Klimadebatte

Fünf junge Menschen aus Freiburg erzählen, wie sie über’s Fliegen denken

Anna Castro Kösel

Losfliegen, die Welt sehen oder Freunde und Familie besuchen: Wenn das doch nur nicht so viel CO2-Emissionen verursachen würde! fudder hat junge Freiburgerinnen und Freiburg gefragt, wie sie es mit dem Fliegen halten.

Jana Böhler, 19 Jahre, macht nach dem Abi ein Au-Pair in Australien

Italian Trulli

"Ich wollte schon ewig nach Australien, das war schon immer mein Wunsch. Deshalb war es für mich auch gar keine Frage, dass ich da nicht hinfliege. Mir war klar, anders komme ich da nicht. Klar, ich könnte auch per Schiff dorthin kommen, aber das wäre viel zu teuer und zu aufwändig, außerdem würde es viel zu lange dauern. Außerdem achte ich darauf, keine Kurzstreckenflüge zu buchen und ich fliege ja zum ersten Mal nach Australien".

Facundo Alvarez, 19 Jahre besucht nach dem Abi Südostasien

Italian Trulli

"Ja, ich fliege, ich gehe nach Thailand und Südostasien. Normalerweise fliege ich nicht gerne. Ein Aspekt ist aber die Bequemlichkeit. Müsste ich zum Beispiel sieben Stunden im Auto sitzen, würde ich wahrscheinlich doch eher fliegen. Der zweite Aspekt ist auch das Finanzielle, dass eine Reise nach Thailand bei Weitem schneller, bequemer und kostengünstiger ist. Ich versuche zwar, durch meinen Lebensstil darauf zu achten weniger CO2 auszustoßen, möchte mir aber trotzdem nicht die Möglichkeit nehmen lassen, Asien kennen zu lernen."

Sophia Kilian, 21 Jahre, studiert Mikrosystemtechnik und ging auf eine internationale Schule

Italian Trulli

"Ich war zwei Jahre auf einer internationalen Schule, das heißt, meine Freunde leben zu 90 Prozent im Ausland. Mein bester Freund ist aus Pakistan, studiert gerade in London. Ich würde ihn gern besuchen, müsste aber fliegen, weil ich nicht das Geld für Bus und Bahn habe. Ich werde ihn daher wohl nicht besuchen, weil ich Kurzstreckenflüge schwachsinnig finde. Ich habe in den USA studiert, wo Fliegen einen sehr hohen Stellenwert einnimmt, weil sogar Städte zu weit von einander entfernt sind. Als das Thema Klimaschutz noch nicht so im Mittelpunkt stand, habe ich mir oft gedacht, ist doof, dass ich fliege, ich kann's aber nicht ändern. Mittlerweile versuche ich, Flüge zu vermeiden und wenn es sich nicht vermeiden lässt, kompensiere ich über atmosfair."

Marius Metz, 24, studiert Humanmedizin und buchte einen Kurzstreckenflug nach Madrid, um eine Freundin in Salamanca zu besuchen

Italian Trulli

"Ich habe einen Kurzstreckenflug von Basel nach Madrid gebucht, um dann weiter nach Salamanca zu kommen. Davor habe ich lange darüber nachgegrübelt, ob es auch anders geht. Auf Atmosfair habe ich nachgeschaut, wie viel CO2 meine Reise ausstößt: 710 Kilo CO2. Mit dem Auto würde die Reise um die 500 Kilo CO2 ausstoßen. Ich dachte, dass ich, weil ich Zeit hatte, die 14- stündige Autofahrt schaffe – jedoch hatte ich nicht das Benzin- und Mautgeld berücksichtigt. Für den Flug habe ich 128 Euro bezahlt und fliege in zwei Stunden nach Madrid. Insgesamt dauert es von Freiburg acht Stunden nach Salamanca. Mit Flixbus kommt man mit 30 Euro günstig bis Barcelona– die Reise bis dahin dauert aber 22 Stunden und man hat immer noch die Hälfte vor sich. Mit Interrail hätte es circa 25 Stunden gedauert – mit fünfmal Umsteigen."

Moritz Schmidt, 16 Jahre, machte nach seinem Realabschluss eine Reise mit dem Eurostarzug

Italian Trulli

"Ich wollte nach meinem Abschluss reisen – fliegen kam für mich aus ökologischen Gründen aber auf keinen Fall in Frage. Deswegen habe ich ein Interrail- Zug-Ticket gebucht, mit dem ich viele Orte in Europa anschauen konnte. Ich habe in Jugendherbergen übernachtet und dadurch viele neue Menschen kennengelernt. Ich bin von Interrail absolut begeistert. Meiner Meinung nach ziehen viele Menschen nicht die Alternativen zu weit entfernten und in den sozialen Medien ’hippen’ Orten in Erwägung. Es gibt so viele Orte, die man unbedingt kennenlernen sollte, und für die man nicht fliegen muss. Nach China kann man aber auch mit der Transsibirischen Eisenbahn fahren. Klar, dafür braucht man Zeit, aber dafür hat man dann ein einzigartiges Reiseerlebnis."

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