GartenCoop Freiburg: Gemeinsam ran ans Gemüse

Friederike Grasshoff

Ökologisch anbauen, solidarisch wirtschaften, klimabewusst handeln und sich selbst mit Obst und Gemüse versorgen – das sind die Ziele der frisch gegründeten Gartenkooperative Freiburg. Gestern Abend fand im Strandcafé auf dem Grether-Gelände eine Informationsveranstaltung der Initiative statt.



Wirsingköpfe türmen sich auf der Theke des Infostandes, man schlürft Bionade und ein Videobeamer wirft eine Präsentation an die weiß gestrichene Wand des Freiburger Strandcafés. Neben Parolen wie „Atomkraft abhängen“ oder „Stuttgart 21 bremst aus“ bilden auch die kleinen Plakate der Gartenkooperative einen bunten Fixpunkt auf diesem tristen Gemäuer: Schlagwörter wie etwa „unsere Vision“, „saisonal“, „gemeinschaftlich“, „bio-regional“ oder „klimagerecht“ geben in geschwungener Handschrift einen ersten Eindruck vom Abendprogramm auf dem Grether-Gelände.


„Unser Ziel ist Ernährungsautonomie – ein Gegenmodell zur industriellen Landwirtschaft“, sagt einer der Initiatoren, während die letzten Gäste auf dem Boden Platz nehmen oder sich an der Eingangstür tummeln. „Der Begriff Bio sagt immer weniger aus“, fügt sein bärtiger Kollege mit ausladender Lockenmatte hinzu. Zustimmung in den Sitzreihen. Ein Ehepaar um die fünfzig nickt einvernehmlich, eine junge Studentin im grünen Strickpulli macht sich Notizen, an der Theke gibt es eine Wortmeldung.



Die GartenCoop Freiburg ist eine Initiative zur gemeinschaftlichen Selbstversorgung, in der sich Klimaaktivisten, Gärtner, Landwirte und anderweitig Engagierte zu einem Verein zusammenschließen. Durch Mitgliedsbeiträge finanziert der Verein die ökologische Landwirtschaft auf einem gepachteten Bauernhof bei Bad Krozingen. Hinter dieser Idee steht eine Gruppe von rund 20 Initiatoren, die das Projekt seit 2009 plant. Vorbildcharakter hat die Kooperative „Jardins de Cocagne“ in Genf, der sich mittlerweile rund 1000 Mitglieder angeschlossen haben.

2011 soll es nun auch mit der GartenCoop Freiburg richtig losgehen. Der Fokus liegt auf der Produktion von Obst und Gemüse; Tiere sollen zur Herstellung von organischem Dünger miteinbezogen werden. Derzeit hat der Verein knapp 80 Mitglieder, bis zum 15. Februar können Interessierte beitreten; im April sollen die ersten Radieschen geerntet werden.

„Nicht das biologische Endprodukt steht im Mittelpunkt, sondern der Weg zum Produkt. In diesen Prozess sollen die Mitglieder miteinbezogen werden“, sagt Jonas, (Name von der Redaktion geändert) Mitglied des sechsköpfigen Gärtnerteams. Konsumenten sollen also nicht länger nur konsumieren, sondern ihren Blick für die Produktionsprozesse schärfen und der Anonymität von Discountern und Bio-Supermärkten entkommen. „Nicht der Bauer guckt auf den Markt, sondern die Gemeinschaft orientiert sich an den natürlichen Bedingungen der Landwirtschaft“, betont ein Initiator in Jeans und schwarzem Pullover.



Daher sollen die Mitglieder nicht nur eine einmalige Einlage von circa 400 Euro und einen Monatsbeitrag zahlen, der sich an den individuellen finanziellen Möglichkeiten bemisst, sondern sich selbst die Hände schmutzig machen: Vier Tage im Jahr ist jedes Mitglied dazu aufgefordert, auf dem Bauernhof mitzuhelfen, der 19 Kilometer von Freiburg entfernt liegt und eine Fläche von acht Hektar Ackerland bereitstellt. Langfristig planen die Initiatoren sogar, den Hof zu kaufen.

Auf der heutigen Veranstaltung werben die Gründer der GartenCoop um neue Mitglieder: „Wie viele der Anwesenden können sich tendenziell vorstellen, dem Verein beizutreten?“ tönt es durch den Raum und etwa zwei Drittel der Hände schießen in die Luft. Als die Moderatoren mit Applaus entlohnt werden, werden Anmeldezettel herumgereicht.

„Ich fand diese Idee schon immer toll, ich kenne sie aus Amerika. Ich trete sofort bei!“ begeistert sich eine junge Frau. Ihr Freund sitzt unschlüssig vor dem Anmeldebogen. „Die Philosophie des Projekts finde ich super; da ich aber selbstständig bin und sechs Tage die Woche arbeite, werde ich kaum Zeit finden, selbst auf dem Hof mitzuhelfen“, sagt er.

Eine Frau um die fünfzig ist ebenso angetan von der Ideologie der Gartenkooperative: „Das Konzept hat Hand und Fuß und ist sehr spannend. Da ich momentan allerdings arbeitslos bin, weiß ich noch nicht genau, ob ich beitreten werde“, sagt sie im Aufstehen, zieht ihre Jacke an und geht zum Ausgang. Am Infostand stehen die Initiatoren, an den Kneipentischen beantwortet einer der Gärtner offen gebliebene Fragen. Sie wirken zufrieden, auch heute scheint die Gemeinschaft gewachsen zu sein, es bewegt sich was. „Das ist fast schon ein Lebensprojekt“, seufzt einer der Initiatoren, lächelt erschöpft und klappt seinen Laptop zu.



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  [Fotos: Gartencoop Freiburg; Bild 1 zeigt die Kooperative in Genf]