Fünf Antworten: Wie es ist, bei der Papstmesse im Chor zu singen

Martin Jost

Sechs Chöre gestalteten die heilige Messe mit Papst Benedikt XVI. am Sonntag in Freiburg musikalisch mit - insgesamt fast 400 Sängerinnen und Sänger. Eine von ihnen war Claudia Bozzaro. Wie die 31-Jährige den Gottesdienst von der Bühne aus erlebt hat:



Und? Wie war’s?

Schön! Unser Auftritt heute war für mich allerdings nicht besonders aufregend, denn ich war schon mehrmals mit dem Chor auf so großen Events. Sogar auf einem Weltjugendtag mit dem alten Papst. So von Ferne sehen sich Päpste schon ziemlich ähnlich! Was mich aber am allermeisten beeindruckt hat: dass 100.000 Leute tatsächlich alle zusammen schweigen können.

Ist man vor so einem großen Auftritt extrem aufgeregt?

Nicht, wenn man am Tag danach seine Disputatio hat. Ich verteidige am Montag meine Doktorarbeit. Davor bin ich aufgeregt. Wegen des Singens war ich nur gestern ein bisschen nervös.

Wie viel Probenarbeit steckt in so einem wichtigen Auftritt?

Wir arbeiten ja die ganze Zeit an unserem Repertoire und proben immer für mehrere Sachen gleichzeitig. Das heutige Programm haben wir im Prinzip seit Juni regelmäßig geprobt. In der letzten Woche haben wir eben viermal geprobt statt wie normal einmal in der Woche. Gestern in der Generalprobe bin ich schier gestorben. Es war zu einer anderen Tageszeit als die heutige Messe und ich stand in der Knallsonne. Heute zum Glück mehr im Schatten. Wir waren ja relativ dick angezogen. Wir mussten um fünf Uhr raus, als es noch kühl war, um uns nach Anfahrt und Personenkontrollen pünktlich um acht Uhr einsingen zu können.

 

 

Ist dir das Erleben eines solchen Gottesdienstes wichtig?

Ich war ja eigentlich wegen des Singens da. Aber doch, ja, ich wäre wahrscheinlich auch zu dieser Messe gekommen, wenn ich nicht im Chor sänge. Eins hätte ich mir nur gewünscht: Dass der Papst noch kurz zu uns gekommen wäre.

Aber ich hatte schon ein ernüchterndes Erlebnis in der Richtung, als ich acht Jahre alt war. Meine Eltern waren mit mir in Rom und entschieden spontan, für uns Tickets für eine Papstaudienz zu holen. In meiner Vorstellung von einer Audienz wären meine Eltern und ich allein in das Büro des Papstes gegangen und er hätte einige Minuten mit uns gesprochen. Ich machte mir viele Gedanken, was ich zum Papst sagen würde. In Wirklichkeit waren wir in einem riesigen Raum voller Menschen und jemand zeigte mir: dieser weiße Punkt dort hinten, das ist der Papst. Da habe ich begriffen, dass man ihm einfach nicht näher kommt als das.

Was machst du heute noch?

Ich drucke Thesenpapiere für meine Disputatio am Montag aus und gehe meinen Vortrag noch einmal durch. Danach werde ich chillen und einen saucoolen Film schauen: 'Wilde Erdbeeren' von Ingmar Bergman.

 

Zur Person

Die 31-jährige Claudia Bozzaro ist Wissenschaftliche Mitarbeiterin im Institut für Ethik und Geschichte der Medizin an der Universität Freiburg. Seit drei Jahren singt sie erste Sopranstimme in der Freiburger Domkapelle. Mit dem Singen angefangen hat sie als sie "zwölf oder 13 war."

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