Bauern empört

Für die Touristen: Markt-Transporter sollen vom Münsterplatz verschwinden

Julia Littmann

Um die touristische Attraktivität des Freiburger Münstermarkts zu stärken, werden die Regeln nun strikter durchgesetzt: Die Autos sollen runter vom Platz – für viele Marktbeschicker ein großes Problem.

Große Empörung am Mittwoch auf dem Münstermarkt: Etliche Bäuerinnen und Bauern erfahren erst an diesem Vormittag vom Marktmeister, dass sie ihre Autos nicht wie bisher in Sichtweite ihrer Marktstände abstellen dürfen.


"Wir können alle nicht mehr. Fürs Ergebnis unserer Arbeit heften sich Stadt und FWTM Orden für den schönsten Markt an. Und legen uns ständig neue Steine in den Weg. Es kommt immer nur Schikane!" Marktbeschicker Dominika Bressel und Gerald Burkhardt
Andere hatten am Dienstagnachmittag von der härteren Gangart erfahren, die jetzt von der "Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH" (FWTM) vorgegeben wird, die verantwortlich fürs Freiburger Stadtmarketing ist. Dort überrascht die Empörung: Die Marktrichtlinien seien seit sieben Jahren in Kraft.

"In erster Linie geht es bei der aktuellen Durchsetzung der Richtlinien tatsächlich um die Attraktivität des Münstermarkts", erklärt FWTM-Pressesprecherin Annika Reinke. "Die ist nur gewährleistet, wenn keine Autos auf der Marktfläche stehen." Womöglich habe der neue Marktbeauftragte der Wirtschafts- und Tourismusförderung, Max Born, "mehr Kapazitäten für die Kontrolle der Umsetzung". Die bislang oft fehlte.

Cäcilia Nübling gehört zu den vielen aufgebrachten Marktbeschickern an diesem Tag: "Mit mir hat niemand was besprochen!" Für sie ist die Regelung ein Alptraum: Die Ware abladen und stehen lassen, rausfahren, Parkplatz suchen, am Stand keinen Schutz vor stürmischem Wind, die Ware nicht zur Hand haben, die man nachlegen könnte, nach einem langen Tag mittags alles stehen lassen, um im größten Gewimmel mit dem Lieferwagen von oben reinzufahren. Und kaum noch Zeit haben fürs Aufladen.

So sehen das viele Bauern, unter anderem auch Dominika Bressel und Gerald Burkhardt: "Wir können alle nicht mehr. Fürs Ergebnis unserer Arbeit heften sich Stadt und FWTM Orden für den schönsten Markt an. Und legen uns ständig neue Steine in den Weg. Es kommt immer nur Schikane!"

Die Lieferwagen dienen auch als Lager

Dass die kleinen Lieferwagen seit Jahrzehnten bei Bedarf auch Schutz- und Lagerraum für die Beschicker sind, sei ihm ein wichtiger Hinweis, sagt SPD-Stadtrat Ernst Lavori, der Mitglied der Marktkommission ist. Die Richtlinien, die der Gemeinderat verabschiedete, bevor er ein Mandat hatte, habe er so interpretiert, dass die Fahrzeuge den schönen Anblick des Marktes störten und entfernt werden sollten. Die praktische Umsetzung bereite ihm "doch ein bisschen Bauchschmerzen". Er wird am Donnerstag vor Ort in Augenschein nehmen, welche Erschwernisse mit den Richtlinien für die bäuerlichen Marktbeschicker einhergehen. Vieles werde am "grünen Tisch" entschieden und stelle sich in der Anwendung als mangelhaft heraus, dann müssten die Richtlinien neu überdacht werden.

"Die Bauern brauchen ihre Autos beim Stand, alles andere ist Unsinn." Marktkunden Christina Metge und Stephan Bender
Für die Tourismus-Beauftragte der FWTM, Franziska Pankow, besteht dazu kein Anlass: Nach der Umsetzung der Sicherheitsvorschriften auf dem Platz sei schlicht keine Fläche mehr vorhanden für die Fahrzeuge: "Das haben wir 2010 mit allen Beteiligten besprochen, das war bekannt." Im übrigen seien ringsherum reichlich Parkmöglichkeiten vorhanden.

Unterstützung für ihr Anliegen bekommen die Bauern auch von ihren Kunden. "Hier soll offenbar eine Supermarkt-Ästhetik her, da sieht man keine Lkw und Kühlräume", kommentieren Christina Metge und Stephan Bender. "Aber die Bauern brauchen ihre Autos beim Stand, alles andere ist Unsinn. Außer man will sie weg haben."

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