fudders Nightlife-Guru im Hüpfburgenland

Nightlife-Guru

Bis zu diesem Sonntag noch weilt das Hüpfburgenland an der Freiburger Messe. "Eine phänomenale Weggeh-Location für Hedonisten", urteilt der Nightlife-Guru. Wieso er bei seinem Besuch vor allem froh war, kein LSD genommen zu haben:



Die Lage

Rough – der Norden Freiburgs als noch ungeschliffener Diamant bietet nicht zum ersten Mal eine phänomenale Weggeh-Location für Hedonisten. Altes Stinnes-Areal bzw. Hans Bunte oder Hüpfburgenland. Letzteres überzeugte uns in erster Linie durch seinen groß auf den Plakaten angekündigten Outdoor-Bereich, wofür der Feierwütige sonst in den Wald fahren muss.

Der Himmel hängt dramatisch in grauen Wolken über uns, im Hintergrund ersetzt das Blasen der Luftpumpen die Musik, doch ein stumpfes „Boom Boom Boom“ aus einer der weiter hinten liegenden Hüpfburgen ist schon zu hören.

Vor dem XXL Lutz-Parkplatz, direkt an der mehrspurigen Schnellstraße und umringt von silbernen Bauzäunen, ist unser heutiger Ort der Magie der Hüpfburgenstrich unter den Hüpfburgenländern, das RAW-Gelände der Kindergeburtstagslocations. Es riecht nach Autoabgasen und… ja, Gras an jeder Ecke. Achso, ist ja auch auf ´ner Wiese.



Türpolitik

Da das Hüpfburgenland ja nur eine temporäre Weggeh-Installation ist und in ein paar Tagen wieder in die nächste große Stadt verschwindet, haben wir uns während des Vorglühens am Nachmittag akribisch auf den Besuch vorbereitet und über alle wichtigen Fragen im Vorfeld gesprochen: Existiert ein Dresscode? Wollen die nur ein bestimmtes, exklusives Publikum? Kontrollieren die unsere Taschen, die zugegebenermaßen randvoll sind mit Rothaus und Roséwein?

Am Eingang ist keine Schlange, von dem von uns erwarteten Ansturm kreischender und torkelnder Besucher ist nichts zu sehen. Sind wir zu früh? Zu spät? Wo ist die Party? Es juckt uns schon in den Füßen, schließlich haben wir uns extra passend der Veranstaltung gekleidet: Jeans und Shirt, kein Blingbling, kein Schnickschnack.

Hier scheint es keinen Türsteher zu geben, nur eine kaugummikauende junge Lady guckt uns aus einem Zirkuswagen an. Sie mustert uns von oben bis unten. Ich oute mich als Neuling hier, eigentlich ja ein No-Go in der harten Feierszene. „Können wir rein?“, frage ich sie ein bisschen eingeschüchtert; ich habe Angst, an diesem vielversprechendem Ort harsch und unbarmherzig abgewiesen zu werden. „Klaaaaa“, sagt die Lady unbeeindruckt und klatscht uns allen einen großen Stempel auf´s Handgelenk.

Drei Euro Eintritt nur und jeder darf rein? Keine abgeklebten Handykameras, keine Ausweis- oder Taschenkontrolle? So exklusiv kann´s ja dann wohl doch nicht sein.

Deko und Dancefloors

Die Aufmachung von außen ist trotz der laschen Türpolitik verheißungsvoll. Das „P“ in „Hüpfburgenland“ hängt schief zwischen den bunten Lettern des Eingangstores, es wirkt hier wild und hemmungslos, frei und crazy. What happens at Hüpfburgenland, stays at Hüpfburgenland.

Die Aufmachung scheint inspiriert zu sein von Berliner Oudoor-Clubs wie Sisyphos und alten Kater Holzig. Es gibt alles, was das Herz eines authentischen Clubbers begehrt: bunte Zelte für die Chiller, Zuckerwatte und Lollies aus dem Kiosk für die Unterzuckerten, Kuscheltier-Greifarm-Maschine für die Schmuser.

Da außer uns praktisch niemand da ist, wirkt die Szenerie abstrus gespenstisch. Ein trauriger Clown aus Plastik sitzt in der Mitte eines im Kreis fahrenden bunten Zuges, der uns bis zur Brust reicht und komplett unbesetzt ist. Ein bisschen auch wie Candyland of Horror. Gott sei Dank haben wir nur Alkohol konsumiert und kein LSD.

