fudders App-Check: "Finding Home" – Eine Flucht als Smartphone-Spiel

Niklas Batsch

Mit der App "Finding Home" will das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen Flucht erfahrbar machen. Das eigene Telefon wird dabei zu dem der 16-jährigen Kathijah, die auf der Flucht ist.

"This is the story of Kathijah, a 16-year old Rohingya refugee forced to flee to Malaysia with her brother Ishak in order to find safety."

Weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund. Tap to continue.


Notes. Music. Calls. Gallery. Chats. Der Smartphonebildschirm sieht fast so aus wie immer, doch er gehört Kathijah. Der Bildschirmhintergrund zeigt ein junges Mädchen in bunten Kleidern und mit Lächeln im Gesicht auf einer Treppe sitzend.

Das eigene Handy wird zu dem von Kat

Wer "Finding Home" spielt, macht sein Handy zu dem der 16-jährigen, die gemeinsam mit ihrem Bruder von Myanmar nach Malaysia fliehen muss.

Seit Mai ist die kostenlose App des malaysischen Ablegers des Flüchtlingswerks der Vereinten Nationen (UNHCR), für Android-Telefone verfügbar. Anstatt sich zwischen Whatsapp-Nachrichten, Snaps und Instagram hin- und hertreiben zu lassen, geht’s auf dem eigenen Telefon plötzlich ums nackte Überleben. Zwar nur als Spiel, aber mit realistischen Problemen.

Die natürlich fiktive Kat und ihr Bruder Ishak werden auf ihrer Flucht getrennt. Als Spieler muss man Entscheidungen treffen, wie Kat sich weiter verhält. Kann sie der nächstbesten Person vertrauen? Ist das Camp wirklich sicher? Soll sie ein Arbeitsangebot annehmen, obwohl eine Freundin sie vor dem Arbeitgeber gewarnt hat? Das sind nur ein paar Fragen, die sich in den ersten Tagen der Flucht stellen.

Als Spieler klickt man sich durch Kats Chatverläufe. Schreibt mit ihren Verwandten, hilfsbereiten Menschen und Möchtegern-Freunden. Knüpft wichtige Kontakte, sucht Arbeit und hofft, weiter zu kommen. Man telefoniert mit dem Bruder, kombiniert Bilder der Galerie zu einer sicheren Fluchtroute und hat die Wahl zwischen verschiedenen SMS-Antworten. Alles, was man im Spiel macht, beeinflusst das Leben und Überleben der 16-jährigen auf ihrem Weg nach Malaysia.

Eine App als Überlebenssimulator

Finding Home ist in der aktuellen Zeit, die von Social Media und der Flüchtlingsproblematik dominiert wird, sicherlich ein Spiel, das polarisieren kann. Zum Positiven wie Negativen. Manchmal macht das Spiel stutzig. Zum Beispiel, wenn man das ein oder andere Mal zwischen zwei Antworten wählen soll, die Kat arrogant oder brummelig aussehen lassen. Oder man kann eine Arbeit nicht annehmen, obwohl man es will.

Schnell merkt man, worauf die App, dieser Überlebenssimulator, eigentlich abzielt: "Finding Home" will Nutzerinnen und Nutzer ein kleinwenig begreifbar machen, was Menschen auf ihrer Flucht erleben, wie komplex ihr Alltag ist – und welche große Überlebenshilfe dabei das Smartphone ist.
Finding Home gibt es kostenlos für Android.


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