fudders Studiengang-Check: Psychologie

Claudia Förster

Jeder Jurist ist ein Schnösel, jede Psycholgie-Studentin hat einen Knacks: Vorurteile über Studierende gibt es viele. fudder erklärt, womit sich Freiburger Studiengänge wirklich beschäftigen und was an den Klischees dran ist. Heute: Psychologie.

Worum geht’s?

Psychologie ist die empirische Wissenschaft vom menschlichen Erleben und Verhalten. Im Studium beschäftigen wir uns – im Gegensatz zur oft gängigen Annahme – größtenteils mit "normalen" Menschen: Wie nehmen sie wahr, wie verhalten sie sich in sozialen Situationen? Welche biologischen Prozesse liegen dem Denken zugrunde?

Dazu gibt’s allerhand Methodenlehre: Wie geht man beim wissenschaftlichen Forschen vor? Statistik bis zum Gehtnichtmehr, gefolgt von Diagnostik, der Konstruktion psychologischer Tests und dem Planen von Experimenten – in Freiburg besteht das Studium zu mehr als der Hälfte aus Methodenfächern.

Die Anwendungsfächer konzentrieren sich dagegen auf Pädagogik oder Rehabilitation, nur im Teilbereich der klinischen Psychologie befassen wir uns mit dem berühmt-berüchtigten Teil: den psychischen Störungen.

Gender-Check

80 bis 90 Prozent sind weiblich, die Männer sind also deutlich in der Unterzahl.

Ein Vorurteil, das völlig erfunden ist

Du hast gerade gestottert? Ganz klar ein Kindheitstrauma. Dein Albtraum von heute Nacht? Bestimmt ein Vaterkomplex! Du isst gern Schokolade? Ein klares Indiz für pränatale Bindungsängste. Ja nee, ist klar. Das Vorurteil, dass Psychologen Gedanken lesen und ständig an allen herumanalysieren, ist schlicht und ergreifend falsch. Vielleicht könnte man eine durchschnittlich wahrscheinliche Reaktion oder ein Gruppenphänomen erahnen, aber die Psyche eines Menschen ist so tiefgründig und individuell wie sein Fingerabdruck. Außerdem wenden wir eventuelles Hintergrundwissen nicht ständig im Alltag an – ihr könnt in unserer Anwesenheit also getrost denken, was ihr wollt.

Ein Vorurteil, an dem was dran ist

"Psychologen brauchen doch selber eine Therapie", bekommt man oft zu hören. Ja, das mag teilweise stimmen – trifft aber auf den Rest der Gesellschaft genauso zu. Bei dem Thema sollte man sich in Erinnerung rufen, dass psychische Erkrankungen immer noch stigmatisiert und verschwiegen werden, obwohl ein Drittel aller Deutschen unter einer psychischen Störung leiden – das hat eine Studie von Psychologen der TU Dresden gezeigt. Vielleicht sind ja in allen Studiengängen gleich viele Leute in therapeutischer Behandlung – aber betroffene Psychologiestudierende trauen sich eher, darüber zu sprechen.

Zudem findet sich hier eine Ansammlung von Leuten, die sehr sensibel für Zwischenmenschliches sind – was bei angehenden Psychologen eine herausragende und wichtige Qualität ist. Doch wer sensibel ist, der ist nun mal auch etwas gefährdeter, psychisch zu erkranken. Vielleicht könnte es deshalb tatsächlich sein, dass in diesem Studiengang ein wenig mehr Leute eine Therapie in Anspruch nehmen als anderswo. Und wenn schon: Therapien sollten schließlich genauso akzeptiert und als hilfreich betrachtet werden wie ein Besuch beim Hausarzt – Schluss also bitte mit diesem negativen Urteil.

Der beliebteste Spruch

"Du studierst Psychologie? Ohje, dann muss ich jetzt aufpassen, was ich sage!" Achja. Immer wieder dieser verstaubte Spruch, von dem jeder denkt, er sei super gelungen und originell. Siehe oben: Nein, wir können keine Gedanken lesen und analysieren auch nicht alles, was ihr tut.

Warum man Psychologie studieren sollte

Psychologie ist eine spannende Mischung aus Natur- und Geisteswissenschaft, aus akkuraten Methoden und Menschlichkeit. Dieser Mix hilft, offen für verschiedene Sichtweisen zu bleiben und verschafft spannende Einblicke in die Pädagogik, Medizin und Soziologie. Als Psychologe kann man nach dem Studium in den vielfältigsten Bereichen arbeiten, zum Beispiel im Personalmanagement, in Beratungsstellen (z.B. für Berufsfindung), in der Umwelt- oder Verkehrspsychologie, bei Gericht, in der Forschung oder – wenn man die entsprechende dreijährige Ausbildung macht – in der Psychotherapie.

Das nervt

Der Notendruck! Stellt euch vor, man nimmt alle perfektionistischen Einserschüler und steckt sie in einen Topf. Von diesem sucht man sich wiederum die mit den besten Abschlüssen aus, wahlweise (wie in Freiburg) sogar nur die mit 1,3 und besser. Und denen gibt man einen Masterplatz. Genau, das bedeutet Krieg – und ist leider Realität. In Deutschland gibt es viel zu wenige Masterplätze für die Anzahl an Bachelor-Studierenden, deshalb herrscht bereits im Bachelor ein krasser Notendruck. Und das unter lauter ehrgeizigen Menschen, die alle um die raren Masterplätze konkurrieren. Die 1,0 ist stets das Ziel, also ist lernen, lernen und nochmals lernen angesagt. Viele sind ab einer 2,0 enttäuscht – das hätte besser laufen müssen. Dieser Notendruck ist extrem frustrierend, kräftezehrend und einfach nur absurd, wenn man bedenkt, welch immensen Bedarf an Psychologen es gibt.

Was Psychologiestudierende in der Vorlesung machen

Viele schreiben fleißig mit, einige sind online-shoppen oder googeln die NCs für Masterplätze – um kurz darauf verzweifelt nach alternativen Jobs zu suchen. Oft gesehen: Stricken. In den Statistikvorlesungen ist wohl schon so mancher Schal entstanden…

Wo Psychologiestudierende anzutreffen sind

Im Stühlinger, wo sich das psychologische Institut ganz einsam vor dem Rest der Uni versteckt. Beliebte Anlaufpunkte sind die Wiese vor dem Institut, die Brennnessel oder der Amara Döner. Psychos lassen sich auch oft bei Fachvorträgen blicken oder verteilen verzweifelt Flyer vor der Uni, um Teilnehmer für ihre Experimente zu rekrutieren. Und wenn sie nicht gerade fleißig in der UB lernen, sitzen sie in den Kabuffs der Versuchslabore vor Computern und spielen selbst Versuchskaninchen für allerlei psychologische Experimente.

Work-Life-Balance

Der Stundenplan ist im Psychologiestudium nicht gerade durchgetaktet. Was erst einmal nach viel Freizeit aussieht, wird aber gut gefüllt, denn man muss regelmäßig aufwendige Referate halten und Hausarbeiten schreiben. In der Prüfungsphase tauchen die meisten in die UB ab und lernen stapelweise Karteikarten auswendig; die Semesterferien sind dafür in der Regel frei. Fazit: Der sehr ehrgeizige Großteil ist vielbeschäftigt, insgesamt hängt der Arbeitsaufwand aber vom persönlichen Leistungsanspruch ab.

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