Entscheidung

Fünf von sieben schlumpfblauen Parkplätzen in der Wiehre bleiben

Jelka Louisa Beule

Es war ein Streitthema in der Wiehre: Ein Hauseigentümer hatte Parkplätze vor seinem Haus leuchtend blau angestrichen. Jetzt haben er und die Freiburger Stadtverwaltung einen Kompromiss gefunden.

Im Juli hatte die Stadtverwaltung angekündigt, dass die schlumpfblau angemalten Parkplätze im Stadtteil Wiehre wieder entfernt werden müssen. Das Rathaus sah – und das war ein Novum in Freiburg – das Verunstaltungsverbot der Landesbauordnung verletzt.


Nun hat sich die Bauverwaltung mit Gebäudeeigentümer Ralf Augustin aber doch noch gütlich geeinigt: Fünf der sieben Parkplätze und eine Fläche im rückwärtigen Bereich des Gebäudes dürfen blau bleiben. Der Rest der Außenanlage wird gepflastert und bepflanzt.

Ralf Augustin ist froh über den Kompromiss. "Ich freue mich, dass das Theater endlich ein Ende hat", sagt der Inhaber des Immobilienbüros, das in dem Gebäudekomplex an der Ecke Dreikönigstraße/Peter-Sprung-Straße seinen Sitz hat. Die wie eine Sportfläche aussehenden Parkplätze hatten im Sommer große Wellen geschlagen. Es gab Bürger, die wegen der grellen Farbe Sturm liefen. Andere konnten die Aufregung nicht nachvollziehen und fanden, dass jeder seinen Vorgarten so gestalten darf, wie er möchte.

Der Hauseigentümer darf weitere Flächen auf seinem Grundstück leuchtend blau anstreichen

Für die Stadtverwaltung war das bunte Treiben jedoch nicht in Ordnung: Da die blauen Parkplätze nicht genehmigt waren, verhängte sie einen Baustopp und urteilte, dass "die gewählte Farbgebung in der sensiblen und hochwertigen Umgebung der Wiehre eine Verunstaltung im Sinne der Landesbauordnung" darstelle. Dabei sollten die blauen Parkplätze eigentlich erst der Anfang sein. Ralf Augustin wollte die gesamte Vorfläche des Eckhauses in eine hellblaue Tartanbahn verwandeln. Das ist jetzt vom Tisch. Neben den fünf blauen Plätzen vor dem Haus darf Augustin auch im rückwärtigen Teil die Zufahrt und weitere Parkflächen blau anmalen – ein Bereich, der nicht direkt ins Auge fällt.

Der Stadtverwaltung sei es wichtig gewesen, sich mit dem Eigentümer gütlich zu einigen, sagt Rathaussprecherin Edith Lamersdorf. Hätte das Rathaus das Verunstaltungsgebot durchgesetzt, wären auch rechtliche Schritte nicht ausgeschlossen gewesen. Ein Bußgeld muss Augustin nicht bezahlen. Er bekommt stattdessen die Auflage, neben den blauen Parkplätzen Hecken zu pflanzen und den Bereich um das Gebäude herum "teils gärtnerisch, teils als halböffentlichen Platz mit hochwertigem Pflaster und hoher Aufenthaltsqualität" anzulegen. Mit diesem Kompromiss wird für die Stadtverwaltung sowohl den öffentlichen als auch den privaten Interessen Rechnung getragen.