Fünf Mal Spuk (und dreieinhalb Erklärungen)

Rebecca Schnell

Die Woche beginnt scary: Geistererscheinungen, Wahrträume, Spuk, Ufos und Hellsehen. Solche Phänomene erforscht Walter von Lucadou. Er ist Leiter von Deutschlands einziger parapsychologischer Beratungsstelle in Freiburg. Auf fudder erläutert er fünf Fälle und deren Lösungen.



Fall 1: Geisterscheinung

Um die Adventszeit sitzt eine Familie um den Kaffeetisch. Der Vater fotografiert die Gruppe. Doch nachdem das Foto entwickelt wurde, ist nicht nur die Familie sichtbar, sondern auch eine Gestalt, die über dem Tisch schwebt. Sie hat zwei dunkle Löcher an Stelle der Augen, was ihr das Aussehen eines Totenkopfs verleiht.


Walter von Lucadou in seinem Büro in der Wiehre

Erklärung: +

In solchen Fällen recherchiert Dr. Lucadou zunächst, ob es ein technisches Problem gab; ob die mysteriöse Erscheinung mit der Kamera, der Art der Entwicklung oder der Belichtungszeit zusammenhängt. In diesem Fall stellte sich heraus, dass es sich um ein Photo handelte, das mit Blitz entstand.

Die nächste Frage ist, ob geraucht wurde. Dies war nicht der Fall, aber es gab einen Adventskranz, der im Moment der Aufnahme allerdings nicht mehr brannte.

Hypothese: Während die Rauchfahne des Adventskranzes für das bloße Auge nicht zu erkennen ist, erfasst das Blitzlicht aufgrund des hohen Anteils an blauen Strahlen den Rauch über einen wesentlich längeren Zeitraum. Darum ist auf dem Photo der Rauch noch da, während er für das Auge längst nicht mehr wahrnehmbar ist.

Offen bleibt die Frage, warum der Rauch aussieht wie ein Totenkopf. Dies erklärt Lucadou mit der Gestaltwahrnehmung. Unser Bewusstsein versucht ständig, Unbekanntes in eine bekannte Form zu verwandeln. Daher meinen wir, in einer unscharfen Nebelgestalt einen Geist zu erkennen.

Fall 2: Wahrträume

Ein junger Mann träumt sehr detailliert vom Unfall seines Vaters. Am nächsten Morgen erzählt er seiner Mutter den Traum. Beide denken nicht weiter darüber nach. Sein Vater, der an diesem Tag auf einer Geschäftsreise ist, verunglückt beinahe exakt auf die Weise, wie der Sohn es geträumt hatte.


Schlafend in die Zukunft sehen

Erklärung: -

Wahrträume sind Lucadou zufolge schwierig zu erklären. Eine Informationsübertragung aus der Zukunft wäre ein schwerer Verstoß gegen die physikalischen Gesetze. Trotzdem kommen Wahrträume relativ häufig vor – zu häufig, um von Zufall zu sprechen.

Möglicherweise existieren bestimmte Verschränkungskorrelationen in Zeit und Raum, die Musterübereinstimmungen zwischen zukünftigen und gegenwärtigen Ereignissen, zum Beispiel Träumen, hervorbringen. Freilich sind die daraus gewonnenen Informationen weder zuverlässig, noch kann man sie vorhersagen.

Für Lucadou bietet dieses Modell aber zumindest die Möglichkeit, den Betroffenen zu helfen, mit der Erfahrung umzugehen. Dem Sohn erklärte er seinen Wahrtraum als Zeichen enger Verbundenheit mit seinem Vater. Eine Lösung des Rätsels hat die Wissenschaft aber noch nicht gefunden.

Fall 3: Spuk

Im Bürogebäude einer Firma in Celle fangen plötzlich Gegenstände an, zu brennen. Ohne einen ersichtlichen Grund. Ständig klingelt der Rauchalarm.

Die Mitarbeiter verlieren die Nerven, weisen sich gegenseitig die Schuld zu. Brandursache: Fehlanzeige. Der ohnmächtige Firmenchef ruft Lucadou, der Physik und Psychologie studiert hat, zum „Spukort“.


Myteriöse Brände in Celle

Erklärung: +

Beim klassischen Spukfall fliegen Gegenstände durch die Luft, es entstehen Brände, Wasserlachen, Geräusche ohne Ursache.

