Fünf Antworten: Warum es am Samstag im Crash ein Benefizkonzert für die Straßenschule gibt

David Weigend

Am Samstag steigt im Crash ein Benefizkonzert zugunsten der Freiburger Straßenschule. Magdalena Wolf (Straßenschule) und Mario Held (Crash) sprechen darüber, wie sie den jungen Wohnungslosen der Stadt helfen wollen.



Mario, welchen Bezug hast du zu jungen Leuten, die keine Wohnung haben?

Mario Held: Jung bin ich zwar nicht mehr, aber ich suche selber gerade eine Wohnung. Und ich merke, wie schwer das ist, wenn man sich optisch ein wenig unterscheidet von, sagen wir mal, einem Angestellten der Sparkasse. Aber Spaß beiseite. Das Crash ist traditionell Treffpunkt für Wohnungssuchende. Zur Zeit zählen sechs Leute zu unseren Stammgästen, die keine Wohnung haben. Die schlafen draußen. Im Sommer und im Winter. Ich finde das schlimm. Ich spreche mit ihnen viel darüber und höre ihnen zu. Es muss Anlaufpunkte geben für Wohnungslose. Einen Hafen für Menschen, die schlecht dastehen. Sowohl finanziell, als auch sozial. Die Straßenschule ist so ein Anlaufpunkt. Finde ich super. Es müsste mehr davon zu geben. Die Stadt macht da zu wenig, finde ich.

Von welchen Problemen erzählen dir die Leute, mit denen du sprichst?


Mario:
Sie haben oft Ärger mit diversen Ämtern, die ihnen kein Geld mehr zahlen wollen. Überhaupt fühlen sich viele, die auf der Straße leben, von den Behörden übergangen oder nicht richtig verstanden, bei ihnen kommt die Botschaft an: „Ihr gehört hier nicht hin.“ Daraus erwächst eine bestimmte Trotzhaltung: „Ich schaff' das schon selber.“ Aber vielleicht tragen wir mit solchen Aktionen dazu bei, dass die Leute Hilfe annehmen. Denn das ist wichtig.

Magdalena, wieviele junge Menschen ohne Wohnung gibt es derzeit in Freiburg?

Magdalena Wolf: Schwer zu sagen, weil sich die Leute ja nirgendwo registrieren. Vielen siehst du es auch gar nicht an. Aber vergangenes Jahr hatten wir mit mehr als 200 jungen Menschen Kontakt, die entweder wohnungslos sind oder sich zur Straße hin orientieren.

Wie versucht ihr, ihnen zu helfen?

Magdalena: Wir wollen die Leute erstmal in ihrer Situation akzeptieren, ihre Persönlichkeit stärken. Die meisten haben das Ziel, sich wieder eine Wohnung und einen Job zu suchen. Dabei begleiten wir sie. Wir formulieren mit ihnen Inserate für die Anzeigenblätter und schauen, dass sie sich in städtische Wohnungssucherdateien eintragen. Wir sagen ihnen, was bei Wohnungsbesichtigungen wichtig ist. Und wir vernetzen uns mit Maklern, um für Verständnis zu werben.

Wie tretet ihr mit den Menschen, denen ihr helfen wollt, in Kontakt?

Magdalena: Man muss auf die Leute zugehen, anstatt zu erwarten, dass sie zu uns kommen. Beziehungsarbeit ist sehr wichtig und braucht viel Zeit. Jeden Dienstag zum Beispiel stehen wir mit unserem Streetmobil vor dem Stadttheater. Wir haben eine Anlaufstelle mit integrierter Kunstgalerie. Und ein Wohnprojekt in der Schwarzwaldstraße mit sieben Plätzen. Das Interesse ist riesig, wir könnten locker noch weitere Wohngruppen gründen. Aber das kostet natürlich alles Geld und der Zuschuss, den wir von der Stadt bekommen, ist begrenzt. Deshalb freuen wir uns auch sehr darüber, dass dieses Benefizkonzert zustande kommt.

Mehr dazu:


Was:
Straßenschule-Benefizkonzert mit Twice a Day (CD-Release),True Punch und Casually Dressed
Wann: Samstag, 2. Juni 2012, 21 Uhr
Wo: Crash, Schnewlinstraße 7
Eintritt: 7 Euro (zugunsten der Straßenschule Freiburg)