fudders Fußball-Philosoph: Fußball - Glaube. Liebe. Hoffnung.

Veit-Lorenz Cornelis

Das Bundesliga-Finale ist wie ein erstes Date, wie das Mathe-Abitur, wie die Führerscheinprüfung. fudders Fußball-Philosoph ist mit den Nerven am Ende - er glaubt, er liebt, er hofft vor dem alles entscheidenden Spiel des SC Freiburg gegen Hannover 96:



Das Grinsen wollte nicht aus meinem Gesicht weichen. Genugtuung zierte mein Antlitz. Bis Mittwoch sollte mein Erstgeborener Nils heißen. Oder Admir. Oder Pavel. Seit Mittwoch werde ich diesen Gefühlsmix nicht mehr los: Glaube. Liebe. Hoffnung. Wie beim ersten Date oder dem Mathe-Abitur oder der Führerscheinprüfung: Wenn´s nicht klappt, is´ scheiße - aber die Welt geht nicht unter.


Morgen ist ein Endspiel für den SC. Es sollte machbar sein, einen Punkt in Hannover zu erspielen. Es sollte... ach, Konjunktiv II, hätte ich Dich doch bloß nie in meinen Wortschatz aufgenommen. Der Glaube macht es möglich, dass ich Dich als Teil meiner Grammatik akzeptiere. Der Glaube an die Möglichkeiten. Wo wir bei Punkt 2 wären: der Hoffnung.

"Die Hoffnung stirbt zuletzt." Ein Sprichwort, mit dem sich so mancher Fußballfan stetig konfrontiert sieht. Es waren die letzten zehn Minuten des Bayern-Spieles, währenddessen ich vermutlich mein Hoffnungspotential für ein ganzes Leben für diesen einen (!) Punkt verbraucht habe. Bis zu diesem Moment der 89. Minute. Um ehrlich zu sein, weiß ich ab dann eigentlich nichts mehr. So fühlt sich glaube ich Schwerelosigkeit an. Parabelflug brauch´ ich nicht mehr in meinem Leben. Das hat gereicht! Die ersten Erinnerungen beginnen wieder mit einem Bier in der Hand und Schulterklopfen meiner Freunde.

Dann kam Punkt 3 vollends zu Geltung: die Liebe. Gegner essayistischen Pathos - weghören! Für Euch ist dieser Artikel jetzt zu Ende. Für den Rest: Wenn wir absteigen, das habe ich mir gerade zitternd bei Tee und Gebäck überlegt, geht die Welt nicht unter. So zumindest die Theorie. Nicht, weil der Fußball unwichtig sei. Nicht, weil wir sowieso alle irgendwie verrückt sind unser Geld samt kostbarer Zeit in das Fandasein stecken. Sondern weil es Liebe ist.

Es ist die Liebe zu diesem Verein und die Liebe untereinander. Wenn Nils Petersen in der 89. Minute das Tor schießt, liegen wir uns in den Armen. Fremde werden zu Eigenen. Wenn wir morgen absteigen, bauen wir uns wieder auf. So wird es sein. Pathos Ende. Hallo, Endorphin! Morgen sehen wir uns ein letztes Mal für diese Saison in meiner Blutbahn. Hoffentlich.

Fussball – Glaube. Liebe. Hoffnung. – der Titel dieses Berichtes ist gleichzeitig eine Hommage an die wunderbare Ausstellung "Fussball - Glaube. Liebe. Hoffnung." im Historischen Museum Basel. Noch bis zum 16. August 2015 kann man dort in die Welt des Fussballs eintauchen. Auch für "Nicht-Fans" sehenswert. Infos auf der Webseite des Historischen Museums Basel.

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[Foto: dpa Picture Alliance]