fudders Lieblingseisdielen: Castaldi

Konstantin Görlich

Wo gibt’s Freiburg bestes Eis? Ihr habt abgestimmt, zehn Eisdielen ausgewählt und wir testen sie für euch. Zweite Eisdiele: Castaldi in der Zürich-Passage am Südende der KaJo.



In der Eistheke

14 Sorten präsentieren sich im Eiscafé so wie sie sind: Bis auf vereinzelte Kreationen des Hauses, die mehrfarbig und mit Schokosaucenstreifen daherkommen, wird auf optischen Schnickschnack verzichtet. Starke Farben versprechen starke Geschmackserlebnisse im ständig und saisonal wechselnden Programm. Waffeltechnisch gibt es keine Überraschungen: relativ fest, geschmacklich unauffällig und erfreulich durchtropfsicher. Beim Castaldi-Stand in der Mensa sind es ein paar Sorten Eis weniger.

Spezialität des Hauses

Für sein Walnuss-Feige-Eis von vor ein paar Jahren ist er heute noch bekannt, und selbst gemocht hat er es auch. Heute wollen aber alle nur das eine: das Papsteis, das Papsteis! Die Sorte „Benedikt XVI“, ein Vanilleeis mit Butterkeks, Schokosplittern und Orangenstückchen, ist derzeit nicht nur schlecktechnisch in aller Munde. Die evangelische Alternative „Margot Käßmann“ (natürlich mit Alkohol) gibt es nicht mehr so oft im Programm. „Einige haben sich beschwert.“ sagt Nicola Castaldi, selbst bekennender Papstfan, ein wenig betrübt.

Wie schmeckt das Eis?

Man bekommt das, was man bestellt: Ein Erdbeereis schmeckt nicht etwa wie Erdbeereis, sondern wie ein Korb frischer Erdbeeren. Nicht etwa Zusatzstoffe, sondern komplette Früchte bringen den Geschmack. Und bloß nicht zu viel Zucker, denn „ein gutes Eis darf nicht zu süß sein“. Das Stachelbeereis, das es manchmal gibt, ist genauso säuerlich wie die Stachelbeeren, aus denen es gemacht ist, und das Brombeereis – aus Brombeeren von seiner Schwiegermutter – ist eine Offenbarung: Ein solches Geschmackserlebnis muss man sich im Brombeergesträuch am Wegesrand ersteinmal zusammensammeln.



Bei Castaldi sind die Früchte die Stars: Sie müssen nicht nur frisch sein, sondern am besten auch noch aus der Region stammen. „Importierte Früchte wie zum Beispiel Mangos werden oft noch grün gepflückt und reifen dann erst unterwegs. Da kann sich der Geschmack und die Süße nicht richtig entwickeln und das merkt man dann hinterher beim Eis.“

Aber Castaldi kann auch anders: Das Schokoladeneis schmeckt schokoladiger, als das, was einem landläufig als Schokolade verkauft wird und sahnige Mischungen wie das Margot-Käßmann-Eis wissen durch eine Karamelligkeit zu überzeugen, die anderswo nichteinmal mit Sorten erreicht wird, die auf gewissen Schokoriegeln basieren sollen.

Der Eismacher

Der gebürtige Neapolitaner Nicola Castaldi ist 42 Jahre alt, etwa die Hälfte davon lebt er nun schon in Deutschland. Er hat das nun gleichnamige Eiscafé vor sechs Jahren übernommen, es existiert dort allerdings schon über 20 Jahre, wahrscheinlich seit das Zürich-Gebäude – das ehemalige Dreisameck – nach der Räumung in den achtziger Jahren von Grund auf saniert und umgebaut wurde.



Wenn es um Obsteis geht ist er kaum zu bremsen: „Eigentlich ist das Sorbet!“ schwärmt Castaldi mit leuchtenden Augen. Dabei will er nicht besser sein als andere: „Ich will mich immer selbst verbessern, das ist vielleicht das deutsche an mir!“ sagt er halb lachend, halb nachdenklich.

