburger Adresse nur eine Absage und die Erklärung: "Das Team arbeitet sehr hart am Ausbau." Auf E-Mail-Anfragen wurde bisher seitens Foodora nicht reagiert.

Bei Freiburger Lieferdiensten dominieren Pizza und Burger

Aktuell sind in Freiburg die Lieferdienste Lieferheld, lieferando und Bringbutler verfügbar. Lieferheld gehört zu Delivery Hero, das auch Mutterunternehmen von Foodora ist. Der Unterschied zu Deliveroo und Foodora liegt im Detail. Während man bei Lieferheld und Co. bei Restaurants mit eigenem Lieferservice bestellt, fordert man bei Restaurant-Bringdiensten direkt im Restaurant an. Ein externer Kurier kommt dann vorbei, um auszuliefern.

Auffällig ist auch: Bei den Freiburger Lieferdiensten dominieren Pizza und Burger. Abwechslung findet man eher weniger, vorrangig Fastfood-Läden und ab und zu ein paar asiatische Restaurants, manchmal ein Grieche oder Inder, aber sonst sieht es schlecht aus mit internationaler Küche. Anders bei Foodora oder Deliveroo: Schaut man sich hier das Angebot beispielsweise für die Münchner Innenstadt an, werden verschiedenste Restaurants angezeigt. Natürlich gibt es hier auch obligatorisch Pizza oder Burger, die kommen allerdings aus Restaurants, nicht aus Imbissen. Anstelle des Restaurantlogos werden appetitlich und sehr fotogen drapierte Gerichte gezeigt. Bei Foodora findet man die Filterauswahl "Gesundes Essen" – der Filter lässt sich in drei Preiskategorien einteilen.

Eine Situation, von der alle profitieren?

Die Erfahrung in den anderen Städten zeigt: Die Rechnung geht nicht nur für Unternehmen und Kunden auf. Rund 1000 Euro Extra-Umsatz pro Monat verbucht zum Beispiel Sebastian Hunold, Inhaber einer kleinen Pizzeria in Berlin-Kreuzberg. Felix Chrobog, Deliveroo-Geschäftsführer in Deutschland, sagt: "Viele Restaurants erhöhen ihren Umsatz durch uns um 20 bis 30 Prozent."

Eine Situation, von der alle profitieren, könnte man meinen: faule Hungrige, die ihr Lieblingsessen an die Haustür gebracht bekommen, Restaurants, die neue Zielgruppen erschließen, ohne sich den Stress mit der eigenen Lieferflotte anzutun, und natürlich die jungen Start-ups selbst.

Die Gastronomen können auch abspringen, falls die Konditionen schlechter würden. "Es ist ja nicht so, dass ein Restaurant dann komplett ohne Geschäft dasteht. Es steht dann eben ohne Lieferservice da", sagt Foodora-Mitgründer Emanuel Pallua.

Bewusst dagegen entschieden

Ein hippes Restaurant in Berlin-Mitte hat sich gegen das Konzept entschieden. Zwar sei über Foodora und Deliveroo mehr Geld hereingekommen, sagt der Restaurantleiter, der nicht namentlich genannt werden möchte. "Aber wir haben auf den Umsatz verzichtet zugunsten unserer Hausgäste." Denen könne man schwer vermitteln, dass sie eine Stunde lang auf ihr Essen warteten und zwischendurch noch Außer-Haus-Bestellungen abgearbeitet würden.

So ähnlich sieht das auch Leo Fliegauf, Besitzer des Café Hermann in der Radstation Freiburg. Die Küche des Cafés hätte gar nicht die Kapazitäten, zusätzliche Außer-Haus-Bestellungen zu managen. "Im Sommer kommt zu dem Café auch noch die Dachterrasse hinzu. Da klappt das noch gut mit der Küche. Außer-Haus-Bestellungen sind bei der Größe der Küche leider einfach nicht drin." An sich findet er das Konzept gut: "Das ist definitiv eine coole Sache", sagt er, das mal als Experiment auszuprobieren, wäre für ihn nicht uninteressant. Bisher läuft es hier wie im Café Huber: Wer Essen zum Mitnehmen möchte, holt es im Restaurant ab.

Ist Freiburg ein attraktiver Standort?

In Sachen Lifestyle passt das Konzept der Restaurantbringdienste nach Freiburg: Fahrradkuriere, hochwertiges Essen, eine junge Zielgruppe. Auch die Freiburger Gastronomen schienen dem Trend gegenüber recht aufgeschlossen. Ob Freiburg auch seitens der Unternehmen ein attraktiver Standort ist, wird sich zeigen. Sollte der Trend weiter stabil bleiben, schwappt die Erfolgswelle vielleicht auch nach Südbaden. Bis dahin heißt es, raus aufs Fahrrad und selbst zum Lieblingsrestaurant radeln.

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