fudders Papst-Ticker: Die Freiburger Papst-Ausstellung

Martin Jost

In 99 Tagen ist es soweit: Der Papst kommt nach Freiburg! Nur: Wer kommt da überhaupt? Gut, dass eine Ausstellung im Regierungspräsidium versucht, diese Frage zu beantworten. fudder-Autor Martin hat sie sich einen Regenguss lang angeschaut.



Aufsteller und große Flaggen an der Fassade des Basler Hofs in der Kaiser-Joseph-Straße weisen auf die Ausstellung „Papst Benedikt XVI.“ hin. Bis 25. Juni ist sie noch im Foyer des Regierungspräsidiums zu besichtigen. Mit nur einem Raum Umfang ist die Ausstellung weder weitläufig noch schwer verdaulich und gut in einer Mittagspause zu schaffen. Am Donnerstag waren viele Besucher aber einfach auf der Flucht vor einem ausdauernden Regenguss. Und wo man sich schon in einer Ausstellung unterstellt, kann man sie sich genauso gut ansehen.


Um es gleich zu sagen: Viel gibt die Ausstellung nicht her – auch nicht zur Überbrückung der Wartezeit auf besseres Wetter. 26 Tafeln mit Text und Fotos erzählen das Leben Joseph Ratzingers von seiner Geburt in einem erzkatholischen bayerischen Haushalt bis heute. Hier und da ein kleines Video – der Ton so leise, dass man es gar nicht ansehen braucht, wenn noch jemand im Raum tuschelt. Keine originalen Dokumente, keine echten Exponate, keine Reliquien – ein Erlebniswert als würde man eine Website im Stehen durchlesen.

Der Untertitel der Ausstellung – „Mensch, Theologe, Seelsorger“ – formuliert ihr Ziel: eine Gratwanderung zwischen abergläubischem Personenkult („Der erste Täufling des neuen Wassers zu sein, wurde als eine bedeutsame Fügung angesehen … das konnte nur ein Zeichen des Segens sein“ – genau, und Kim Jong-Il wurde unter einem doppelten Regenbogen geboren) und Alltäglichkeit (im Stile von "ein Mensch wie du und ich"). Demnach liebte der kleine Joseph Aloisius das Selbststudium in Altgriechisch und Latein, während Sport im Internat für ihn die reinste „Folter“ war. Der Junge, der später Papst wurde, war also ein regelrechter Nerd.



Auch „Seelsorger“ steht da im Titel, dabei erfährt man auf einer der ersten Tafeln, dass Ratzinger sich bald nach seinem Einstand als Priester wieder in die theologische „Wissenschaft“ verzog.

Dafür, dass die Ausstellung nicht bloß von einer Papstbesuch-Lobby aus Erzdiözese, katholischen Gemeinden und FWTM ausgerichtet wird, sondern mit dem Regierungspräsidium auch einen staatlichen Träger hat, ist sie überraschend unkritisch. Auf einer Tafel über Kirche und Politik wird Kardinal Ratzingers Einsatz gegen das Aufkommen marxistischer Ethik in der katholischen Kirche Lateinamerikas begründet, aber kein Wort über das Fettnäpfchen Piusbrüder oder sein lebensgefährliches Kondomverbot.

Nach einer halben Stunde regnet es noch immer. Ich habe nicht alles gelesen, aber mein Interesse ist doch schnell abgesackt. Ich fürchte, auch ein größerer Papst-Fan als ich käme in der Ausstellung nicht voll auf seine Kosten. Reibungspunkte und spannende Exponate fehlen, der Rest ist bloß bunte und unkritische Biografie. Der Himmel will uns noch ein bisschen hier festhalten, aber einer nach dem anderen beißen wir die Zähne zusammen und fliehen in den Regen.



Mehr dazu:

Was: Ausstellung „Papst Benedikt XVI. – Mensch, Theologe, Seelsorger“
Wann & Wo: Noch bis 25. Juni 2011 im Regierungspräsidium/Karlsbau; vom 10. bis 18. September 2011 auf der Badenmesse
Eintritt: frei