fudders App-Check: Mit Jodel lokal chatten

Ninette Hoffmann

Jodeln - auch ohne Diplom - können Studierende und alle anderen jetzt mit der App "Jodel". Das Prinzip ist simpel: Anonyme Kurznachrichten, die in einem Umkreis von 10 Kilometern gelesen und bewertet werden können. fudder-Autorin Ninette Hoffmann hat die App ausprobiert.



Tuscheln in der Vorlesung – das muss nicht mehr sein. Stattdessen können Studierende jetzt jodeln, um an der Uni Klatsch und Meinungen auszutauschen. Jodeln? Ja, jodeln. Denn die Smartphone-App „Jodel“ ist eine Art Twitter – aber anonym und mit konsequentem Ortsbezug.


„Dieser Moment, wenn man für ein und dieselbe Prüfung mehrmals lernt, entweder weil man sich kurz vor der Prüfung abgemeldet oder die Prüfung verkackt hat... #einmalistkeinmal“, schreibt ein anonymer Freiburger Nutzer etwa. „Dieser Moment, wenn man die Prüfung besteht und nicht weiß wieso“, antwortet ein anderer. Jodel ist also der ideale Ort für Peinlichkeiten, Lästereien, aber auch für niedliche Alltagsbetrachtungen – wie zum Beispiel Gedanken über das besondere Geräusch der Freiburger Straßenbahnen.

Um die App nutzen zu können, muss die Ortung am Smartphone aktiviert sein. Nachdem der Standort bestimmt ist, sieht man die Nachrichten aus der Umgebung, die sogenannten Jodels – und das in Echtzeit. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Mit einem Klick auf das große Plus kann man einen eigenen Jodel verfassen – das kann auch ein Bild sein. Der Jodel wird dann jedem Jodel-Nutzer im Umkreis von 10 Kilometern angezeigt. Auf einen Jodel kann man „zurückjodeln“. Außerdem kann man jeden Jodel mit „Upvotes“ und „Downvotes“ bewerten; durch zu viele Downvotes verschwindet der Beitrag.

Leider tauchen auch immer häufiger solche Anfragen auf: „Sex wär jetzt cool“, oder auch „Was halten die Frauen hier von ONS?!“ Darauf gab es gleich die passende Antwort: „Abstand“. Auch pornografische Bilder sind schon aufgetaucht. Jedoch werden die von den Moderatoren entfernt. Bei allem anderen heißt es „Content is king“ - und die User entscheiden.

Entwickelt wurde Jodel von Studierenden der RWTH Aachen. „Ziel war es, eine Plattform zu schaffen, auf der der Inhalt des Gesagten und nicht die Person im Vordergrund steht“, sagt Gründer Alessio Avellan Borgmeyer, 24. „Ich hatte den Eindruck, dass vor allem junge Leute müde sind von der selbstdarstellerischen Parallelwelt, die durch Facebook oder Instagram erzeugt wird.“

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  [Foto: Konstantin Görlich]