fudders Fußball-Philosoph über unbändigen Siegeswillen, Roman Bürki und Michel Foucault

Veit-Lorenz Cornelis

Dem SC Freiburg fehlt der 'unbändige Siegerwille', sagen die Kritiker. Der Fußball-Philosoph findet: Unbändiger Wille in dein Gesicht, du Fußball-Taugenichts. Wir schaffen das! Das sagen übrigens auch Foucault, die Bibel und die Nordtribüne:



Der unbändige Wille – welch' kryptischer Ausdruck. Wie kann denn ein Wille nicht „unbändig“ sein, sondern „abwartend“ oder „zögerlich“? Blödsinn. Und jetzt muss sich doch wirklich jeder SC-Fan diese blöde Frage anhören: "Wo ist dieser unbändige Siegerwille?" und du denkst dir so: "Unbändiger Siegerwille in dein Gesicht, du Fussball-Taugenichts." Mal ehrlich. Mit dem Willen im Einklang stehen doch Durchhaltevermögen und Zielsetzung. Auch mit dem Wissen, dass dieser Wille, ein Ziel zu erreichen, manchmal zu Frustration, ja gar Resignation führen kann. Es ist dieser berühmte "Kopf im Sand" – und ich denke mir: Mann, raus da!


Wir haben dort unten nichts verloren. Noch nicht... Aber zunächst die chronologische Abfolge des Dramas. Spiele in der letzten Minute mit Freiburger Beteiligung. Es folgt ein Fehler eines Spielers. Okay, wird schon bereinigt werden können. Zweiter Spieler, zweiter Fehler. Fuck. Dritter Fehler: Stille. 15 Punkte – Platz 18. Letzter. Was für ein schreckliches Wort. "Die Letzten werden die Ersten sein." Dass eben dieses Kindersprichwort nicht stimmt, erkennt man spätestens im Sportunterricht bei der Vergabe der Urkunden zu den Bundesjugendspielen. Na toll, wieder nix dabei für mich. Bin doch so fit aus der letzten Staffel "24" herausgekommen. Letzter und irgendwie halt dann echt raus. Im tröstenden Jargon der Pädagogik nennt sich das: Teilnehmerurkunde. Hab ein ganzes Museum davon. Die Eltern sind trotzdem stolz.

Doch die Leistungsvergabe beim professionellen Kicken spricht eine andere Sprache. Ökonomisches Kalkül duftet von den Plätzen mit dem luxuriösen Sitzabstand. Wertschöpfung aus einem Letzten? Wenig Potential. Mal noch n' Glas Sekt holen, während der stehende Pulk dabei ist, Aufbauarbeit zu leisten. Anfeuerungsrufe werden zu Entwicklungshilfe. Fans als Trümmerfrauen des 21. Jahrhunderts. Wir geben nicht auf. Nicht jetzt! Wir haben Willen! Ich gebe zu, im ersten Moment fällt es mir schwer meine Trümmerfrau zu stehen. Ich stehe eher da, wie Lots Frau in der Bibel: erstarrt zur Salzsäule. Wie sie blicke ich zurück und sehe nicht Sodom und Gomorra, aber Hannover und Hoffenheim. Auch nicht viel besser.

Ich kann mich kaum bewegen. Es fühlt sich nicht gut an. Doch dann das: Die Galerie der Nordtribüne
erwacht und erkennt den selbstauferlegten Willen: Roman-Bürki-Rufe erschallen in den Sonntagabend. Etwas zögerlich, aber sie sind da. Der Wille – ich kann ihn spüren. Er ist noch nicht erloschen! Der Wille kann Macht erzeugen. Foucault, du alte Haubitze, du hattest Recht. Ich frage mich, wo mein Wille war? Vertrieben durch den Jubel der Niedersachsen. Doch da ist er wieder. Wir haben 17 Spiele, alles zu drehen. IHR habt 17 Spiele! Es ist nichts vorbei! WIR HABEN WILLEN! Diese Stadt hat den Willen! Ich mache da mit! Und ihr?

Mehr dazu: