fudders-App-Check: Tamagotchis großziehen mit Hatchi

Miriam Helbig

Tamagotchis großziehen wie in den 90ern: Im Smartphone-Zeitalter ist das möglich mit der Retro-App "Hatchi". Ob sich der Zeitaufwand für so ein Pixeltierchen heute noch lohnt, hat fudder-Autorin Miriam Helbig getestet:



Die späten 90er. Jeder, der etwas auf sich hält, besitzt eines dieser knallbunten Plastikeier mit verpixeltem Display: ein Tamagotchi. Fünfzehn Jahre später ist es zurück – natürlich als App. Hat es auch heute noch Charme?


Ich hatte nie ein Tamagotchi. Meine Eltern hielten es für sinnlosen Schnickschnack und schickten mich lieber auf die Weide zu den echten Kühen. Ich weiß nicht mehr genau, ob ich das doof fand oder einfach hinnahm. Auf jeden Fall stolperte ich neulich über eine Tamagotchi-App und konnte nicht widerstehen. Meine Mission: Eine Woche lang Elektrotiermama sein.

Wie sich das für ein Küken gehört, schlüpft das „Hatchi“ (nach dem zehnten Mal Öffnen der App wird einem der innere „Gesundheit!“-Witz übrigens über) aus einem Ei und fordert sofort Aufmerksamkeit. Füttern, waschen, spielen, schlafen, warten. Viel warten. Ich schließe die App und sehe drei Stunden später, dass sich kaum etwas getan hat. Mein Tierchen ist zufrieden und wackelt vergnügt vor sich hin.

Und so geht es im Grunde weiter: Alle paar Stunden füttern, waschen, spielen. Zwischendrin kann das Licht ausgeknipst werden, damit das Hatchi schlafen kann. Um die Wartezeit zu überbrücken, gibt es Minispiele: Tic Tac Toe, Schere Stein Papier, sammle nach unten fallende Nahrung ein. Gähn. So was hat früher begeistert?

Nach vier Tagen gestehe ich es mir ein: Ich bin entweder zu alt oder habe das Konzept nicht verstanden. Das Hatchi ist nicht anspruchsvoll, es erfordert fast keine Aufmerksamkeit und es geht mir alles viel zu langsam. War das früher anders oder sind wir das langsame Spieltempo nicht mehr gewohnt?

Wie dem auch sei: Nach sechs Tagen entlasse ich das Hatchi in seine wohlverdiente Freiheit. Ich habe es groß gezogen, gefüttert, Häufchen weggemacht und Ball gespielt – und trotzdem ist es mir nicht ans Herz gewachsen. Die App wird direkt im Anschluss ebenfalls gelöscht und insgeheim gebe ich meinen Eltern recht: sinnloser Schnickschnack.



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