Führerschein mit 17: Ein Jahr Autofahren mit Aufsichtsperson

Fabienne Hurst

Seit dem 1. Januar 2011 ist es in ganz Deutschland möglich, bereits mit 17 Jahren die Fahrerlaubnis zu erhalten. Im ersten Jahr dürfen die Fahranfänger jedoch nur mit einer Begleitperson hinters Steuer. Warum die neue Regelung aber nicht nur für die Neu-Autofahrer gut ist:



Mareike Meyer schaut in den Rückspiegel. Der Gurt ist umgeschnallt, die Außenspiegel sind eingestellt. Noch ein kurzer Schulterblick – und sie kann ausparken. Mareike ist aufgeregt, ihre Hände zittern: „Heute geht es auf die Autobahn“, hat Fahrlehrer Roland Adler verkündet.


Mareike ist siebzehn und will in ein paar Wochen ihre Führerscheinprüfung bestehen. Dann bekommt sie zwar nur einen großen, rosaroten Ausweis (Bild unten links), der sie noch nicht allein hinters Steuer lässt. Aber sie darf mit einer Begleitperson auf dem Beifahrersitz fahren, bis sie volljährig ist. „Ich wollte gerne so früh wie möglich den Führerschein machen, bevor der Stress in der Schule losgeht“, erklärt die Gymnasiastin.

Begleitetes Fahren ab 17, kurz BF 17, wurde drei Jahre im Modellversuch erprobt und wird jetzt in Baden-Württemberg zum Dauerrecht. „Wir sind da ziemlich spät“, sagt Fahrlehrer Adler, „andere Bundesländer machen das schon lange.“ Roland Adler hält die Neuerung für sehr sinnvoll. „Wir haben in der Probephase sehr gute Erfahrungen gemacht. Es macht viel aus, wenn den jungen Fahrern ein Jahr lang ein Begleiter auf die Finger schaut. Sie fahren einfach vorsichtiger und sammeln wertvolle Erfahrung in der Fahrpraxis.“



Laut Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände verschulden junge Fahranfänger dank der Begleitphase bis zu 20 Prozent weniger Unfälle. Peter Tschöpe vom Fahrlehrerverband reicht das nicht: "Eigentlich müssten alle Fahranfänger verpflichtet werden, ein Jahr begleitet zu fahren," sagt er. Erst dann könnten die vielen Unfälle verringert werden.

Ein Schüler von Roland Adler war Moritz Wissert aus Balingen. Er hat im Rahmen des Modellversuchs nicht nur seinen Autoführerschein mit 17 gemacht, sondern gleich noch den Anhänger- und Motorradschein dazu. „Ich halte diese Regelung für eine tolle Sache“, sagt Moritz. „Man ist einfach sicherer, wenn man noch ein Jahr lang üben kann. Natürlich darf man nicht auf stur schalten und muss sich auch mal was sagen lassen. Ich lasse mir gerne helfen.“ Aber fährt man tatsächlich auch viel Auto, wenn immer jemand dabei sein muss? „Ich habe die Möglichkeit so oft genutzt wie es ging. Wenn wir in den Urlaub gefahren sind, war ich zum Beispiel bis zur Grenze am Steuer, da der Schein ja nur in Deutschland gilt. Aber für meine Eltern war das schon eine Entlastung.“ Attraktiv sei für ihn auch die Aussicht gewesen, bereits mit 19 aus der Probezeit heraus zu sein.

Nach Angaben des Fahrlehrerverbandes nehmen im Bundesdurchschnitt nur 30 Prozent der 17-Jährigen das Angebot wahr. Oft fehle das Geld, so der Verband. Moritz Wissert hat das einkalkuliert. „Ich habe früh angefangen zu arbeiten und für den Führerschein zu sparen“, erzählt er. „Als ich dann genug Geld hatte, dachte ich mir: Billiger wird’s nicht. Da kam mir das Fahren ab 17 sehr gelegen. Außerdem hatte ich damals auch noch genug Zeit.“

Wer sich für begleitetes Fahren anmelden will, kann dies ab 16 Jahren und sechs Monaten tun, sollte aber ein paar Regeln beachten:

  • Er muss bei der Fahrerlaubnisbehörde mindestens eine Begleitperson eintragen lassen.
  • Die Person muss mindestens 30 Jahre alt sein und mindestens seit fünf Jahren im Besitz eines Führerscheins sein. „Man kann also nicht einfach den 23-jährigen Kumpel eintragen lassen“, sagt Fahrlehrer Adler.
  • Zudem muss der Begleiter die 0,5 Promilleregelung beachten, darf nicht unter der Wirkung von Rauschmitteln stehen und in Flensburg nicht mehr als 3 Punkte haben.
  • Man kann beliebig viele Begleitpersonen eintragen lassen, sofern sie die Bedingung erfüllen und die Erziehungsberechtigten zustimmen.
  • Für die erste Person kostet die Ausfertigung des Scheins 7,70 €, für ihre Überprüfung kommen 1,50€ bis 10€ hinzu.
Mareike hat es problemlos über die Autobahn geschafft. Roland Adler ist zufrieden: „Wenn das so weiter geht, kannst du dich bald nur noch auf dein Abi konzentrieren.“

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[Bild 1: Fabienne Hurst, Bild 2: BZ]