Gähnpop ohne Gnade

David Weigend

Dass der Auftritt der irisch-badischen Kuschelrocker Reamonn nicht gerade so reinhauen würde wie ein Zeitzsiebenmeter, war absehbar. Aber solch eine Schnarchnummer, wie sie die fünf Herren am Samstagabend in der spärlich gefüllten Rothausarena abgezogen haben, war ein wenig zu viel des Müden.



Man will ihnen ja gar nicht an den Karren fahren, den umgänglichen Next-Door-Typen, die da in Casualwear auf der Bühne stehen. Man könnte sich sogar vorstellen, mit Sänger Rea Garvey mal ein Bier trinken zu gehen, um sich die Geschichte von der gelungenen Stimmband-Operation erzählen zu lassen. Wie ist es, wenn der wichtigste Mann der Band das Arbeitsinstrument verliert? "Es war unser eigener Krieg. Wir haben nicht nur gekämpft, sondern auch gewonnen", behauptet Garvey während des Gigs. Nun ja, ein Sieg der Disziplin vielleicht. Ein Tribut an die Fans, die den Verstummten mit herziger Post aufzumuntern versuchten.


Doch leider macht all das den aufgeblasenen Gig von Reamonn nicht heiterer. Das Schmusepicking von Gitarrist Uwe Bossert vermittelt ins Nichts schwirrende U2-Luftigkeit und gibt den lahm vor sich hin schlurfenden Liedern jene Prise Valium, die schon das Werk der Cranberries taub machte. "Wish" heißt das aktuelle Album und man wünschte, es wäre nie erschienen.

Was Reamonn showtechnisch als "neue Ideen" verkauft, entpuppt sich als alter Hut. Wenn Garvey und Bossert während des Schlagzeug-Solos (Drummer Gommeringer kann, wenn man ihn lässt) verschwinden, um im hinteren Arenateil für einen Song aufzutauchen, ist das ganz nett, aber nicht neu. Reamonnsongs mögen Trost spenden oder die Aggression mildern, wenn man gerade im Stau steht.

Aber wer es nicht schafft, während fast zwei Stunden Konzert die Tempo-30-Grenze zu überschreiten, braucht sich über traurige Gähner im Auditorium nicht wundern. Aalglatt produzierte Langeweile.