Vor Ort in Celle merkt Lucadou: „Einer kommt als Fokusperson in Frage.“
Die Brände wurden von der Person aufgrund eines psychischen Problems gelegt. Lucadou geht davon aus, dass manche Menschen unwissentlich ein Talent dafür haben, es um sich herum poltern zu lassen.

Das Prinzip ist das gleiche wie bei einer psychosomatischen Störung - mit dem Unterschied, dass die seelischen Probleme sich nicht im eigenen Körper manifestieren, sondern in der Umgebung.

Für Lucadou stellt dies keinen Widerspruch zu den logischen Gesetzen dar. Ihm zufolge laufen Spukfälle nach einem bestimmten Muster ab. Für den Physiker scheint damit alles geklärt – und doch bleibt das Phänomen für den Laien erstaunlich.

Fall 4: Ufos

Auf einem Kongress von Spiritisten fotografieren die Teilnehmen die Wolken. Ein Beteiligter meint in den Wolkenbildern seine verstorbenen Verwandten und Freunde wiederzuerkennen. Auch Ufos und mysteriöse Licht- oder Marienerscheinungen werden von solchen Spiritisten regelmäßig beobachtet.


Ein Ufo? Die Oma?

Erklärung: + / -

Halluzinationen werden unter bestimmten physikalischen Bedingungen vom Gehirn produziert. Aufgrund einer erhöhten elektromagnetischen Spannung im Erdinneren häufen sich daher an bestimmten Orten Lichterscheinungen. Die Gestaltwahrnehmung (siehe oben) sorgt durch so genannte „Suggestiveffekte“ dafür, dass wir diese Erscheinungen als Außerirdische oder Ufos interpretieren.

Es gibt allerdings auch Fälle, bei denen man einfach nicht feststellen kann, was sich hinter dem Phänomen verbirgt. In der „Ufoszene“ haben in circa 6 Prozent aller Fälle auch die Fachleute keine Erklärung.

„Das heißt natürlich nicht, dass es die grünen Männchen vom Mars waren. Trotzdem wissen wir es nicht. Das muss man akzeptieren“, sagt Lucadou.


6% aller Ufoerscheinungen sind ungeklärt

Fall 5: Hellsehen

Ein Arzt gerät an eine selbst ernannte Hellseherin, die ihn überzeugt hat, dass in wenigen Jahren ein Komet in Europa einschlagen wird. In Zwiegesprächen gewinnt sie sein Vertrauen, indem sie ihm sehr private Dinge aus seinem Leben erzählt, die sie gar nicht wissen kann. Sind hier übersinnliche Kräfte im Spiel?

Der Mann glaubt daran. Er gibt seine Praxis auf, überschreibt der Frau sämtliches Vermögen und folgt ihr nach Südamerika, wo sie eine Art spiritistischen Club Gleichgesinnter gründet. Mit deren Geld, versteht sich.


"Cold reading"

Erklärung: +

„Das Erstaunliche am Hellsehen: die Trefferquote ist extrem hoch, sobald sich das Hellsehen auf die Vergangenheit bezieht“, so Lucadou. Wenn jemand unbedingt wissen will, ob die Gegenübersitzende hellsehen kann, verrät er sich selbst durch unbewusste Körperreaktionen.

Aufgrund von nonverbaler Kommunikation, beispielsweise durch extrem feine Augen- oder Gesichtsreaktionen, schafft es die vermeintliche Hellseherin, ihrem Klienten alle gewünschten Informationen zu entlocken.

„Angeln“ oder auch „Cold reading“ nennt man diese Technik in Fachkreisen. Man kann diese Methode zwar lernen, aber manche Menschen haben eine ausgeprägte Begabung dafür.

„Wenn jemand das beherrscht, dann ist ein naiv denkender Mensch dem wirklich ausgeliefert“, sagt der Parapsychologe. „Ich habe mit dem Mann zwei Stunden geredet, ein hochintelligenter Mann, aber alles umsonst. Ich habe mit ihm sogar eine Wette abgeschlossen, dass der Komet nicht einschlägt. Die hab ich natürlich gewonnen. Von dem Mann habe ich trotzdem nichts mehr gehört."