Gartenstraße: Entspannte Lage bei den Hausbesetzern

Dominik Schmidt

In dem Häuschen in der Gartenstraße, das seit einer Woche von linken Aktivisten besetzt ist, wurde in dieser Woche munter philosophiert und sonnengebadet. Polizei und Stadt sind bemüht die Stimmung nicht aufzuheizen und halten sich zurück. Passend zur entspannten Lage hatten sich die Besetzer für eine Pressekonferenz gestern farbenfroh kostümiert. Dominik mit einem Update zur Lage.



Täglich gibt es Schinkenbrötchen aus der Nachbarschaft. Das sei nicht so toll für die Vegetarier, aber es verdeutlicht ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn, berichten die Besetzer bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. Seit einer Woche halten sie nun die Hausnummer 19 in der Gartenstraße besetzt. Genug Zeit, um es sich gemütlich zu machen. So funktioniert die Toilette wieder, Strom wird von einem Nachbarn per Kabel bereitgestellt und im Hinterhof steht ein Solar-Panel, das die Besetzer aufs Dach schrauben wollen. Dann ist auch die Autonomie in der Stromversorgung erreicht.


Perücke, Clownsnase, Sturmhaube und Kuhkostüm sollen die Identität der Pressesprecher verstecken. Diese geben sich optimistisch: Die Gartenstraße 19 könnte ein Sprungbrett für weitere Aktionen sein. Es geht darum, eine Infrastruktur zum Austausch und Verbreiten der eigenen Ansichten zu schaffen. Dafür sei das Gebäude auch bestens geeignet mit seinem Infoladen und einem offenen Café. Dort lassen sich Gespräche führen, die „nicht in der FAZ-Lounge im Unihof bei Monopolpresse und Cappuccino stattfinden können“, meint ein Besetzer. Auf die Frage, ob die Besetzung einen womöglichen Abriss des Gebäudes nur beschleunigt, reagieren die Aktivisten gelassen: „Wenn dem so sei, geht es immer noch um eine aktive Zwischennutzung, damit das Gebäude nicht einfach nur leer steht.“



Ein älterer Herr aus der Nachbarschaft zeigt sich über die Harmonie schon fast verwundert. „Ich war damals in den 80ern bei der Besetzung des Schwarzwaldhofs dabei, da ging es aber aggressiver zu. Die fegen ja sogar den Gehweg.“ Man sei betont offen für Gespräche, verkünden die Besetzer mit Hinblick auf Polizei und Besitzer. Einziger Streitpunkt ist derzeit das Blockieren des Gehwegs und ein Banner, das quer über die Straße hängt.

Die Polizei setzt dabei auf Gespräche und berichtet von einem absolut problemlosen Umgang mit den Besetzern. Das Banner wurde auf Wunsch höher gehängt, damit der Verkehr nicht behindert wird, den Gehweg möchte man aber bisher nicht freigeben. „Ein Gehweg darf generell nicht blockiert werden, die Besetzer können aber eine Sondernutzungsgenehmigung bei der Stadt beantragen“, sagt Petra Zinthäfner, städtische Sprecherin. Ob die Besetzer eine Genehmigung beantragen und diese von der Stadt bewilligt wird, ist allerdings fraglich.



„Wir wissen nicht, wie lange wir hier bleiben können, aber wir sind auf jede Entwicklung vorbereitet“, meint ein vermummter Besetzer. Eine Räumung wird laut Polizei erst in Erwägung gezogen, wenn der Besitzer Anzeige erstattet. Mit diesem würde man derzeit auch kommunizieren, vermeldet die Polizei. Nach Angaben der Besetzer lebt der Besitzer in Düsseldorf und versuchte bereits in der Vergangenheit das einstöckige Gebäude durch ein größeres Bauprojekt zu ersetzen. Wie groß das Interesse seitens des Eigentümers für eine baldige Räumung ist, ist derzeit unklar. Einen Kontakt zu den Besetzern gibt es bislang nicht, auch wenn dies seitens der Aktivisten durchaus gewünscht wird.

Die Akzeptanz in der Gartenstraße scheint im Moment vorhanden zu sein, so lange das Verhältnis zu den Nachbarn und der Polizei bleibt wie es ist. Der Alt-68er aus der Nachbarschaft hätte da schon mehr Krawall gemacht. „Leerstände sind Missstände, da muss man doch was tun!“ Vielleicht haben wir es einfach mit einer neuen Generation von Besetzern zu tun. Irgendwie etwas zahmere, fröhlichere und umgänglichere.