Das Feedback der Kundschaft ist ihm wichtig, Eis seine Leidenschaft. Als einer Kundin das Zitroneneis zu süß war fügte er mehr und mehr Zitrone zur Mischung und merkte dann: „Sie hatte Recht! Wer Zitrone will, will Saures.“

Preise

Eine Kugel kostet in der Passage 80 Cent, in der Mensa gibt es sie zum Sonderpreis von 60 Cent, im Doppelpack 1 Euro. Die Kugeln wären nur wenig größer als der Durchschnitt, hätten sie nicht stets einen großzügigen Rand mit dran. Den Spaghettibecher gibt es für 3,50 Euro und den Eiscafé je nach Größe für 2,90 oder 3,90 Euro.

Ambiente

Wer hierher, in die abgeschiedene Zürich-Passage kommt, weiß, was er tut: Laufkundschaft gibt es, trotz der keine 20 Meter entfernten KaJo, praktisch keine. Folglich muss man auch in den seltensten Fällen Schlange stehen. Das Ambiente scheint, besonders was die Holzelemente an den Wänden angeht, noch dem der Erstausstattung aus den Achtzigern zu gleichen.

Trotzdem wirkt das Geschäft dank einiger frischer Farbtupfer und durch die großen Fensterflächen hell und einladend. Und doch hält es niemanden eisessend im Laden: Die meisten Kunden ziehen schnell weiter an die nahe Dreisam oder bevölkern die kleine Freisitzfläche hinter dem Gebäude. Diese ist nicht gerade ein Kleinod, grenzt sie doch an Parkplätze, Garagen und Entlüftungsanlagen aber immerhin: ruhig ist es.



Das kann man vom Castaldi-Stand in der Mensa nicht gerade sagen, hier brummt mittäglich der Laden. Die Idee, so Castaldi, kam vom Studentenwerk, dessen Mitarbeiter gleich um die Ecke vom Café in der Schreiberstraße sitzen und das Eis offensichtlich zu schätzen wissen.

Wen trifft man dort?

Bei unserem Besuch sind es hauptsächlich Seniorinnen, die es sich um die Eisdiele gemütlich machen, aber das ist nicht immer so: Eiskenner aus der ganzen Stadt machen einen extra Abstecher. Auch für Studierende auf dem Weg zu etwas Zerstreuung an der Dreisam liegt Castaldi praktisch am Weg. Der Chef will auch viele Ökos in seinem Publikum erspäht haben: „Die kennen den Laden und wissen, was im Eis drin ist und was nicht.“

Das sagen die Kunden

Constantin (11): „Das Eis schmeckt gut, besonders geschmackvoll. Woanders schmeckt es einfach nicht so gut, nach garnichts oder nach Wasser, hier ist es einfach fruchtiger.“

Martin (32): „Castaldi hat ja immer gut abgeschnitten in den Tests, und es ist auch gut. Zugegeben: Andere sind auch nicht schlecht, aber die Qualität ist schon gut. Leider liegt es etwas abgeschnitten, daher komme ich auch nicht öfter her.“

Kai (56): “Das Eis ist sehr aromatisch und nicht so penetrant süß, daher komme ich NUR hierher. Für mich ist es die beste Eisdiele in Freiburg, etwas Vergleichbares gibt es erst wieder in Breisach.“



Adresse


Eis-Café Castaldi

In der Zürich-Passage
Kaiser-Joseph-Straße 282
GoogleMaps: Castaldi

Öffnungszeiten

Montag bis Freitag
9 bis 21 Uhr

Samstag, Sonntag und Feiertag
10 bis 21 Uhr.

Winterschließzeiten gibt es nicht, aber wenn es ganz, ganz kalt ist, wird kein Eis gemacht, sondern andere italienische Spezialitäten - bis hin zu Lasagne.

Mehr dazu:

 

Foto-Galerie: Ruben Fees

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