Funpark: Lassotanz unter Disco-Stalagtiten

Gina Kutkat

Der Funpark Freiburg ist für manchen Nachtschwärmer ein Mysterium: Eine Diskothek im Industriegebiet zwischen Baumarkt und Bürogebäuden, ein dreigesichtiger Tanzboden, dessen Betreiber mit Trinkangeboten die Jugend zu locken versucht. Gina auf der Suche nach dem Fun im Park.



"Tut mir leid, kein Atlantik, kein Ruefetto, ich gehe heute Abend in den Funpark." Stille am anderen Ende der Leitung. Für einige Sekunden genieße ich diese Ungewissheit, mit der meine Freundin gerade zu kämpfen hat. "Warum denn das?"


Ja, warum eigentlich? Weil ich noch nie da war, weil ich überprüfen möchte, ob es dort tatsächlich so schrecklich ist wie ich immer dachte und das möglichst, in dem ich alle meine Vorurteile vorher ausschalte. "Have fun" sagt die Freundin. Dann geht's auch schon los, denn bis 23 Uhr haben alle "Ladies" freien Eintritt.



Allein der Hinweg ist eine Odyssee: der Funpark liegt neben einem Baumarkt, etwas versteckt, in der Hans-Bunte-Straße im Industriegebiet Nord.

Am ersten Eingang soll ich meinen Ausweis vorzeigen. "Sieht man mir etwa nicht an, dass ich 22 bin?" Das ist nur so zur Sicherheit. Achso. Ich arbeite mich bis zum zweiten Eingang vor und erhalte ein blaues Armbändchen. Das heißt, dass ich über achtzehn bin und länger bleiben darf als die mit dem rosa Bändchen.

Der Eingangsbereich sieht aus wie ein U-Bahn-Schacht, in den jemand lieblos einen roten Teppich auf den Boden geklatscht hat. Die Gäste werden quasi in den Funpark eingeschleust.

Jetzt bin ich da. Heute herrscht im Funpark "Ausnahmezustand". Als ich den Partynamen höre, denke ich nur eins: Flatratesaufen! Mit dem Vorhaben, diese Frage etwas später zu klären, mache ich meinen ersten Rundgang im Funpark.



Ich bin geschockt von der Dekoration. Griechische Statuen, Diskokugeln, künstliche Strände und Pflanzen in jeder Ecke. Alles ist durcheinandergewürfelt und passt überhaupt nicht zusammen. Bin ich nun in Griechenland oder am Ballermann? Vom Hauptraum mit einer Bar in der Mitte gehen drei verschiedene Floors ab. Sie heißen "Hangar", "Purzelbaum" und "Hazienda".

Ich entscheide mich zuerst für die "Hazienda", auch Tanztreff genannt. Skurille Details ohne Kontinuität entdecke ich auch hier. So wird diese mexikanische Tropfsteinhöhle im Gasthausschild symbolisiert durch einen ziemlich phallischen Sombrero, eine Gesichtssonne in "Badischer Wein"-Ästhetik und einen umgefallenen Kaktus. An der Decke der Tanzfläche hängen höhlenartige, künstliche Stalaktiten, die im Diskolicht galaktisch leuchten.

Die ersten Mädels tanzen schon zu Beyoncés Musik und zupfen sich unsicher an ihren schrillen Hotpants und knappen Pailetten-T-Shirts herum. Die meisten sind erst sechzehn, sehen aber aus wie 24 jährige Bunnies, jedenfalls was das Styling betrifft.



Zurück zum Hauptraum, in dem eine Bedienung versucht, den vielen Cocktail-Bestellungen hinterher zu kommen. Ohne Erfolg, eine halbe Stunde wartet man hier auf sein Getränk. Vier Mädels in einer der aufgeschütteten Strandecken lassen sich von mir begeistert fotografieren, während sie an ihrem geschätzten Zweiter-Jumbo-Cocktail schlürfen. Sarah, Monique, Sabrina und Sandra kommen aus Gundelfingen und sind fast jedes Wochenende hier, weil es für sie nah und günstig ist.

