fudders Wahlplakate-Check 2013

Mark Burow

Seit Wochen hängen sie in der ganzen Stadt: Wahlplakate mit den Gesichtern der Kandidaten und den Sprüchen ihrer Partei. Der Freiburger Designer Mark Burow hat sie für uns einem professionellen Check unterzogen - in den Kategorien Fotografie, Typografie, Farbgestaltung und Wiedererkennung.



CDU



Während Matern von Marschall dem Wähler vor fade-beigefarbenem Hintergrund etwas distanziert entgegenblinzelt, hat die CDU für ihr "Angie"-Plakat einen Schnappschuss mit mehr Tiefe und Lebendigkeit ausgesucht.


Insgesamt fehlt es dem CDU-Bildkonzept aber an Lebendigkeit und Frische. Das Erscheinungbild ist zudem gewöhnungsbedürftig. Auch wenn mit dem Wechsel der Hausschrift von Helvetica zu Skopex laut Parteihandbuch ein warmes Image betont werden soll, scheint der Umgang mit dieser Schriftart bei ihrer Agentur noch nicht ganz angekommen: Die merkwürdige Spationierung, also der Abstand zwischen den Buchstaben, wirkt auf den großen Plakaten wenig professionell.

Fast biblisch reicht uns von Marschall außerdem einen Apfel – ob er jedoch erwartet, dass die geneigten Wähler tatsächlich den abgedruckten QR-Code einscannen, um mehr über ihn (und seinen Apfel) zu erfahren? Es bleibt unklar.

Piraten-Partei



Lebendiger, aber nicht unbedingt besser geht es bei den Piraten zu. Hier muss sich der Wähler gleich an zwei komplett verschiedene Erscheinungbilder gewöhnen. Die Fotos sind sehr unterschiedlich in Perspektive und Schärfe und vermutlich von verschiedenen Fotografen – was aber wohl auch Prinzip ist, denn alle Plakate wurden von Piraten selbst gestaltet. Etwas mehr Einheitlichkeit würde hier dennoch helfen.

Und obwohl sie zum Teil gut gestaltet sind, muss man bei so manchem Piratenplakat an das Teenie-Magazin Bravo denken: Bunt hinterlegte Headlines in kräftigen Schriftschnitten sollen wohl Jung- beziehungsweise Erstwähler mobilisieren.

SPD



Gernot Erler blickt uns auch in dieser Legislaturperiode kernig und mit stimmigem Bildausschnitt scheinbar alterslos entgegen. Die Gestaltung zeigt, dass das aktuell viel diskutierte "Flat Design" auch den Wahlplakaten gut steht. Während bereits vor geraumer Zeit das 3-D-Würfel-Logo wieder abgeschafft sowie das Farbspektrum durch Purpur ergänzt wurde, setzt man hier auf einen modernen Look ohne Schatten und Effekte.

Stattdessen prägt ein moderner Farbverlauf das eigenständige SPD-Design. Überzeugend ist auch die zeitlos-moderne Hausschrift TheSans. Im Gegensatz zu den Plakaten von Grünen, Linken und FDP wurde endlich einmal darauf verzichtet, nicht-kursive Schriften schräg zu stellen. Die gewählte Kombination aus Bold und kursiv im Slogan "Das Wir entscheidet" zeugt stattdessen von typografischem Gespür.

Fazit: Die Plakate der SPD überraschen positiv.

Die Grünen



Kerstin Andreae punktet auf gleich zwei verschiedenen Plakaten mit ihrem erfrischenden Lächeln, einer nicht überzeichneten Bildschärfe sowie dynamischen Mischung aus Portrait und Schnappschuss.

Der graue Hintergrund in Schwammtechnik macht diesen positiven Look jedoch teilweise wieder zunichte und sieht leider aus wie aus dem OBI-Baumarkt. Schön zeigen die Plakate der Grünen allerdings, dass gute Wiedererkennung - auf Neudeutsch: Branding - nicht zwingend großflächigen Logoeinsatz bedeutet: Hier wurde komplett auf das bekannte Sonnenblumen-Logo sowie den Parteinamen "Bündnis 90/Die Grünen" verzichtet.

Dennoch: Verwechslungsgefahr besteht keine. Witzig ist auch die URL http://www.kerstin-direkt.de die irgendwie nach einer Online-Versicherung klingt. So was merkt man sich doch gern!

Die Linke



Tobias Pflüger von der Linken wirkt vor dem weißen Hintergrund seines Plakats dank der unbearbeiteten Amateur-Fotografie zunächst wie direkt aus dem Solarium – und leider sieht auch das Plakat selbst aus wie schnell im Copyshop zusammengestellt.

Zu viel drauf und ohne Spannung im Layout passt es nicht ganz zum typografischen Themenplakat der Linken. Das wiederum kann sich mit seinem reduzierten Aufbau durchaus sehen lassen. Hier wird Tacheles gesprochen und alles Unnötige weggelassen.

Die gestalterische Nähe zur Bild-Zeitung mag ungewollt sein, lässt sich jedoch bei der Farb-Kombi Rot-Weiß-Schwarz nur schwer vermeiden. Grafisch gibt's daran jedoch nichts auszusetzen.

FDP



Solariumbesuche möchte man Sascha Fiek von der FDP nicht unterstellen, wirkt er doch vor seiner abendlichen, unscharfen Wald- und Wiesen-Kulisse eher bleich wie ein Nachtarbeiter. Auch sein freundliches Lächeln rettet ihn nicht darüber hinweg. Ihm hätte zudem eine größere Brennweite und ein anderer Bildausschnitt gut gestanden.

Das größere Problem in der Wahl-Kommunikation der FDP stellt aber das Erscheinungbild der Partei dar: Recht unschlüssig wirken die Plakataufteilung und Platzierung der Text-Inhalte, fragwürdig ist der Gebrauch von Punkt- und Ausrufezeichen. Wirklich gar nicht mehr zeitgemäß sind zudem die grafischen Schatten und 3-D-Effekte im Logo. Alles in allem wenig überzeugend.

Zum Autor

Mark Burow, Jahrgang 1975, Designer aus Freiburg, mittlerweile als Kreativer bei Namics in Zürich tätig. Daneben gemeinsam mit dem Freiburger DJ Shaddy Betreiber des Plattenlabels Foul & Sunk.

Mehr dazu:

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