Gabby Young im Spiegelzelt: Manege frei, caramba und olé

Lina Wiemer & Melina Mauch

Band und Publikum verschmelzen, alle johlen, jeder Körperteil wackelt, die Stimme schreit nach mehr. Lina traf Gabby Young am Samstag zum Interview und wartete danach sehnsüchtig auf den Konzertbeginn. So war das wahrscheinlich bislang beste Konzert auf dem ZMF.



Einen besseren Ort für Gabby Young und ihre Band Other Animals gibt es nicht: Das Spiegelzelt auf dem ZMF ist die perfekte Kulisse für ihr Bühnenspektakel. Trompeter und Kontrabassist tragen Leoparden- und Pandamützen; Gabby selbst eine Mischung aus Minirock, Cocktailkleid und Meerjungfrauenkonstüm, dazu ihre feuerroten Haare und das auffällig geschminkte Gesicht – die Outfits sitzen perfekt!

Und die Musik? Die ist von Anfang an präsent, kraftvoll, verspielt, abwechslungsreich, rhythmisch, klangvoll, laut, leise, schnell, langsam, gefühlvoll – also vor allem richtig gut und eine kaum zu beschreibende Mischung aus Swing, Pop und Balkan Beats. Das Publikum ist von Anfang an angesteckt, klatscht und johlt, kann sogar die Texte mitsingen. Verblüffend! Dabei ist Gabby Young in Deutschland doch eher noch ein Geheimtipp.

Bei vielen Konzerten rollt das Publikum schnell genervt mit den Augen, wenn sie zum Mitmachen aufgefordert werden – nicht so bei Gabby Young: Das Publikum muss gar nicht erst zum Mitmachen aufgefordert werden, denn es hüpft und singt alleine mit. Mal setzen wir uns alle auf den Manegenboden und klopfen mit den Händen auf die Holzdielen, mal wird das Publikum geteilt und die einen schreien uhh, die anderen ahh. Und immer ist da Gabby Young, die Dompteurin: Sie hat den Überblick, interagiert ständig mit dem begeisterten und fast schon extatischen Publikum und hat dabei sichtlich Spaß. Manche würden das als authentisch bezeichnen.



Und das Publikum? Das tobt und lärmt weiter. Irgendwo muss der Rhythmus ja schließlich hin. Und Gabby Young, die vor ein paar Jahren kurz vor einer Karriere als Opernsängerin stand, klettert die Oktavenleiter hoch und runter. Warum sie jetzt keine Opern singt, will ich im Interview wissen. Da könne sie nicht frei sein, nicht interpretieren, sagt sie. Aber wenn sie 50 ist, will sie das vielleicht doch mal ausprobieren.

Zur Zeit hat Gabby Young, die mit 12 Jahren jüngstes Mitglied der National Youth Opera wurde, genug zu tun: Ihr zweites Album ist fertig und erscheint im September auch in Deutschland, sie hat ein Styleblog, der regelmäßig mit Inhalten gefüttert werden will und sie arbeitet mit kleinen lokalen Designern zusammen. Bald öffnet ihr eigener Onlineshop. Und das eigene Label „Gift of the Gab Records“ managet sie auch noch.

Das Publikum ist mittlerweile nicht mehr zu bremsen und schafft es sogar auf zwei zu klatschen. Und das gelingt meist nur Fortgeschrittenen. Bei dem Song „Ask you a question“, einer Version von Kalinka Kalinka, gibt es dann endgültig kein Halten mehr: Gabbys Frisur löst sich auf, das Publikum kreischt in höchsten Tönen, der Schweiß tropft.

Gabby selbst schreibt später auf twitter:„Amazing gig in a speigeltent #ZMF #Freiburg tonight - such a lovely audience and place and @gabbysanimals played their socks off! Yay! :).“ Und ich denke nur: Mehr davon, jetzt, sofort!

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Foto-Galerie: Melina Mauch


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