Drei männliche Bekannte von ihnen wollen auch unbedingt ein Foto, sie haben von weitem gesehen, dass die vier interviewt werden. Und warum kommt ihr hier her? "Weil's hier geil ist, Alter!" Alle Leute die ich befrage, sind aus den gleichen Gründen hier: den günstigen Trink-Angeboten, den drei verschiedenen Floors und der guten Lage. Fast niemand ist direkt aus Freiburg. Müllheim, Buchholz, Oberwinden oder Gundelfingen sind die Antworten, die ich auf meine Frage bekomme.



Auf zum nächsten Floor. Hier stehe ich vor verschlossenen Türen, es ist der "Hangar". Ein fudder-Redakteur hat mir erzählt, dass man hier im hektischen Strobogewitter zu krassen Dreamdance-Technotunes abzappeln könne. Ein Vergnügen, auf das ich heute leider verzichten muss. Der Hangar ist zu.

Dafür geht's im "Purzelbaum" richtig ab. Das Grafitto an der Wand preist den Purzelbaum als "total verrückte Kneipe", dabei aber auch "obercool". Jetzt bin ich quasi am Ballermann. Schlagermusik, grölende Kinder, äh Jugendliche, und ein grauseliges Ambiente. Alles, von der Sitzecke bis zur Bar, ist aus dunklem Holz. Wieder kann ich mich nicht entscheiden: was soll das sein, Westernstyle oder Bierkaschemme?



Unglaublich, die jungen Funparkbesucher fahren tatsächlich auf Schlager ab. Zum Sommerhit "Lasso" von Olaf Hennig singen und tanzen alle gemeinsam. Die Choreographie können alle perfekt. Es handelt sich hier um den so genannten Lasso-Tanz: Komm hol' das Lasso raus/Wir spielen Cowboy und Indianer/Wir reiten um die Wette....

Erstmal einen Drink holen. Dafür geht's in den Außenbereich zu den Rauchern. Die mit Segeltuch überdachte Chill-Out-Lounge mit Liegestühlen und anderen Sitzgelegenheiten lädt zum Verweilen ein.

An der Außenbar bezahlt man nicht bar. Der Betrag wird auf eine Karte gebucht, die man beim Rausgehen vorzeigt und bezahlt. Da ich Funpark-Frischling bin, habe ich von keinem der Trinkangebote Gebrauch gemacht und zahle für meinen Wodka Lemon über sieben Euro.

"Für Frauen gibt es alle Getränke für zwei Euro, wenn man das rosa Bändchen umhat", klärt mich das Mädchen neben mir auf und schaut mich mitleidig an. Und ich dachte, die rosa Bändchen stehen für "Unter Achtzehn".



Alexander aus Müllheim ist ein Funpark-Kenner und gibt mir unverbindlich ein paar Auskünfte. "Hier gibt es kein Flatratesaufen mehr, das wurde abgeschafft. ,All you can drink' beinhaltet nur vier Bier und das Barbecue-Buffet. Mehr nicht." Er kommt nicht so oft her, weil es ansonsten langweilig wird und ihm die Leute auch ein bißchen zu "assig" sind.

Ich gehe zurück in die Hazienda und nehme auf einem geblümten Sofa Platz. Ein Junge schleppt seinen betrunkenen Freund an mir vorbei auf die Toilette. Ich beobachte die Mädchen, die um die Aufmerksamkeit der Jungs tanzen. Direkt neben mir berührt ein Junge aus Versehen den Arm eines anderen und wird sogleich zum Kampf herausgefordert. Aber so schnell wie die Aufregung aufgetaucht ist, verschwindet sie auch wieder. Mehr Trouble erlebe ich an diesem Abend nicht.

Mir ist es zu schick, zu aufgebrezelt, zu künstlich - von der Musik mal ganz zu schweigen. Aber die Menschen, die hier sind, scheinen wirklich "Fun" zu haben. Dazu sind sie entgegenkommend und hilfsbereit. Das hat mich dann doch ein wenig überrascht.

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