fudders Bibliotheks-Check: Wie viele Studis kommen auf einen Arbeitsplatz?

Miriam Jaeneke & Marc Schätzle

"Die Mediziner nehmen uns die Arbeitsplätze weg!" So beschweren sich die Benutzer der Verbundbibliothek im KG IV. Unmut, fiese Plakate, Streitigkeiten. Tatsache ist: An keiner Fakultät der Uni Freiburg gibt es so wenige Arbeitsplätze für Studierende wie bei den Medizinern. fudder hat kontrolliert: Wie geht es eigentlich den Studierenden anderer Fächer? Wie viele Studis in den verschiedenen Fakultäten auf einen Arbeitsplatz kommen:

Die Zahlen in unseren Grafiken dokumentieren das Verhältnis Studierende zu Bibliotheksarbeitsplätzen: Wir haben die Anzahl der Studierenden der elf Fakultäten der Uni Freiburg durch die Anzahl der Arbeitsplätze geteilt, die die jeweiligen Fakultäten ihren Studierenden zur Verfügung stellen. Zugrunde gelegt sind die Zahlen aus dem Wintersemester 2010/2011.


Für diesen Zeitraum waren 249 Studierende keinem Studienfach zugewiesen, daher haben wir sie bei unseren Berechnungen außen vor gelassen. Die Arbeitsplätze im Weismannhaus haben wir den Medizinstudierenden zugerechnet, die Bibliotheksarbeitsplätze im KG IV entsprechend der dort angesiedelten Fächer anteilig den Studierenden der Philologischen beziehungsweise Philosophischen Fakultät.
























Der rechte Stuhl bezieht die UB-Arbeitsplätze anteilig mit ein -  Fakultäten mit mehr Studierenden haben wir prozentual entsprechend mehr Plätze zugerechnet. Dadurch erhöht sich die Zahl der Bibliotheksarbeitsplätze etwa für Medizinstudierende drastisch: Vor einem Jahr mussten sich 1311 Studierende um 109 Plätze streiten, wenn man die UB-Arbeitsplätze nicht mitrechnet. Das entspricht einem Verhältnis von 30,3 Studierenden pro Sitzplatz – mit anteilig berücksichtigten UB 1-Arbeitsplätzen waren es „nur“ noch 17,8 Studierende pro Sitzplatz. Wie man es rechnerisch auch dreht und wendet, es bleibt das mit Abstand das krasseste Missverhältnis zwischen Studierenden und Arbeitsplätzen.

Klar ist: Die Lage wird sich durch den Neubau der UB in der Innenstadt zweifelsohne verbessern. In aktuellsten Planungen für die neue UB wurde das Arbeitsplatzangebot vergrößert. In der UB-Direktion hat man den Handlungsbedarf speziell für die Mediziner erkannt und „eine erste Entwurfsplanung für eine Verbundbibliothek Medizin, gepaart mit einem Lehr-Lern-Zentrum, angefertigt, mit der wir auch schon recht zufrieden waren“, wie UB-Direktorin Antje Kellersohn erklärt. Bisher ist jedoch alles noch abstrakte Bedarfserhebung: „Wir haben im Moment noch keine konkreten Neubaumaßnahmen anstehen, aber ich habe das natürlich immer im Auge“, ergänzt Kellersohn. Ziel sei „eine Rundumversorgung für die Medizin ... Das ist im Moment ein großer Trend in der Hochschulbauentwicklung, dass man sagt, man baut Lehr-Lern-Zentren, wo man gewissermaßen in Pantoffeleichweite alles zur Verfügung hat, was man zum Studieren braucht.“

Dass Geisteswissenschaftler mehr Bibliotheksarbeitsplätze benötigen als Naturwissenschaftler, die auch mal im Labor arbeiten, ist empirisch erhoben worden. Auf der Grundlage solcher Fakten und der aktuellen Studierendenzahlen wird durch den Arbeitskreis Bedarfserhebung der interministeriellen Arbeitsgruppe in Baden-Württemberg (AfB) oder die Hochschul-Informations-System GmbH (HIS) der Bedarf an Bibliotheksarbeitsplätzen ausgerechnet.

Interessant sind die Ergebnisse von HIS und AfB für die elf Fakultäten. Teilweise liegen sie in ihrer Soll-Angabe für Arbeitsplätze weit auseinander, zum Beispiel für die Studierenden der Philologischen Fakultät: Tatsächlich hatten die Studierenden im WS 2010/11 mit anteiligen KG IV- und UB 1-Arbeitplätzen 729,07 Arbeitsplätze; nötig wären laut AfB nur 569, laut HIS sogar nur 249 Plätze gewesen.

Die Jurastudierenden hatten 784 Bibliotheksarbeitsplätze zur Verfügung; gebraucht hätten sie laut AfB nur 297 Plätze, laut HIS 186. Sind also tatsächlich 598 Juristen-Arbeitsplätze überflüssig?

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[Grafiken: Marc Schätzle]