fudders Spiel des Monats: Broken Age

Manuel Fritsch

Gaming? Finden wir richtig gut. Und deshalb wollen wir euch ab jetzt jeden Monat ein Spiel ans Herz legen. Die erste Empfehlung unseres Autors Manuel Fritsch: das Adventure-Spiel "Broken Age".


"Adventure Games are a lost art form – they exist in our dreams, our memories ... and in Germany" - Tim Schafer

Mit dieser augenzwinkernden Einleitung präsentierte sich vor zwei Jahren Tim Schafer seinem Publikum auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter. 16 Jahre nach seinem letzten großen Adventure-Spiel wollte der Erfinder der "Monkey Island"-Serie zurück zu seinen Wurzeln kehren. Er bat um das Vertrauen, auszuloten zu dürfen, ob das Adventure-Genre wirklich überholt sei.


Aus den ursprünglich anvisierten 400.000 USD Budget sind innerhalb kürzester Zeit 3,3 Mio USD geworden. Auf Grund dieser enormen Resonanz wuchs das als kleines Nebenprojekt geplante Projekt schnell zu einem Präzedenzfall an, auf den die gesamte Branche gespannt blickte. Brauchen Spieleentwickler überhaupt noch Studios für die Finanzierung oder genügt eine gute Idee, für die man genügen Fans mobilisieren kann?

Der erste Akt des Spiels ist Ende Januar nun unter der hohen Erwartungshaltung erschienen. Und... hielt diesem Druck überraschend gut stand. Tim Schafer hat sich trotz des Medienrummels nicht beirren lassen und präsentierte eine wundervoll undschuldige "Coming of Age"-Geschichte zweier Teenager in sehr unterschiedlichen Lebenssituationen: Ein Junge namens Shay treibt alleine im Weltall in seinem Raumschiff vor sich hin. Als wäre das nicht schon langweilig genug, wird er von der Software des Bordcomputers mit übertriebenem Beschützerinstinkt immer noch wie ein Kleinkind behandelt.



Das Mädchen Velouria, zu der man jederzeit frei wechseln kann, plagen dagegen deutlich existentiellere Sorgen: Sie wurde auserwählt, in einem festlichen Ritual dem auf diesem Planeten herrschendem Riesenmonster geopfert zu werden, um damit den Frieden für Ihre Dorfgemeinschaft zu sichern. Ein Privileg Ihrer Kultur, doch Velouria findet wenig Gefallen an dieser Vorstellung. Was beide Figuren eint ist die Fremdbestimmtheit und der Wunsch, aus ihrem zu engen Korsett auszubrechen, um ihr eigenes Leben führen zu dürfen.

Was folgt ist eine mit unglaublich viel Charme und Liebe für skurrile Charaktere geschriebene Abfolge von überraschenden Begegnungen, witzigen Dialogen und Rätsel-Einlagen. Im Vergleich zu Schafers früheren Spielen wird schnell klar, dass der Fokus hier weniger auf Knobeln als auf dem Spielfluß liegt. Selbst ungeübte Spieler werden bei diesem Spiel keine Schwierigkeiten haben.



Die handgezeichneten Landschaften und Figuren wirken in Ihren Pastelltönen wie ein lebendig gewordenes Kunst-Bilderbuch und werden dabei passend untermalt von einer wunderschönen live eingespielten orchestralen Hintergrundmusik. Als Synchronsprecher begegnen einem bekannte Hollywood-Namen wie Jack Black, Wil Wheaton und Elijah Wood. Diese sind bekennende Spiele-Fans und mussten sich nicht lange bitten lassen, an dem Projekt mitzuarbeiten. Deren einfühlsame Annäherung an die gut geschriebenen Charaktere hauchen diesen eine zusätzliche Intimität und Lebendigkeit ein, die das Spiel von anderen Genre-Vertretern deutlich abhebt.

Das tröstet auch ein wenig darüber hinweg, dass dieses erste von zwei Kapiteln bereits nach rund drei Stunden in einem Cliffhanger endet, der einen zwar glücklich aber fordernd zurücklässt. So schwer die Wartezeit auf den zweiten Teil auch zu ertragen sein mag, ich freue mich auf die Fortsetzung der Geschichte um Shay und Vella und das erneute Eintauchen in ihre malerische Welt von Broken Age.

Broken Age Shay Trailer

Quelle: YouTube


Broken Age Vella Trailer Quelle: YouTube

Broken Age
Double Fine
erhältlich für Windows, Linux, OS X, Android, iOS, Ouya

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[Bilder: Double Fine]