fudders Ersti-ABC: Lebenshilfe für Erstsemester

Fabienne Hurst

Jeder Student war mal ein Erstsemestler, auch wenn das keiner wirklich zugeben will. Niemand erinnert sich gern an die verloren gegangene Zeit in den Unifluren, kulinarische Tiefpunkte in der Mensa und das ständige Gefühl, immer und überall ein potentielles Auslachobjekt darzustellen. Wer sich vor den fiesen Fallen des Ersti-Daseins schützen will, outet sich am besten gar nicht als solcher. Hier ein paar Tipps, wie ihr euer Anfängertum am besten vertuscht.

 

A wie Abi-T-Shirt

Abi-Shirts trägt man maximal  genau so lange, wie Wortspiele wie „C’est l’abi“, „Abi Graib –  Nach 13 Jahren aus dem Knast“ oder „Therabi –  Wir verlassen die Anstalt“ lustig sind. Danach zieht man es aus,  mottet es ein und zieht es nicht mehr an. Nie mehr.

B wie Bratling

Er ist dein Feind. Zusammen mit der Weizenbolognese, Hirsotto und allem, was auf -allerlei endet, lauert er scheinbar unschuldig auf dem Mensaspeiseplan. Geh’ ihm aus dem Weg, du wirst es nicht bereuen. Iss lieber eine Münsterwurst.

C wie Chamäleon

Erstis sehen in der Regel noch ziemlich abiturientig aus (auch ohne Abi-T-Shirt) und sind noch nicht so einfach identifizierbar wie ihre Fachgenossen aus den oberen Semestern. Doch die Assimilierungszeit ist in der Regel erstaunlich kurz. Deshalb sollten Soziologie-Erstis lieber nicht über Wollschals im Sommer herziehen und Jura-Frischlinge können schon mal die Hemdkrägen stärken. Das nächste Semester kommt bestimmt.

D wie Datenklau

Hüte deine Mitschriften nicht wie deine Milchzähne. Das ist nicht nur uncool, sondern auch zu kurz gedacht: Wer weiß, wann du es mal nicht in die Vorlesung schaffst?

E wie Ersti

Dieses Wort darfst du ab dem zweiten Semester benutzen.

F wie for You.

4-you-Rucksack. Wirf ihn weg.

G wie Gasthörer

Manche Vorlesungen  sind für Gasthörer offen. Das sind Leute, die ihrem Leben einen zweiten Sinn geben, sich weiterbilden oder euch Erstis einfach nur zeigen wollen, wo der Hammer hängt. Sie verbringen Tage damit, Fragen an den Prof auf Karteikärtchen zu schreiben, um diese  kurz vor Schluss der Veranstaltung vorzutragen, obwohl sie die Antwort bereits kennen. Sie lieben es, Wörter wie „Paradigmenwechsel“, „Quantensprung“ oder „Kulturanachronismus“  zu benutzen und euch damit  auf den Geist zu gehen.  Nur unerfahrene Erstis tun sich so etwas freiwillig an.

H wie Heckscheibe

Es klebt immer noch dieser Abi-Wannauchimmer-Aufkleber auf der Heckscheibe? Abkratzen!

I wie Internet

Du hast noch keins in deiner Wohnung?  Besorg Dir schnell welches, sonst hängst du das ganze Semester im New Media Center in der Rempartstraße herum, um unter verpeilten Erasmus-Studenten auf einen freien, aber unglaublich langsamen Rechner zu warten.

J wie Jungs

Erstis sollten nicht lange allein sein. Jungs trifft man am leichtesten in der Mensa am Flugplatz, in der Sporthalle in Littenweiler, im Rechenzentrum, beim SC im Stadion, beim USC im Rieselfeld oder in einer Brauerei.

K wie Kaffee

Den billigsten gibt’s bei den Fachschaften. Den besten woanders.

