fudders App-Check: Mini-Videos drehen mit Vine

Fabian Fechner

Vine ist der neue heiße App-Scheiß. Die iPhone-App aus dem Hause Twitter ist ein Social Network für Mini-Videos, die genau sechs Sekunden lang sind. Das klingt wenig spektakulär, hat aber seinen ganz besonderen Reiz. Wie Vine funktioniert:


Etwas mehr als zwei Wochen gibt es die kostenlose Vine-App für iOs - und das kleine Programm ist in netzaffinen Kreisen trotz diverser Startschwierigkeiten und Kinderkrankheiten schon jetzt ein Riesenhit. Am vergangenen Wochenende wurden mehr als 100.000 Vine-Videos über Twitter geteilt und diverse lustige kleine Dienste poppen rund um Vine auf.


"Make a scene" - das ist der Slogan des Mini-Social Networks für Mini-Videos und das perfekte Spielzeug für Menschen, die schon Fans von Twitter und Instagram sind. Das Interface erinnert stark an Instagram und ist auch genauso kinderleicht zu bedienen. Die innovative Schlichtheit bei der Benutzung ist dann auch die auffälligste Stärke von Vine und der Grund warum die App "the next big thing" in Sachen Social Media werden könnte. Um ein Video aufzunehmen berührt man einfach irgendwo den Bildschirm, eine Start- oder Stoptaste gibt es nicht. Nimmt man den Finger wieder weg, hält die Aufnahme automatisch an.

Das kann man innerhalb der sechs Sekunden, die man pro Vine-Clip zur Verfügung hat, so oft wiederholen, wie man möchte, und so ganz leicht mehrere Takes aneinanderreihen. Sind die sechs Sekunden voll, ist das Video automatisch fertig. Beim Abspielen läuft das Video dann in Endlosschleife, wie man es etwa von .gif-Dateien oder der Loopcam-App kennt, allerdings - und das ist neu - mit Ton.

Nachträglich noch etwas schneiden geht allerdings nicht. Das Format der Videos ist genau wie bei Instagram-Fotos quadratisch, man muss den Smartphone-Bildschirm also nicht mehr drehen, und kann alle Filmchen im Hochformat betrachten. Am besten funktioniert der Upload von Vine-Videos im WLAN, 3G funktioniert auch gut, bei Edge allerdings hängt sich die App meistens auf, und das fertig gedrehte Video geht unrettbar im App-Limbo verloren. Das verdirbt den Spaß an Vine dann schon sehr.



Jedes Vine-Video kann - wie auf Twitter - mit Schlagwörtern getaggt und über die üblichen Kanäle verbreitet werden, ist aber auch über Vine selbst sichtbar und zwar für jedermann. Privatsphäre-Einstellungen gibt es nicht. Andere Nutzer können liken, kommentieren, teilen. Natürlich kann man auf Vine auch Usern folgen, sonst wäre es ja kein Netzwerk. Ist man auf der Suche nach Videos, kann man nach Schlagwörtern suchen, oder sich in immer wechselnden Kategorien wie #howto #mbfw (die Fashion Week in New York) oder #pets umgucken.

Obwohl die App von Twitter stammt, ist kein Account bei dem Kurznachrichtendienst nötig, um Vine zu nutzen. Man kann sich auch einfach mit E-Mail-Adresse und Passwort anmelden. Das Netzwerk funktioniert vollkommen unabhängig.



Was für Videos auf Vine hochgeladen werden? Reichlich kreative Stop-Motion-Kunst, Kuchenrezepte im Super-Schnelldurchlauf, lachende Babys, spielende Katzen, Klamotten-Videos von Modeblogger, Leute im Büro, die Vine zum ersten Mal ausprobieren und – Überraschung! Wir sind hier im Internet! – Quickie-Pornographie. Innerhalb des ersten Wochenendes nach App-Start wurde klar: Vine-Nutzer lieben es, die App für superkurze, hausgemachte Amateur-Pornos zu benutzen (oder mit der App Pornos abzufilmen).

Die Aufregung war groß. Mittlerweile wurde der App eine Altersbeschränkung verpasst: Vine gibt's erst ab 17. Außerdem wurde die Suchfunktion verändert, und das Risiko, unerwartet und unerwünscht die animierten parimären Geschlechtsorgane anderer Menschen zu sehen, deutlich verringert. Ob Apple die App dennoch aus dem App-Store schmeißt, wird sich noch zeigen.



Vine funktioniert übrigens nicht in Kombination mit Facebook, man kann also nicht über die App seine Facebook Freunde bei Vine finden. Das überrascht wenig, schließlich sind Twitter und Facebook Konkurrenten und das doch sehr ähnliche Instagram gehört ebenfalls zum wachsenden Facebook-Imperium. Dieses hat dann auch direkt mit einer neuen Videofunktion in seiner iOS-App reagiert. Seit dem Start von Vine entstehen lauter Dienste rund um die Mini-Videos. Vinepeek, Justvined und VineRoulette zeigen in Echtzeit irgendwelche Vine-Videos im Browser, und Cats on Vine mixt nach eigenen Angaben "the best stuff on internet", nämlich Katze und Vine. Der Dienst Gifvine macht aus Vine-Videos übrigens .gifs.

Und ja, verbalisiert nennt sich das Ganze jetzt "to vine", "vining" oder – auf Deutsch – "vinen". Also nicht wundern wenn man beim nächsten Konzert den Satz hört "Ey krass, lass ma' vinen!", dahinter steckt keine plötzlich überbordende Emotionalität der Jugend, sondern nur der neuste heiße Scheiß aus diesem Internet.



Vine
Kostenlos.
Kompatibel mit iPhone (ab 3GS), iPod touch (ab 3. Generation) und iPad. Erfordert iOS 5.0 oder neuer.

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