Génériq: Festival-Auftakt in Mulhouse

Christian Beller

3 Länder, 6 Städte, über 60 Künstler und mehr als 100 Konzerte innerhalb von 16 Tagen: Das GéNéRiQ Festival gehört zu den innovativsten neuen Musik-Veranstaltungen in ganz Europa. Zum Auftakt in Mulhouse kamen am Samstag José González, Tunng, Chris Garneau und T ins Noumatrouff. Besser hätte das Festival gar nicht beginnen können, findet Christian.

Die französische Industriestadt Mulhouse ist nicht unbedingt als kulturelle Hochburg bekannt, mit dem Noumatrouff gibt es dort aber eine wunderbare Konzert-Location, wie man sie in Freiburg vergeblich sucht. Der Veranstaltungsort besteht im wesentlichen aus zwei großen Räumen, im vorderen befindet sich eine lange Theke, es gibt Sitzmöglichkeiten, den obligatorischen Merchandising-Stand und die DJs legen zum Abend passende Musik auf, von Sodastream bis Nico.




Als wir durch die Tür in den eigentlichen Konzertsaal kommen, haben T gerade angefangen. Der Raum ist komplett abgedunkelt, nur die drei Musiker der Straßburger Band werden auf der Bühne angestrahlt, so dass nichts von der Musik ablenkt. Von T ist nicht viel bekannt, es gibt keine Homepage, keine myspace-Seite und selbst auf der Seite ihres Labels Herzfeld sind Informationen rar gesät.

Vor einigen Jahren schon spielten T als Vorband bei einem Konzert im Jazzhaus. Wer Hauptact war, hab ich inzwischen vergessen, aber T blieben mir in guter Erinnerung, weil ich mir danach unbedingt den Song „Dancing Together“ vom ersten Album besorgen wollte. Während bei diesem ersten Konzert noch elektronische Momente in der Musik vorhanden waren, gab es gestern dann akustischen Folk Pop pur, allein der Gesang wurde in manchen Songs gesampelt.

Sänger Thomas Walter gab sich dabei so zurückhaltend wie die Musik und das Publikum war so aufmerksam und leise, dass man selbst das Kamera-Klicken der zahlreichen Photographen hören konnte. So würde man sich das jedenfalls öfters wünschen.



Ziemlich genau um 21:45 Uhr kam der aus Brooklyn stammende Chris Garneau auf die Bühne. Vor seinem Harmonium kniend oder an dem Keyboard sitzend und begleitet von einer Cellistin gab er zum Teil neue Stücke, aber natürlich vor allem die wundervollen Songs von seinem fantastischen Debutalbum „Music For Tourists“ zum Besten.

Ob nun „Relief“, „Not Nice“ oder „We Don’t Try“, immer steht seine leicht zerbrechliche Stimme im Vordergrund. Vergleiche mit Sufjan Stevens, Patrick Wolf oder gar Antony kommen nicht von ungefähr, aber einen passenderen Vergleich liefert er gleich selbst, indem er „Between The Bars“ von Elliott Smith covert.

Für mich auf jeden Fall der absolute Höhepunkt des Abends, das mag aber vielleicht auch daran gelegen haben, dass ich Tunng erst vor ein paar Monaten live erlebt habe und dadurch ein gewisser Überraschungseffekt gefehlt hat.



Mit allerhand ungewöhnlicher Percussion, Kinderspielzeug, akustischen und elektronischen Instrumenten spielten die sechs Londoner einen sehr kurzweiligen Gig mit ihrer ganz eigenen Mischung aus Folk und Electronica. Darüber hinaus wecken die harmonisierenden Stimmen von Becky Jacobs, Mike Lindsday und Sam Genders gar Erinnerungen an die Kings Of Convenience.



Als zum Schluss dann José González auf seinem Stuhl auf der Bühne Platz nimmt, ist gerade Mitternacht. Eine dreiviertel Stunde steht der Schwede mit dem spanischen Namen davon auch nicht mehr auf und trägt ganz alleine und nur mit der Gitarre ausgerüstet die Songs von seinen beiden Platten vor.

In guten Momenten kann das gar zu Gänsehaut führen, in schlechten Momenten kann es aber auch ein wenig eintönig wirken. Als er bei der Zugabe dann noch eine Cover-Version von „Love Will Tear Us Apart“ spielte, dürften aber alle mehr als zufrieden gewesen sein.



Zusammenfassend kann man jedenfalls sagen: Ein wundervoller Abend mit großartigen Künstlern an einem tollen Veranstaltungsort mit ausgesprochen gutem Sound und einem fantastischen Publikum. Ein perfekter Festivalbeginn.

Man darf gespannt sein, wie die Konzerte der kommenden Tage in Freiburg ablaufen.

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