fudders Papst-Ticker: Amateurfunker freuen sich auf den Papstbesuch

Konstantin Görlich

In 196 Tagen kommt der Papst nach Freiburg! Die ganze Stadt bereitet sich vor - auch eine verschworene Gemeinschaft in einer Art prähistorischem Cyberspace wird auf Empfang sein: der Freiburger Ortsverband des Deutschen Amateur-Radio-Clubs. fudder-Autor Konstantin stolperte in der Badischen Zeitung über dieses Thema und stellte dort Fragen, die er nun hier beantwortet.



Selten findet sich in der Badischen Zeitung eine Meldung, die man als U-31-jähriger, technikaffiner Mensch einfach nicht versteht, weil sie von Fachbegriffen nur so wimmelt. Wenn nämlich von „Rufzeichen“ die Rede ist, die zudem „in aller Welt sehr begehrt“ seien, dann wird einem langsam klar, daß es da draußen noch etwas geben muß. Etwas weitgehend Unbekanntes, nur wenigen eingeweihten, ehrwürdigen grauen Herren Zugängliches, irgendwo zwischen Spielzeug-Walkie-Talkie und iPhone.


Sind diese „Rufzeichen“ so etwas wie Benutzernamen bei Twitter? Versucht die katholische Kirche, der Papst oder am Ende sogar Gott himself, auf diese Weise neue Follower zu gewinnen?

In Ermangelung einer Bibel weisen Wikipedia und dk0fr.de, die Homepage der Freiburger Funkveteranen, den Weg zur Erleuchtung: Tatsächlich sind Rufzeichen und Twitternickname vergleichbar! Beispielsweise stellt man wie bei einer @-reply das Rufzeichen einer Funkstation, die man erreichen will, der eigentlichen Nachricht voran.

Die Parallelen gehen sogar noch weiter. Per SSTV lassen sich im Amateurfunk zwar nicht, wie der Name vermuten lässt, zeitversetzt deutsche Propagandamaterialien aus der Mitte des 20. Jahrhunderts empfangen, wohl aber farbige (!) Bilder verschicken. Auch entschleunigter Datenverkehr ist mittels Digital Packet Radio möglich. Das ist der Vorgänger von GPRS, was wiederum der Vorgänger von EDGE ist, und das kennt ihr, wenn euer Funktelefon im ländlichen Bereich kein UMTS-Signal empfängt.

Das weltweit wohl bekannteste Beispiel für ein Funkrufzeichen lautet „Air Force One“, worunter man immer die Luftfunkstelle erreicht, die gerade den US-Präsidenten transportiert. Ob Merkels Regierungsjet wohl unter „Luftwaffe eins“ zu erreichen ist? Und wohin fliegt „Vatican Airlines 666“?

Sozusagen einen eigenen Papstchannel haben die reichlich professionell wirkenden Amateuere zum Staatsbesuch eingerichtet: DR16BENE. Ohne @, aber trotzdem in aller Welt begehrt, was wohl bedeuten soll, daß man in dieser Szene gerne mal damit angibt, mit wievielen möglichst weit entfernten Stationen man schon in Verbindung stand. Auch das kennen wir von Twitter, wo manch einer beständig auf Followerjagd ist. Allerdings ist hier die Bestätigungen per analoger Postkarte leider in Vergessenheit geraten.

Übrigens sind auch die Freiburger Amateurfunker auf Twitter zu finden. Allerdings ist ihr Account @dk0fr geschützt. Zugang gibt es wahrscheinlich nur mit Amateurtwittererlizenz. Zu erwerben bei der Bundesnetzagentur.

Mehr dazu:

[Bild: dpa]