Ein bisschen benebelt vom Sekt und den reizüberflutenden Eindrücken torkeln wir über die Wiese in Richtung der Main-Area. An der Stelle punktet das Hüpfburgenland gegenüber anderen Locations mit einer übertriebenen Auswahl an Floors: Ritterburg, Piratenschiff, Zirkus Fantasia mit aufblasbaren Donuts, die man durchklettern darf, ein Stier, auf dem man Rodeo reiten kann  – Holy! Es gibt eine Hüpfburg, die aussieht wie ein Fußball und – what?! – es tropft dort von der Decke?!

Das Publikum

Die zehn Leute, die da sind, sehen hart fertig, aber sehr zufrieden aus. Entweder völlig überdreht, kriechend auf allen vieren oder schwankend mit verdrehten Augen – keiner ist hier völlig klar im Kopf. Das Publikum liegt auf jedem Floor, manche kommen gar nicht mehr ohne Hilfe nach oben, niemand hat mehr Schuhe an. Manche sehen aus als wären sie schon seit Tagen da, liegen lethargisch auf den gelben Plastikstühlen, die am Rand des Bauzauns stehen oder lassen sich von Älteren tragen.

Ein Typ hängt verheddert in einer Strickleiter, ein Mädchen knallt mit lautem Gebrüll rückwärts vom Plastikrodeo-Bullen, ein anderes kippt sich auf Ex ein ganzes Tütchen mit buntem Pulver in den Rachen. Modetechnisch sind alle eher übertrieben stylisch und ziemlich Mainstream, von Leopardenleggins, Vintagepullover vom großen Bruder, Undercut und Caps ist die ganze Palette der Hipsterklamotte vertreten. Hier und da sieht man auch die verlotterten Gestalten, denen teilweise Zähne oder sogar Haare fehlen. Lieber mal ‘nen Bogen drum rum machen.

Hüpferlebnis

Auf jeden Fall ist das Hüpfburgenland nur was für die Harten. Hart gesotten, hart konditioniert und hart im Nehmen, wer hier früh schlappmacht, hat hier nichts verloren. Aufputschende Mittel helfen uns definitiv länger durchzuhalten, jedoch steigt die Kohlensäure bei jedem kichernden Hopser unmittelbar nach oben. Das Hüpfen lässt die Scheinwerfer der vorbeifahrenden Autos wirken wie LED-Lichter, was praktisch ist.

Es ist definitiv kein Ort für tiefsinnige Gespräche, hier verliert man sich nicht in Diskussionen über Gott und die Welt. Man ist zu schnell abgelenkt, die Atmosphäre ist hektisch und – uuuh – ein Wobbelberg!

Auf dem Klo um halb Sieben

Das Dixieklo auf dem Parkplatz vor dem Eingang versetzt einen in Festivalstimmung. Sieht man dort in den Spiegel, erschrecke ich ziemlich. Ich sehe verranzt aus, mein Mascara hängt nicht mehr, wo er vorher war. Peinlich berührt streiche ich meine Haare glatt und flitze barfuß an den einkaufenden Menschen bei XXL Lutz wieder auf den Mainfloor. Ich fühle mich schäbig.  

Fazit

Die Lage der Location ist etwas abgelegen und schwer zu erreichen, aber immerhin kann sich hier keiner über Lautstärke beschweren. Es gibt zwar über zehn Floors, die mit geilen Visuals punkten, aber unterm Strich sind sie sich alle zu ähnlich. Nach zwei Stunden ist man jedoch körperlich über dem Zenit, außer man hilft mit diversen Mitteln nach, die man am Kiosk kaufen kann: gebrannte Mandeln, Zuckerkram.

Hier nachts einzubrechen kann man sich trotz der Verlockung abschminken. Punkt 19 Uhr lassen die Besitzer aus allen Floors die Luft raus – im wahrsten Sinne. Für den Kater-Hunger nach dem Verlassen der Location kommt uns aber der nebenan liegende IKEA gerade recht. Noch leicht im Rausch der vergangenen Stunden investieren wir uns letztes Geld in Hotdogs – mjam.

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Fotos:

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