L wie leise

Gilt für die Bib. Keine Hackenschuhe, keine an die Ferse klatschenden Flip-Flops, keine Kaugummiblasen. Das Befolgen der „Bitte Ruhe“- Schilder bewahrt  dich vor dem Hass bildungswütiger Studierender.

M wie Mädchen

Wer schnell viele finden möchte, geht am besten ins Romanistikseminar zum Kopieren oder zum Rudelzappelndes Hochschulsports.

N wie New Media Center

Die netten Jungs im New Media Center in der Rempartstraße oder im Rechenzentrum wissen, wie man filmt, schneidet und Präsentationen aufhübscht.

O wie oben ohne

Sortiere deine Facebook-Fotos vom Strand in Calella aus. Kann an einer gut vernetzten Uni nie schaden.

P wie Party

„Wie, da war ne Party?“ Mit der inzwischen schon  legendären fudder-Rubrik„Wo rockt’s?“verpasst du garantiert keine Sause mehr.

Q wie Qual der Wahl

Plätze in interessanten Wahlkursen sind Mangelware. Früh einen Sitzplatz sichern!

R wie Räume

Liefere dich nicht den Irrungen und Wirrungen der Uni-Architektur aus: Auf den Fluchtplan-Schildern stehen alle Raum-Nummern. Die erste Ziffer der Raumnummer bezeichnet das Gebäude (KG I, II, III oder IV), die zweite das Stockwerk, die dritte und vierte den Raum. Der Raum 1236 befindet sich also in der zweiten Etage des Kollegiengebäudes I.

S wie Studentenfudder

Hierbei handelt es sich a) um eine nahrhafte Nussmischung, die schon mal ein Abendessen ersetzen kann, b) um eine Sammlung praktischer Tipps, die fudder jedes Semester neu herausgibt: Studentenfudder

T wie Ticket

Hör auf, schwarz zu fahren. In Freiburg kostet ein Semesterticket so viel wie zwei  Mal erwischt werden. Und es ist weniger peinlich.

U wie Unfall

Erstis ziehen Unfälle meist magisch an: gegen Glastüren laufen, von der Bib-Treppe fallen, in Klausuren reinplatzen, mit dem Fahrrad in die Straßenbahneinne geraten und so weiter.  Tipp: Aufstehen, lächeln, nicht weitersagen.

V wie Viertel, akademisches

Hinter der Uhrzeit des Veranstaltungsbeginns steht ein c.t? Prima, du kannst eine Viertelstunde später kommen. C Punkt T Punkt ist die Abkürzung für cum tempore, wenn es pünktlich losgeht, steht auf dem Plan s.t.: sine tempore.

W wie Waschmaschine

Wer dich jeden Freitagabend mit einem voll gestopften Trolly am Hauptbahnhof stehen sieht, weiß sofort: Du bist ein Ersti. Noch dazu einer, der Mutti waschen lässt. Hier lohnt sich die Investition in eine eigene Maschine –  dann bleibt nicht nur die Kleidung sauber, sondern auch der Ruf.

X wie Xenophobie

Erstis entwickeln oft viel zu früh eine Art Fremdenhass gegenüber anderen Fachbereichen. Dass sich Mediziner und Germanisten, Physiker und Juristen, Mathematiker und Theologen nicht immer grün sind, weiß jeder. Aber wer hat schon Lust, ständig unter Artgenossen rumzuhängen? Es gibt keinen besseren Debattierclub als einen bunten Freundeskreis.

Y wie Youngster

So nennen coole Profs Erstis. Sie wissen noch nicht, dass das nicht cool ist.

Z wie Zugzwang

Um keine Anfängerfehler zu begehen, machen Erstis häufig alles nach. Sie folgen  irgendwelchen Anführern ins Agar, obwohl sie eigentlich Indie-Pop mögen; sie essen Weizenbolognese, nur um in der gleichen Reihe wie die anderen anzustehen.  Der wichtigste Tipp, mit dem du dich nicht zum Ersti machst: Bleib’ vor allem du selbst. Und  wirf den 4-you-Rucksack weg.

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[Illustration: Karo Schrey]