Génériq-Festival 2010: Nur wenige Gigs in Freiburg

Alexander Ochs

Die vierte Auflage des Génériq-Festivals holt eine ganze Reihe spannender Bands in die Region. Das Festivalangebot für Freiburg fällt einigermaßen spärlich aus - nur drei Gigs finden diesmal hier statt. Folglich sind mal wieder Konzertausflüge ins Elsaß angezeigt.



Ursprünglich fand das kleine, feine, über viele Städte verteilte Géneriq-Festival im Februar statt, doch dieses Jahr haben die Macher praktisch einen Winter ausgelassen und es um zehn Monate nach hinten, in den Dezember, geschoben (fudder berichtete: Génériq-Festival erst in einem Jahr). Das war vor allem der Doppelbelastung geschuldet, mit der die Veranstalter ihre liebe Not hatten, denn zugleich strickten sie im Februar immer heftig am Programm für die Eurockéennes in Belfort. So haben sie beide Musikevents nun entzerrt und erproben nun erstmals das neue zeitliche Konzept. Ob in der trubeligen Vorweihnachtszeit die Besucher in die Säle strömen werden oder der veranstaltungsarme Februar da nicht besser geeignet war, wird sich zeigen.


Worum geht es? Das Génériq ist, so möchte man meinen, auf den fahrenden Zug aufgesprungen und hat sich als Sponsor und Namensgeber nun die SNCF ausgesucht, also das französische Pendant zur Deutschen Bahn, und firmiert nun unter TGV Génériq. Und ganz wie der TGV setzt die vierte Ausgabe stark auf Strom, sprich auf die Elektroschiene. Schade nur, dass Freiburg hier allenfalls als Bummelbahnhof an der äußersten Peripherie gelten darf. Gerade mal zweieinhalb Gigs finden hier statt: einer im Walfisch, einer im Atlantik, einer in einer Privatwohnung. Doch auf die Künstler darf man sich freuen.

Denn das Génériq beschallt acht Städte in zwei Ländern, wobei gefühlte 99,5 Prozent der Konzerte in Frankreich stattfinden. Die Schweiz ist nicht mehr an Bord. So gibt es Gigs in Dijon, Montbéliard, Belfort, Besançon, Baume-les-Dames, Kingersheim, Mulhouse und eben Freiburg. Auch wenn sich so manches geändert hat – zu den innovativsten Festivals des Kontinents zählt das Génériq nach wie vor. Knapp 70 Künstler mit um die hundert Auftritten, und all das in einer Woche, klingt doch schon mal nicht schlecht, oder? Zudem bietet das Event diesmal zwei Neuerungen: Gigs speziell für Kids und Konzerte in privaten Wohnungen.

Zum Programm: Wie üblich sind die performenden Bands eher was für Eingeweihte oder Kenner der französischen Musikszene. Die bekanntesten Acts dürften die psychedelischen Rocker A Place To Bury Strangers aus Brooklyn, die französische Americana-Band Moriarty, das Folkpop-Duo Cocoon und die Pariser Electroclash-Rapper The Toxic Avenger sein. „Headliner“ des Festivals ist zumindest für Franzosen und Wahl-Franzosen Gaëtan Roussel, der charismatische und streitbare Frontmann von Louise Attaque, der dieses Jahr sein erstes Soloalbum veröffentlicht hat. Man sieht: Das Ganze ist diesmal noch viel mehr auf Frankreich ausgerichtet als in den Vorjahren. An die 50 Bands stammen aus Sarkozy-Land.

Und was geht jetzt in Freiburg? Dick anstreichen könnt ihr euch den 14. Dezember, da rocken Future of the Left das Atlantik. Die Band aus Wales mit ihren treibenden Rock-Grooves sollte man sich auf alle Fälle ansehen. Wer’s turbulent mag und auch mal kleine Feiernachwehen wegstecken kann, kann sich am Tag darauf aufRolo Tomassi im Walfisch und ihre Kracher „Party Wounds“ und „I Love Turbulence“ freuen. Die fünf Art-Metal-Freaks aus Sheffield mit Frontfrau Eva Spence haben letztes Jahr bei den Eurockéennes kräftig aufgedreht und mächtig beeindruckt.

Den dritten und letzten Freiburger Génériq-Gig liefert Jessie Evans am 19. Dezember ab – allerdings in einer Privatwohnung. Als Voodoo-Cabaret-Duo mit Iggy Pops Ex-Drummer Toby Dammit feiert die in Berlin ansässige Amerikanerin heiße Sax(ofon)-Orgien mit Afrobeat, Jazzfeeling und Danceappeal und hat im Sommer zum Beispiel für Gossip eingeheizt.

Ebenso vormerken sollte man sich den 18. Dezember. Dann gibt's im Noumatrouff in Mulhouse ein Doppelfeature aus den „französischen Radiohead“ Syd Matters und Florent Marchet, der sich – trotz Wechsel vom Major- zum Indie-Label – gerade zu einem der ganz Großen in Frankreich aufschwingen könnte. Am selben Abend spielen auch Jamaica, The Toxic Avenger, Teenage Bad Girl und DJ Solid Boom aka Leeben.



Mehr dazu:


    Was: Génériq-Festival 2010
Wann: 13. bis 19. Dezember 2010
Wo: Freiburg, Mulhouse, Kingersheim, Besançon, Belfort, Baume-les-Dames, Dijon und Montbéliard