Landgericht Freiburg

Fünf Jahre Jugendstrafe für 21-Jährigen wegen Sexualdelikten in Freiburg und Bad Krozingen

Carolin Buchheim (aktualisiert um 20.05 Uhr)

Das Landgericht Freiburg hat einen geständigen 21-Jährigen wegen Vergewaltigung und schwerer sexueller Nötigung zu fünf Jahren Jugendstrafe verurteilt. Vermutlich hat der Mann eine weitere Tat in Bad Krozingen begangen.

Fünf Jahre Jugendstrafe lautet das Urteil des Landgericht Freiburg als Jugendkammer für einen 21-Jährigen Mann wegen zweier Sexualdelikte in Südbaden.

Brutale Vergewaltigung in Bad Krozingen

Der Asylbewerber gestand bei Prozessbeginn am Dienstag in einem durch seinen Pflichtverteidiger Michael Markert verlesenen Aussage die Vergewaltigung einer 55-Jährigen in Bad Krozingen. Am 12. Juni vergangenen Jahres war der Mann seinem späteren Opfer auf dem Heimweg vom Bahnhof durch den Kurpark gefolgt. Nachdem er die Frau mit "Hey Du, ich will Liebe" angesprochen hatte, versuchte sie zu fliehen. Er überwältigte die Frau jedoch kurz vor ihrem Zuhause, einer betreuten Wohneinrichtung, und vergewaltigte sie brutal auf dem Gehweg.

Der Mann unterbrach seine Tat lediglich kurz, um aus dem Rucksack der Frau zehn Euro zu stehlen, und würgte sein Opfer so stark, dass sie Todesangst hatte, bis sie sich befreien und nach Hause flüchten konnte.

Gewalttätiger Angriff auf einer Clubtoilette in Freiburg

Außerdem gab er zu, drei Wochen später eine 28-Jährige in Freiburg attackiert zu haben. Am frühen Morgen des 2. Juli war der Täter seinem Opfer auf die Damentoilette des Clubs "White Rabbit" in der Freiburger Innenstadt gefolgt und hatte sich hinter ihr in die Kabine gedrängt. Dort würgte er sie und bedrohte sie mit einer Schere, um den Geschlechtsakt zu erzwingen. Auch hier litt das Opfer an Todesangst. Der Vollzug der Tat wurde nur verhindert, weil eine andere junge Frau die Toilette betrat und die Tat bemerkte. Sie holte weitere Clubbesucher zur Hilfe; diese konnten den Täter festhalten, bis die Polizei kam.

Die ins Protokoll aufgenommenen Aussagen der Opfer und DNA-Spuren belegten die Taten zudem. In Bad Krozingen hatte der Mann persönliche Gegenstände zurückgelassen, auch an der Unterwäsche des Opfers fand sich verwertbares Spurenmaterial. Nach seiner Festnahme in Freiburg konnte der DNA-Abgleich erbracht werden.

DNA-Spuren deuten auf eine weitere Vergewaltigung im Kurpark hin

Zu Beginn der Verhandlung präsentiere Staatsanwältin Nikola Nowak die überraschende Nachricht, dass der Mann wohl auch der Täter einer weiteren mutmaßlichen Vergewaltigung im Bad Krozinger Kurpark ist. Wenige Tage nach der ersten Tat hatte ein Zeuge bei strömendem Regen einen gewaltsamen Geschlechtsakt auf einer Wiese beobachtet. Der Zeuge ging dazwischen, doch sowohl Täter als auch Opfer verließen den Tatort. Der Täter ließ auch hier Kleidungsstücke zurück, an denen seine DNA gefunden wurde.

Mit gesenktem Kopf und den Händen in Handschellen saß der 21-jährige Täter weitgehend unbeeindruckt und seinem Übersetzer zugewandt auf der Anklagebank. Er stammt aus Gambia, kam im Oktober 2015 über Italien nach Deutschland und war seit Mai 2016 in einer Gemeinschaftsunterkunft in Bad Krozingen untergebracht. Erst als Staatsanwältin Nowak eine Gesamtstrafe von acht Jahren und anschließende Sicherungsverwahrung forderte, zeigte er eine Regung.

Opfer leiden noch immer unter den Folgen der Tat

Die kommentierte Claudia Oertel, Vertreterin der Nebenklägerin aus Freiburg in ihrem Plädoyer: "Da hat er das erste Mal gemerkt, dass das, was er getan hat, so hart bestraft wird." Die Kammer unter dem Vorsitz von Stefan Bürgerlin entschied sich jedoch, den Angeklagten nach Jugendstrafrecht zu verurteilen. Zur Tatzeit war er 20 Jahre alt, ein Altersgutachten hatte das bestätigt. "Wie es mit Ihnen weitergeht, weiß niemand", sagte Bürgerlin in der Urteilsverkündung. "Lernen Sie in der Haft Deutsch. Machen Sie eine Ausbildung, die Ihnen im weiteren Leben hilft, egal wo das sein wird."

Beide Opfer leiden massiv unter den Folgen der Taten. "Es gab ein Leben vor der Tat und es gibt eins nach der Tat", sagte Claudia Meng, Vertreterin der Nebenklägerin aus Bad Krozingen. "Das nach der Tat wird für immer anders sein."

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Auf den Mann kommen jetzt noch weitere Verfahren zu. In der JVA Freiburg hatte er im Dezember ein Feuer in seiner Zelle gelegt, in der sein Mithäftling schlief. Die Staatsanwaltschaft erwägt die Anklage wegen versuchten Mordes.

Die Staatsanwaltschaft hatte den 21-Jährigen zunächst noch wegen einer versuchten Vergewaltigung in der Freiburger Innenstadt im Oktober 2015 angeklagt. Hier wurde das Hauptverfahren jedoch wegen nicht hinreichender Verurteilungswahrscheinlichkeit nicht eröffnet. In seinem Statement zu Prozessbeginn gab der Angeklagte an, zum Tatzeitpunkt noch nicht in Südbaden gewesen zu sein.

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