Klassik

Fünf Gründe, warum man ein Konzert des Freiburger Studierenden-Orchesters besuchen sollte

Louisa Flach

Das Freiburger Studierenden-Orchesters ist nicht irgendein Orchester. Man merkt ihm die Begeisterung an. fudder erklärt dir, wieso es sich lohnt, dem Orchester unter der Leitung von Gunnar Persicke zu lauschen.



1. Ungewohnte Klänge für die Ohren des Publikums

Denkt man an Komponisten wie Berg und Webern, schießen einem in der Schule gelernte Begriffe wie "Zwölftontechnik" oder "Atonalität" in den Kopf. Diese Gedanken sind für gewöhnlich direkt verknüpft mit ungewöhnlichen Klängen, zu denen man schwer Zugang finden mag. Kompositionstechniken, um die man gerne einen Bogen macht.
Umso beeindruckender, dass es das Freiburger Studierenden-Orchesters (FSO) schafft, dem Zuhörenden die Chance zu geben, der Idee der Kompositionen zu lauschen, sodass die Stücke die Möglichkeit bekommen, sich als Kunst zu präsentieren.

2. Die harmonische Stimmung im Orchester ist mitreißend

Man muss dem Umgang der Spielenden miteinander und mit dem Dirigenten nicht lange beiwohnen, um zu bemerken, dass sich alle Beteiligten gut verstehen und abgestimmt zusammenarbeiten. Ein fundamental wichtiger Baustein für ein gelungenes Konzert. Mit großer Hingabe vereint das Orchester Anspruch und Ehrgeiz in diesem Konzert.
Man spürt die Bindung zwischen Gunnar Persicke und dem FSO deutlich. Dass ein Dirigent sagt, er werde sein Orchester in den Semesterferien vermissen, ist keinesfalls gewöhnlich. Nach dem Beenden des gelungenen Konzerts lässt der Dirigent als Bestätigung für einwandfreie Arbeit jedes Register einzeln aufstehen und den Applaus genießen.

3. Die Kombination aus Poesie und Musik ist spannend

Die 7 frühen Lieder von Alban Berg kombinieren lyrische Texte von bekannten Autoren der Kunstgeschichte. Dabei fallen geläufige Namen von Rainer Maria Rilke, Theodor Storm und vielen mehr. Als der Komponist die ausschlaggebenden Formulierungen vertonte, war er selbst noch im Alter eines Schülers. Für heutige Ohren ist darin allerdings keine Spur von jugendlicher Lebensfreude und von zartem Leichtsinn zu finden. Widmet man sich dieser Komposition, sollte man sich auf das Arrangement aus Einsamkeit, Sehnsucht und vergangener Liebe einstellen.

4. Gleicher Lehrer, große Unterschiede bei den Schülern

Auch wenn Anton Webern und Alban Berg ihre Ausbildung bei dem gleichen Lehrmeister genossen haben, mangelt es am Abend des Semesterkonzerts keinesfalls an Abwechslung. Von bitterernst, über sehnsüchtig und hoffnungsvoll – für die Zuhörenden von allem was dabei. Nicht zuletzt Brahms Klavierquartett schafft es, heitere und beschwingte Passagen in den Abend einzubauen. Melancholisch einsame, dunkle Melodien werden von tänzerischer Stimmung voller Freude abgelöst. Viel Zeit für Sekundenschlaf bleibt einem dabei nicht.

5. Die pompös anmutende Kleidung

Die Solistin Katharina Persicke betritt die Bühne in einem auffallend glitzernden Kleid. Dieser Auftritt lässt einen kurz vergessen, dass man sich in Freiburg und nicht auf einer Opernbühne dieser Welt befindet. Eindrucksvoll beweist sie, wie eine einzelne Stimme gegen ein klanggewaltiges, etwa 70 Personen starkes Orchester erfolgreich ansingen kann.
Während dieses Auftritts gelingt es der Sopransolistin die mysteriöse Stimmung der sieben frühen Lieder zum einzelnen Zuhörer zu transportieren.

Warum sollte man sich also an einem Freitagabend ein klassisches Konzert geben?

Davon abgesehen, dass es Freude bereitet, den Studierenden und dem Dirigenten dabei zuzusehen, wie sie stolz und mit Spaß die Stücke vorspielen, die sie ein ganzes Semester geprobt haben, ist es interessant den eigenen Ohren zur Abwechslung ungewohnte Klangkombinationen zuzutrauen.
Kultureller Spaß für dreizehn Euro, acht Euro für Studierende – das ist insgesamt wirklich lohnenswert.

fudder hat das Semesterabschlusskonzert am vergangenen Freitag besucht. Das nächste Semesterabschlusskonzert zum Sommersemester 2019 findet am 21. Juli 2019 statt. Alle Termine findest du auf der Website des FSO.

Mehr zum Thema: