Future of the Left im Atlantik: Wie Raubtiere

Matthias Cromm

Future of the Left sind die Nachfolgeband der legendären Noisekapelle McLusky. Da wundert es wenig, dass die Platte "Travels with myself and another" ein echter Knaller ist. Am Dienstag war die Band im Café Atlantik. Matze war für fudder dabei - und begeistert. Wie's war:

"Come on Rick, I'm not a prize!" Mit dem Opener "Arming Eritrea"von der aktuellen Scheibe "Travels With Myself and Another" startet Future of the Left, die wohl derzeit relevanteste Noisecoreband neben Shellac und Ten Volt Shock, ihre Show im Atlantik.


Schon beim ersten Klickern des Snaredrumrandes und der dahinträumenden, ziellos schwebenden Gitarre schreien die ersten Wissenden bereits "Hurra!", doch all das dauert nur 20 Sekunden und bevor sich der unwissende Konzertbesucher noch über die aufkommende Euphorie der Wissenden wundern kann, ist er schon überrollt vom infernalen Donnern des Fuzzbasses und der hysterischen Stimme von Frontmann Falkous. "Come On, Rick, I´m not a child!"

Die Gitarren beginnen zu sägen, zu schreddern und zu kreischen, zerhacken die trockenen und unbarmherzigen Beats des Schlagzeuges, bis sie in einer flutenden Soundwand schliesslich die Herrschaft gewinnen. Der Atlantikboden zittert.

Ih habe selten eine Band gesehen,  die ihr Publikum innerhalb so kurzer Zeit unter Kontrolle und in ihren Bann ziehen kann Sänger Falkous schreit sich alles in seinem Körper vorhandene Blut duch die schwellende Halsschlagader in den tiefroten, schwitzenden Kopf. Während die ungeheure Bassistin lärmend vor ihrer Bassbox tänzelt, stehen Sänger und Gitarrenmann wie zum Sprung bereit nach vorne gelehnt an den Mikros, jede Faser ihrer Körpers die sich spannen lässt gespannt, mit starrem Blick, wie zum Sprung bereit. Fast habe ich Angst, dass die beiden Raubtiere jede Sekunde dem nächstbesten Zuschauer direkt ins Gesicht springen.

Stattdessen treiben sie ihren mit Breaks durchsetzten Sound in die Ohren des mittlerweile wild tanzende Publikum. Der Beat stampft sich den Weg in die Herzen und zwingt dem Organismus und den Körpern die wirre Rhythmik auf. Irgendwo in der Perfektion zwischen der ganz grossen Hymne mit Pathos in schwelgenden Melodien und der verstörenden Vertacktheit aus Breaks, Beats, Lärm, Logik und Unvorhersehbarkeit peitschen die fünf Waliser aus Cardiff durch das mäßig gefüllte Café Atlantik.



Irgenwann kommt auch die Oma der Band auf die Bühne, ein Juno-60, die Nummer 1 und Mutter der polyphonen Synthesizer aus den frühen 80er Jahren. Noch ein Soundeindruck mehr zu verarbeiten, wow! Zynische Leichtfüssigkeit piepst hier degen die übermächtige Rhythmusfraktion, befreit sich, wird eingeholt, überrollt vom dichten Gitarrenteppich, dazwischen der grosse blutrote schreiende Kopf inmitten musikalischer Ironie. Das Publikum wird schwimmend im Groove eingelullt - nur um wieder abrupt loszuwüten.

Die vier Briten sind nicht ganz dicht. Es ist kompromissloser Wahnsinn, was hier passiert- Wundern braucht das einen nicht, denn Future Of The Left sind die Nachfolgekombo der legendären McLusky, Noisecorehalbgötter von 1996 bis 2005. Future Of The Left stoßen ins gleiche Horn, wirken aber etwas zugänglicher, obwohl Frontmann Andy „Falco“ Falkous immer noch diese schneidende Gitarre spielt, in der Stimme Stimme Wahnsinn und Hysterie; Auch Drummer Jack Egglestone war auch schon bei McLusky.

Der letzte Song der Show ist der totale Kontrollverlust. Lärm und Feedbacks werden genutzt, um kreisched die Hölle zu öffnen; immer absurder zieht sich das Spektakel während die Bandmitglieder die Bühne erlassen. Das wars, wow!

Support waren übrigens die französische Postrockband Generiq, eine etwas unscharfe Schwarzweisskopie von From Monument To Masses. Nicht schlecht aber noch nicht ganz fertig gegoren. Eine gute Vorband, aber Postrock muss halt grandios sein, ansonsten ist er überflüssig.

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  [Foto: Matze]