Gassi gehen

David Harnasch

Rania ist ein Welpe. Und als solcher muss sie noch lernen, wo man seine Verdauungsbedürfnissen freien Lauf lassen soll. Und Neu-Herrchen David hat beim sonntäglichen Gassi gehen an der Dreisam gleich auch noch eine Erleuchtung.

Nach allen Gesetzen der Biologie und Physik muss spätestens am Samstag irgendwann mal ein Teil dessen wieder raus, was ab Freitag oben in den Hund reinkam. Ich liege daher den ganzen Tag auf der Lauer und gehe gefühlte 48 mal erfolglos gassi. Als Abends eine hundebegeisterte Freundin zu Besuch ist, nutze ich die Gelegenheit, eine Dusche zu nehmen, ohne Rania die entscheidenden fünf Minuten Intimsphäre zu gewähren. Merke: Scham hat dieser Hund nur vor mir. Ich kann grade noch rechtzeitig aus dem Bad springen, um das Vieh in flagranti auszuschimpfen.


Am Sonntag wird mir klar, wieso Obdachlose so erstaunlich oft in Begleitung von Hunden auftreten. Morgens um halb sieben zeigt der Hund im Gegensatz zum Herrchen keinerlei Müdigkeit mehr. Da ich keinen Schimmer habe, ob sie nur spielen möchte oder von einem Bedürfnis geplagt wird, schnappe ich mir eine Jacke und wir gehen zur Dreisam.



(Note to Gartenbauamt: Bänke, die brennesselüberwuchert sind, laden nur sehr bedingt zum Verweilen ein!)

Ich nehme Platz und lege mich noch mal lang, die Kapuze über Sonnenbrille und Augen gezogen, ungeduscht und ohne mir die Zähne geputzt zu haben. Dazu trage ich meine Original Hartz-4-Trainingshose. Ich erwache, als zwei nette Nachtschwärmer meinen Hund beknuddeln und mir vor Begeisterung eines ihrer Tannenzäpfle überlassen wollen. Ich reflektiere mit dem Bier in der Hand über den Eindruck, den ich auf Passanten machen muss und schlagartig packt mich die Erkenntnis: Die sind ja alle gar nicht obdachlos! Die warten nur seit Wochen im Freien darauf, dass ihre Hunde endlich mal kacken!

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